Der letzte Schritt zum Freihandel mit China

Es ist soweit: Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann setzt morgen seine Unterschrift unter das Freihandelsabkommen mit China. In Bern spricht man von einem Meilenstein. Was in dem Abkommen steht, wird aber erst nach der Unterzeichnung veröffentlicht. Die Bauern hierzulande sind skeptisch.

Ein chinesisches Kind hält ein in Zellophan verpacktes Stück Schokolade ans Ohr und lacht.

Bildlegende: Chinesen lieben Schweizer Schokolade. Dank Freihandel könnte sie für die breite Masse bezahlbar werden. Keystone

Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist unterwegs zu einem offiziellen Besuch in China. Wichtigster Programmpunkt ist die Unterzeichnung des kürzlich ausgehandelten Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China. «Mit diesem Abkommen eröffnen wir der Schweizer Wirtschaft Zugang zu einem Riesenmarkt mit Riesenpotential», sagte der Wirtschaftsminister im Vorfeld.

Anders als für die Schweiz war das Abkommen für die Bevölkerung Chinas bisher keine grosse Sache. «Das wird sich jetzt ändern», ist Urs Morf, SRF-Korrespondent in Ostasien, überzeugt. «Die Fernsehaufnahmen von der Unterzeichnung geben schöne Bilder in den Abendnachrichten. Dann wissen die Chinesen Bescheid.»

Bald Schweizer Joghurt in chinesischen Regalen?

Was in dem Freihandelsabkommen genau steht, wird erst nach der Unterzeichnung publik; etwa auf welchen Gütern und Leistungen die Zölle gesenkt werden oder gar ganz wegfallen. Grundsätzlich hat die Vereinbarung das Ziel, der Schweiz und der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt gegenseitig den Marktzugang zu erleichtern.

Schneider-Ammann hatte unlängst erklärt, die Chinesen hätten grosses Interesse an Schweizer Milchprodukten; zum Beispiel an Joghurt. Laut Urs Morf ist es durchaus vorstellbar, dass es demnächst Schweizer Joghurts in chinesischen Supermärkten zu kaufen gibt. «Ich würde aber davon ausgehen, dass diese eher von Schweizer Firmen in China produziert werden, nicht in der Schweiz» – aufgrund der hohen Transportkosten. Somit wäre Joghurt nicht vom Abkommen betroffen.

Vertrauen in Schweizer Milchpulver sehr gross

Schweizer Milchpulver hingegen könnte nach der Einführung des Freihandels reissenden Absatz finden in der Volksrepublik, schätzt Morf. «Daran sind die Chinesen sehr interessiert, weil sie ihrem Milchpulver seit dem Melamin-Skandal 2008 nicht mehr über den Weg trauen.» Damals waren sechs Säuglinge nach dem Konsum von Melamin-versetzter Milch gestorben, fast 300'000 wurden krank.

Ein weiteres typisches Exportprodukt dürfe man auch nicht vergessen, so Morf: Schweizer Schokolade. «Sie ist in China bereits erhältlich und ist unglaublich beliebt. Chinesen finden sie die beste Schokolade der Welt. Aber sie ist tatsächlich wahnsinnig teuer. Nur die Neureichen können sie sich leisten.»

Es könnte sein, dass Schoggi durch das Abkommen für den Durchschnittschinesen erschwinglicher wird und der Absatz steigt. Für Schweizer Hersteller der süssen Versuchung sind das äusserst erfreuliche Aussichten.

Schweizer Bauern: Angst vor Import «sensibler Produkte»

Es gibt aber auch skeptische Stimmen hinsichtlich des Abkommens. Bei den hiesigen Bauern etwa. Sie fürchten Billigimporte aus China. Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes: «Ich werde genau anschauen, was bei welchen Lebensmitteln vereinbart wurde. Wurden Zugeständnisse gemacht, wenn ja, bei welchen Produkten, in welchem Umfang?» Entscheidend sei, ob sensible Produkte betroffen sind. Produkte, bei denen die Schweizer Landwirtschaft selber stark ist.


Freihandel mit China: Bauernverband ist skeptisch

4:03 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.07.2013

«Milchprodukte, Fleisch, Gemüse während der Saison, Getreide – wenn da Zugeständnisse über die vereinbarten zollfreien WTO-Kontingente hinaus gemacht wurden, wäre das sehr heikel für uns», sagt Ritter.

Die Chancen, Schweizer Rohstoffe zu exportieren, hält er denn auch für klein. «Wir haben einen Selbstversorgungsgrad von 54 Prozent. Für rund die Hälfte der Menschen in unserem Land produzieren wir die Kalorien selber. Die andere Hälfte importieren wir», erklärt der Verbandspräsident. Die Fähigkeit der Schweizer Landwirtschaft, in grosse Länder zu exportieren, sei deswegen sehr begrenzt.