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Streckenunterbruch bei Rastatt Deutsches Bahnfiasko gefährdet unseren Grapefruit-Nachschub

Was absurd klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Die Migros muss derzeit improvisieren, um ihre Regale zu füllen.

Legende: Audio Die Folgen des Bahnunterbruchs abspielen. Laufzeit 06:17 Minuten.
06:17 min, aus Rendez-vous vom 31.08.2017.

Mit dem Streckenunterbruch im süddeutschen Rastatt ist ein Worst-Case-Szenario eingetreten. Denn die Rheintalstrecke zwischen Basel und Karlsruhe ist eine Hauptschlagader für den Güterverkehr auf der europäischen Nord-Süd-Achse.

Die Schweizer Verkehrsministerin reagiert pikiert. So schrieb Doris Leuthard einen geharnischten Brief an ihren deutschen Amtskollegen Alexander Dobrindt: Der Streckenunterbruch solle schnellstmöglich behoben werden, denn er habe «gravierende Auswirkungen für den Güterverkehr und die Schweizer Wirtschaft.»

Migros muss neue Wege beschreiten

Wie gravierend die Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft sind, zeigt das Beispiel Migros: Der Detailriese muss derzeit improvisieren, um seine Produktpalette aufrecht zu erhalten. Laut Markus Helg, Leiter Transporte bei der Migros, habe man «individuelle Lösungen» gesucht, um die jeweiligen Produkte in die Schweiz zu bringen.

Wir sind betroffen vom Bahnunterbruch. Aber nicht so stark, dass Sie die Produkte nicht mehr in den Regalen finden.»
Autor: Markus HelgLeiter Internationale Transporte bei der Migros

Vor allem bei Frischwaren ist die Migros stark gefordert. Bei ihnen verträgt es keine mehrtägigen Verzögerungen, wie sie der Detailhändler derzeit bei manchen Waren verkraften muss. Zeitkritisch ist die Lieferung etwa bei Zitrusfrüchten, die von Südafrika nach Rotterdam verschifft werden, und im Normalfall via Schiene in die Schweiz kommen.

Mehrkosten schlagen nicht zum Kunden durch

Ein akuter Vitaminmangel stehe uns aber nicht ins Haus: «Die Grapefruits und Zitronen werden in Rotterdam auf Kühllastwagen umgeladen und rechtzeitig in die Verteilzentren geliefert», sagt Helg.

Die temporäre Verlagerung von der Schiene auf die Strasse lasse sich wohl auch in den kommenden Wochen aufrechterhalten. Und das ist auch bitternötig: Denn die Bahnstrecke wird wohl noch einen Monat unterbrochen bleiben.

Mit dem logistischen geht ein finanzieller Mehraufwand für die Migros einher. Im Moment seien die Kosten aber überblickbar, sagt Helg. Entwarnung gibt es für die Kunden: Diese Mehrkosten würden nicht weitergebeben.

Migros bekennt sich zur Bahn

Der Ausnahmezustand bei der Migros zeigt: Ein paar «krumme Geleise» in der Provinz können den grenzüberschreitenden Warenverkehr empfindlich treffen. Grund genug, um der Bahn den Rücken zuzukehren? Die Migros erteilt solchen Überlegungen eine Absage: «Wir haben in der Vergangenheit auf die Bahn gesetzt und werden das auch in Zukunft tun», sagt Helg.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Jetzt geht die Welt unter, hoffentlich haben sich die Eidgenossen wenigstens mit genügend Klopapier eingedeckt, sonst steigert sich das Gejammere ins Unendliche.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (sensus communis)
    Da gibt es irgendwo in Deutschland einen Bahnunterbauch und schon bricht Panik aus. Offensichtlich haben wir wirklich keine grösseren Probleme,als das Vermissen von Grapefruit in den Regalen.Stellen sie sich einmal vor,wenn schon die Grapefruit zum Problem wird,wie wollen wir dann eine PFZ,den EMRK & die Bilateralen und das Grenzgängertum kippen,wenn uns schon nur eine Grapefruit in Rage bringt?-Herr Rösti,nehmen sie die «Anbauschlacht» als pol.Fernziel in ihr Parteiprogramm, das ist hip!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Was diese Frau so alles hinkriegt und schafft....!, und alles mit besonderem Elan.
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