Der Hobby-Pilot an der Raiffeisen-Spitze

Nach 15 Jahren unter Pierin Vincenz hat die Raiffeisenbank mit Patrik Gisel einen neuen CEO. Der 53-jährige Ostschweizer ist bereits seit 2000 in der Bank, stand aber als Stellvertreter in Vincenz' Schatten. Doch wer ist der Unbekannte, der manchmal selbst zu eigenen Geschäftsterminen fliegt?

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Der neue CEO der Raiffeisen-Bank: Patrik Gisel

4:28 min, aus 10vor10 vom 1.10.2015

Seit heute leitet Patrik Gisel die Geschicke der drittgrössten Bank der Schweiz. Er hat ein schweres Erbe anzutreten – sein Vorgänger Pierin Vincenz hat die Raiffeisen geprägt wie kein Zweiter. «Es ist sehr speziell, Pierins Nachfolger sein zu dürfen», erklärt Gisel, «vor allem nach 15-jähriger Zusammenarbeit.»

Neben der Arbeit pflegen der abtretende und der designierte Chef auch privaten Kontakt. Doch Gisel sagt von sich selbst, ein anderer Typ als Vincenz zu sein: «Pierin hat sich immer stark exponiert, auch politisch. Ich bin eher zurückhaltend und ich versuche mich nur in Bankthemen einzubringen.» Gisel ist zwar Mitglied in der FDP, allerdings ohne politisch aktiv zu sein.

Sport als wichtiges Hobby

Einen ganz wichtigen Stellenwert bei Patrik Gisel nimmt der Sport ein. Der HSG-Absolvent mit Doktortitel betreibt in seiner Freizeit regelmässig Triathlon, war mehrfacher Schweizermeister im Turmspringen und besitzt ein Rennauto. Mit diesem war er schon auf der Formel-1-Strecke am Nürburgring unterwegs und hat mehrere Auszeichnungen für absolvierte Fahrtrainings erhalten.

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Raiffeisen-CEO Patrik Gisel: «Im Sport kann man viel lernen»

2:35 min, vom 1.10.2015

«Sport ist mir sehr wichtig, er ist mein Ausgleich.» Ausserdem ist Gisel Hobbypilot und besitzt mit einem Kollegen ein zweimotoriges Sportflugzeug, mit dem er sogar Geschäftsflüge absolviert. «Damit fliege ich schon 15 Jahre – gleich lang wie ich bei der Raiffeisen bin, aber das ist Zufall.»

«Das Geschäftsfeld ausweiten»

In diesen 15 Jahren hat sich enorm viel bei der Raiffeisenbank verändert. Die Systemrelevanz zeige, wie bedeutend die Bank für die Schweiz geworden sei. Pierin Vincenz habe einen grossen Teil zu diesem Wachstum beigetragen.

Doch auch Gisel drückt nicht auf die Bremse: «Die Raiffeisenbank soll in Zukunft weiter wachsen, zum Beispiel beim Geschäft mit Firmenkunden. Unser Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft.» Sorgen bereiten Gisel in erster Linie die Tendenz zu Überregulierung, wie zum Beispiel einem übertriebenen Konsumentenschutz. «Es ist wichtig den Finanzplatz stark zu halten.»