Deutsche Flughäfen ohne Passagiere

Die meisten Flugzeuge der deutschen Lufthansa bleiben auf dem Boden. Seit Mitternacht streiken die Piloten für drei Tage. Rund 425'000 Passagiere sind von den etwa 3800 Flugausfällen betroffen.

Bei der Lufthansa und ihren Tochtergesellschaften Germanwings sowie Cargo läuft in den kommenden drei Tagen praktisch nichts: Die Piloten streiken.

An den deutschen Flughäfen waren die Annullationen am Morgen deutlich spürbar. In den Terminals der wichtigen Flughäfen Frankfurt und München herrscht kaum Betrieb, weil die meisten Passagiere rechtzeitig informiert worden waren.

Fast 4000 Flüge fallen aus

Lufthansa hat für die Streiktage bis einschliesslich Freitag rund 3800 Flüge abgesagt und kann nur etwa 500 Verbindungen mit Jets nicht bestreikter Tochterfirmen anbieten. Betroffen sind rund 425 000 Fluggäste, denen verschiedene Umbuchmöglichkeiten angeboten wurden.

Weil der Streik frühzeitig angekündigt war, präsentierten sich viele deutsche Flughäfen am Morgen laut SRF-Korrespondent Stefan Reinhart fast menschenleer. Bilder von gestrandeten Passagieren in überfüllten Wartehallen gibt es keine.

Für strandende Transitpassagiere gerüstet

Am Flughafen Frankfurt stehen Verpflegungsstationen bereit; im Transitbereich sind laut einem Sprecher 450 Feldbetten für gestrandete Fluggäste aufgestellt. Die

Drehkreuze München und Frankfurt sind darauf vorbereitet, dass Transitreisende ohne Schengen-Visum trotz frühzeitiger Warnungen stranden könnten.

Keine rasche Einigung erwartet

Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings fallen mehr als die Hälfte der 1332 geplanten Flüge aus. Der verbleibende Rest wird von der nicht bestreikten

Gesellschaft Eurowings geflogen. Den wirtschaftlichen Schaden des bislang beispiellosen Ausstands beziffert das Unternehmen selbst auf einen hohen

zweistelligen Millionenbetrag. Schätzungen gehen von rund 80 Millionen Euro aus.

Trotzdem rechnen weder die Fluggesellschaft noch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit einer schnellen Einigung im Konflikt. Lufthansa schliesst Gespräche mit den Piloten während des Streiks aus. Eine Konzernsprecherin bekräftigte aber erneut die Gesprächsbereitschaft. Die rund 5400 streikenden Kapitäne und Co-Piloten lehnen die Angebote der Konzernleitung jedoch weiterhin ab.

Diskussionen um Streikrecht

Ihr Streik könnte jedoch auf lange Sicht kontraproduktiv sein, wie Stefan Reinhart sagt: Über den angerichteten Schaden erbost sind mittlerweile nämlich auch die Wirtschaft und die Tourismusbranche und beide machen Druck.

Politiker beschäftigen sich bereits mit der Frage, ob so kleine Gewerkschaften wie die VC künftig überhaupt noch zu Streiks mit so grossen Folgen aufrufen dürfen.

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Der Konflikt ist noch nicht vom Tisch

2:06 min, aus Tagesschau vom 2.4.2014

Angesichts der doch überdurchschnittlichen Löhne sorgt der Pilotenstreik bei vielen Menschen für Unverständnis. Grund für den Streik sind die von der Lufthansa gekündigten, grosszügigen Übergangsrenten, die den Piloten bisher eine vorzeitige Pensionierung mit 55 Jahren ermöglichten. Bis zur ordentlichen Pensionierung mit 60 erhielten sie weiterhin zwei Drittel ihres Lohnes. Das könne sich die Airline nicht mehr leisten, argumentiert die Konzernführung. Ausserdem verlangen die Piloten zehn Prozent mehr Lohn.

36 Flüge in Kloten annulliert

Der Piloten-Streik in Deutschland hat auch Auswirkungen auf den Flughafen Zürich: Am Mittwoch mussten 36 Flüge annulliert werden. Betroffen sind Verbindungen nach Düsseldorf, München, Frankfurt, Hamburg und Köln.

Am zweiten Streiktag vom Donnerstag sollen laut einem Flughafensprecher voraussichtlich 22 Flüge ausfallen, am Freitag noch 20. Trotz Streik erwartet der Flughafen aber kein Chaos. Die Piloten der Lufthansa-Tochter Swiss beteiligen sich nicht am Streik, da sie andere Verträge haben als ihre deutschen Kollegen.

Ab dem Euroairport Basel fallen am Mittwoch drei Flüge aus.

Mit den Fluglotsen geeinigt

Zu einem Arbeitskampf der Fluglotsen bei der Lufthansa kommt es nicht: Das Unternehmen konnte sich mit ihnen einigen. Die Fluglotsen erhalten rückwirkend per Anfang Jahr 1,8 Prozent mehr Lohn. Der mit der Flugsicherungs-Gewerkschaft vereinbarte Vertrag gilt für ein Jahr. Wiederholt legten die Fluglotsen den Flugverkehr mit Streiks lahm.