«Der HSBC-Chef holt zum Befreiungsschlag aus»

Verschärfte Regulierungen und veränderte Rahmenbedingungen zwingen die britische Grossbank HSBC zu einem nochmals verschärften Sparkurs mit einem drastischen Stellenabbau. Die Probleme seien aber auch hausgemacht, sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind im Interview.

SRF News: Kommt der neue Stellenabbau bei HSBC überraschend?

Marianne Fassbind: Nein, denn die Bank hat ja bereits ein Sparprogramm am Laufen. Der Konzern senkt seine Kosten nun aber nochmals drastisch.

Wieso muss HSBC denn so stark auf die Sparbremse drücken? Wo liegen die Probleme?

Ein wichtiger Grund sind die schärferen Regulierungsvorschriften vor allem im Investmentbanking, die von den Banken mehr Eigenkapital verlangen. Das schmälert die Rendite. Und neue Technologien zwingen die Banken, ihr Beratungsgeschäft neu aufzustellen.

«  Ein Firmensitz in Asien wäre näher bei den Kunden. »

Marianne Fassbind
SRF-Wirtschaftsredaktorin

Der Wettbewerb unter den Instituten ist härter geworden. Zudem können im Backoffice immer mehr Aufgaben automatisiert werden, was weitere Einsparungen ermöglicht. Hinzu kommt speziell für HSBC, dass sie immer wieder in Skandale verstrickt war. Die Bussen beeinträchtigen die Gewinne der Bank natürlich auch.

Steht der verschärfte Sparkurs auch im Zusammenhang mit den Enthüllungen, dass die Schweizer HSBC-Tochter Kunden bei der Steuerumgehung und -hinterziehung geholfen hat, was in Grossbritannien ja hohe Wellen warf?

Das ist sicher ein weiterer Grund. HSBC-Chef Stuart Gulliver steht ja auch unter Beschuss und holt nun zu einem Befreiungsschlag aus.

Wieso denkt die Bank über eine Sitzverlegung weg aus Europa beziehungsweise Grossbritannien nach?

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Der Umbau bei der Bank HSBC

1:37 min, aus Tagesschau vom 9.6.2015

Eine Sitzverlegung ist schon länger ein Thema, damit drohte die Bank auch nach der Finanzkrise. Das Thema ist wieder aktuell geworden wegen des möglichen Austritts von Grossbritannien aus der EU. In diesem Fall macht der Sitz London für die Bank natürlich keinen Sinn mehr. Zudem wäre die Bank mit seinem Sitz in Asien einen Schritt näher beim Grossteil ihrer Kunden.

Löst HSBC nun eine Welle weiterer Sparmassnahmen in der Bankenbranche aus, die auch Schweizer Institute treffen könnte?

Auch der Deutschen Bank stehen mit dem Rücktritt der beiden Co-Chefs grosse Veränderungen bevor, wie am Wochenende bekannt wurde. Klar ist, dass sich das Bankengeschäft auch hierzulande weiter verändern wird.

Bei der Credit Suisse übernimmt am 1. Juli ja der neue Chef Tidjane Thiam das Ruder. Und es ist mit einer Strategieänderung in Richtung mehr Vermögensverwaltung zu rechnen, verbunden mit Sparmassnahmen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Weltweit will die Grossbank HSBC Zehntausende Jobs streichen; in Asien will die HSBC dagegen investieren.

    Europas grösste Bank trennt sich von 50'000 Mitarbeitern

    Aus Echo der Zeit vom 9.6.2015

    Die britische Grossbank HSBC baut weltweit bis zu 50'000 Stellen ab. Sie zieht sich aus ihren Geschäften in der Türkei und weitgehend auch aus Brasilien zurück. Könnte ein derart radikaler Schrumpfungsprozess auch Schweizer Banken bevorstehen?

    Manuel Rentsch und Eveline Kobler