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Erfolgreiches Geschäftsmodell Desinfektionsmittel
Aus 10 vor 10 vom 13.04.2021.
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Desinfektionsmittel boomen Ein klassisches Spitalprodukt wandelt sich zum hippen Alltagsgut

Der Desinfektionsmittel-Markt explodiert. Das lockt weitere Hersteller an, die den Markt mit neuen Trends aufmischen.

Die Flaschen, die einst nur in Spitälern und Arztpraxen standen, sind zu einem festen Alltagsbegleiter für jedermann geworden – Desinfektionsmittel. Kaum ein Ort, an dem der flüssige Virenkiller nicht aufgestellt ist.

Das schlägt sich auch in Zahlen nieder: Die grössten Schweizer Detailhändler erzielten 2020 mit Händedesinfektionsmitteln fast das Zehnfache des üblichen Umsatzes und selbst mit Oberflächenmitteln das Dreifache.

Dieser Boom lockt neue Produzenten an, die den Markt mächtig aufmischen. Zu Spitzenzeiten, als die herkömmlichen Hersteller die Nachfrage nicht decken konnten, sprangen Schnapsbrauer, Apothekerinnen oder Hobbytüftler ein. Häufig als Notlösung, weil ihr eigentliches Kerngeschäft eingebrochen war.

Mittlerweile sind einige von ihnen fest in das Geschäft eingestiegen. So ist die Auswahl an Händedesinfektionsmitteln in den Regalen heute doppelt so gross wie vor der Pandemie: Rund 400 neue Produkte sind beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) registriert. Auch der Markt für Desinfektionsmittel für Oberflächen und gar Lebensmittel wächst, wie Zahlen des BAG zeigen.

Fehlverhalten revolutioniert den Mark

Der intensivere Gebrauch dieser Mittel strapaziert allerdings die Hände. «Vor allem, wenn man nicht korrekt desinfiziert, zum Beispiel, wenn auf nasse Hände Alkohol tropft oder wenn man vergisst, danach die Hände richtig zu pflegen», sagt Stefan Mühlebach, Professor für Pharmakologie und Spitalpharmazie an der Universität Basel.

Genau diese fehlerhafte Anwendung revolutioniert den Markt, denn immer häufiger geben Produzenten Pflegekomponenten in die Mittel dazu. «Desinfektionsmittel haben sich fast schon zu einem Lifestyle-Produkt entwickelt. Sie kommen teilweise in poppigen Farben daher oder haben zum Beispiel einen Lavendelduft», sagt Johanna Gollnhofer, Professorin für Marketing an der Universität St. Gallen. Die Strategie sei sinnvoll: «Lifestyle-Produkte können für einen höheren Preis an den Konsumenten gebracht werden.»

Kleine Anbieter setzen Trends

Anfangs wurde diese Produkte vorwiegend von Nischenanbietern kreiert, mittlerweile reagieren aber auch die grossen Hersteller auf den Trend. Steinfels Swiss etwa, einer der führenden Schweizer Produzenten, reichert seine Mischung teils neu mit Geliermitteln und Grüntee-Parfum an.

«Es ist gut, dass es die kleineren Hersteller auch gibt. Die setzen Trends und wir können ganz genau schauen, wie diese laufen und können gewisse Entwicklungen aufnehmen», sagt Christian Koch, Geschäftsführer von Steinfels Swiss.

Dabei sollten die Kleinen von den Grossen aber nicht verdrängt werden, mahnt der Pharmakologe Stefan Mühlebach: «Die sind flexibel und können schnell reagieren. In der Pandemie hat man gesehen, dass das Abstützen auf kleinere Einheiten ganz wichtig ist.»

Mehr als nur ein Corona-Hype

Egal ob mit oder ohne Lavendelduft, die Nachfrage dürfte laut Mühlebach länger stark bleiben. «Die Massnahmen gegen Corona haben auch gegen die Grippe gewirkt. Unter diesen Aspekten wird die Desinfektion bleiben.»

Für Johanna Gollnhofer haben Desinfektionsmittel allein wegen des häufigeren Gebrauchs das Potenzial zu einem dauerhaften Alltagsbegleiter: «Je nach Produktkategorie braucht es 60 bis 125 Wiederholungen, damit etwas zur Routine wird.»

10vor10, 13.04.2021, 21:50 Uhr

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Egger  (S.Egger)
    Hippi... manchmal frage ich mich warum srf derartige Titel wählt. Um die Leserschaft anlocken und folglich mehr Klicks generieren? Den Inhalt des Artikels finde ich auch sehr fragwürdig, da wir unseren Kindern beibringen dass ein bisschen Dreck auch zum Alltag gehört und poppige Seifen schon gar nicht nötig sind. Meine Familie ist also auf jeden Fall nicht hippi
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Hoffentlich gibt's davon keine Lebeschäden. Gefühlt letzte Jahr mehr Alkohol über die Haut aufgenommen als im Restaurant ;-).
  • Kommentar von Urs Rösti  (szuechype)
    Schon witzig, wie man sich gegen kurzzeitige dermale Applikation wehrt, aber als Mundwasser oder geschluckt - da ist Alkohol wieder in Ordnung?
    1. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      Wie ich schon unten schrieb bzw. Paracelsus frei zitierte: Die Dosis macht das Gift.
      Sich die Hände x-mal täglich mit Desinfektionsmittel einzureiben ist ebenso kontraproduktiv und destruktiv wie x-mal wöchentlich Alkohol zu trinken.
    2. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      @ Rösti: Eine orale Einnahme von Isopropylalkohol ist sicher auch nicht in Ordnung.
    3. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Schon witzig, aber Shampoo wenden sie ja umgekehrt auch nur äusserlich an, oder?
      Und grundsätzlich ist es schon so, dass der Alkohol nicht nur Bakterien und (einige, nicht alle) Viren, sowie auch im Übermass genossen, auch Hirnzellen töten kann, aber umgekehrt auch die Fettschicht der Haut zerstört. Was wiederum bei übermässiger Anwendung zu Hautläsionen führen kann, welche die Türe für Krankheiten öffnen.
      Alles im Mass, also der Alkohol und die Hand-Hygiene, nicht?
    4. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Schon mal gehört, dass einer vom Händewaschen gestorben ist Herr Hahnau? Wohl kaum.
    5. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      @Andreas Müller: nein, davon habe ich auch noch nicht gehört. Wieso fragen Sie?