Devisenskandal: UBS wird erneut zur Kasse gebeten

Die Grossbank hat sich im Fall der Währungsmanipulation mit den Aufsichtsbehörden verschiedener Länder geeinigt. Sie zahlt 774 Millionen Franken. Mark Branson, Chef der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, fand klare Worte.

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Hohe Busse nach Devisenskandal

3:36 min, aus Tagesschau vom 12.11.2014

Mark Branson, Direktor der Finanzmarktaufsicht (Finma), hat das abgeschlossene Verfahren gegen die UBS wegen Manipulation im Devisenhandelsgeschäft als einen «Fall in noch nie dagewesener Dimension» bezeichnet. Die Untersuchung sei grösser und komplexer gewesen als alle anderen zuvor. Die UBS habe «regelmässig versucht, Referenzwerte zu manipulieren, um Gewinne zu erzielen».

Dieses Gebahren kostet die Bank nun insgesamt 774 Millionen Franken. Das heisst, sie muss der Finma unrechtmässig erzielte Gewinne in der Höhe von 134 Millionen Franken abliefern. Und die britische und die US-Aufsichtsbehörde haben der Grossbank Bussen von 359 respektive 281 Millionen Franken aufgebrummt.

An der branchenweiten Einigung sind neben der UBS auch die Citigroup, HSBC, JPMorgan und die Royal Bank of Scotland (RBS) beteiligt. Dort hätten die «zum Vorschein gekommenen Mängel» aber ohne Enforcement-Verfahren behoben werden können, so die Finma. Der Abschluss der Untersuchungen sei in Koordination mit den Aufsichtsbehörden in Grossbritannien und den USA erfolgt. Die fünf Banken müssen insgesamt knapp 3,4 Milliarden Dollar Strafe zahlen.

Branson: «Nichts aus der Vergangenheit gelernt»

Der UBS hätten «Tausende von Absprachen» innerhalb der Bank, aber auch mit anderen Banken nachgewiesen werden können. Die dazu nötigen Kontakte mit Devisenhändlern anderer Banken liefen über einen Internet-Chat. Branson kritisierte die Grossbank dafür scharf: «Dies kann nicht toleriert werden.» Störend sei neben dem Fehlverhalten der Händler insbesondere, dass die Bank nichts aus den Affären der vergangenen Jahre gelernt habe. «Die UBS hatte keine angemessenen Kontrollen für das Devisenhandelsgeschäft», sagte der Finma-Chef.

Die Bank habe nicht genügend Konsequenzen aus den früheren Vorfällen gezogen. Nach Ansicht der Finma hätte die UBS genügend Zeit gehabt, schneller freiwillig Konsequenzen zu ziehen. «Es scheint, dass die früheren Massnahmen die Kultur in anderen Geschäftsfeldern wenig verändert haben.»

Warum der Finma-Chef zu einem solchen Urteil kommt, führt ein Bericht aus. Dieser zeigt das Verhalten der 14-köpfigen Devisenabteilung im zürcherischen Opfikon zwischen 2008 und 2011. So hätten einige der direkten Vorgesetzten, die die Arbeit der Devisenhändler hätten überwachen sollen, die illegalen Praktiken selbst vorgelebt, heisst es darin.

Verfahren gegen elf UBS-Mitarbeiter

Die Finma hat der UBS nun eine Beschränkung der variablen Vergütungen für die Devisenhändler für zwei Jahre auferlegt. Und sie muss ihre Kontrollen verstärken. Die Ermittlungen wegen Marktmanipulationen sind damit aber noch nicht beendet.

UBS-Logo im gewölbten EIngang zur UBS-Hauptfiliale in Zürich.

Bildlegende: Die Serie an Fehlleistungen bei der UBS reisst nicht ab. Gegen elf Mitarbeiter läuft ein Verfahren. Reuters

Die Finma leitet gegen elf ehemalige und gegenwärtige UBS-Angestellte ein sogenanntes Enforcement-Verfahren ein. Sie will so herausfinden, was die einzelnen Personen von den Manipulationen wussten, und wie sie sich verhielten. Ermittlungen gegen die damaligen oberste Führungsriege sind offenbar keine geplant.

Wie der Fall des kürzlich in den USA freigesprochenen ehemaligen UBS-Bankers Raoul Weil gezeigt hat, ist es äusserst schwierig, dem höheren Kader Fehlverhalten nachzuweisen. Carsten Kengeter, der von 2009 bis 2011 für die Investmentbank der UBS zuständig war, und sein damaliger Chef Oswald Grübel dürften demnach ruhig schlafen können.

Chat-Protokolle der Banker

In ihrem Bericht zu den Devisenmanipulationen der UBS-Händler hat die Finma auch Auszüge aus bankeninternen Chats veröffentlicht. In Gruppenchats trafen UBS-Mitarbeitende intern und auch mit Mitarbeitenden anderer Banken Abmachungen, mit welchen Devisenkurse beeinflusst werden konnten. Gemäss Finma beglückwünschten sich die Mitglieder solcher Gruppenchats auch, wenn es ihnen oder einzelnen von ihnen mutmasslich gelungen war, den Referenzwert oder den Devisenkurs in die gewünschte Richtung zu bewegen: «Das sind geile Hunde da am PM-Desk, was die da treiben, haha», heisst es in einem Ausschnitt. In Anspielung auf einen Tagesgewinn von 1.1 Millionen Franken schrieb ein Banker: «1.1 Mio up auf den Tag, schoen». Offenbar war den Involvierten auch bewusst, dass sie unter Beobachtung stehen. Als die interne Aufsicht begann, das Geschäftsgebahren im Handelsraum unter die Lupe zu nehmen, schrieb ein Händler im Chat: «Das Ding ist, wir dürfen nicht mehr front runnen, Compliance sitzt uns im Arsch.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Niemand in der UBS scheint zwischen Januar 2008 und Mitte 2013 das Treiben der Devisenhändler hinterfragt oder überwacht zu haben.

    UBS kassiert hohe Strafe für Devisenkursmanipulation

    Aus Echo der Zeit vom 12.11.2014

    Eine Gruppe internationaler Grossbanken wird gebüsst - für die Manipulation von Devisenkursen. Die höchste Busse - umgerechnet 774 Millionen Franken - kassiert die UBS. Das Gespräch mit dem Direktor der Finma und eine Einschätzung.

    Eveline Kobler und Jan Baumann

  • Die Vorwürfe an die UBS sind happig: Devisenhändler in Zürich-Opfikon hätten über längere Zeit versucht, Devisenkurse zu manipulieren. Die internen Kontrollen der Bank hätten erneut versagt.

    Manipulierte Devisenkurse - harte Strafe für die UBS

    Aus Rendez-vous vom 12.11.2014

    Der Skandal um manipulierte Devisenkurse kommt einer Gruppe internationaler Grossbanken teuer zu stehen - unter ihnen die UBS. Nach der Einigung mit diversen internationalen Aufsichtsbehörden müssen fünf Grossbanken 3,4 Milliarden Dollar bezahlen, die UBS umgerechnet 774 Millionen Franken.

    Eveline Kobler und Jan Baumann

  • Monika Roth, Professorin für Compliance und Finanzmarktrecht.

    Monika Roth zur UBS und der 774-Millionen-Einigung

    Aus Rendez-vous vom 12.11.2014

    774 Millionen Franken zahlt die UBS für Manipulationen von Devisenkursen und beim Handel mit Gold. Monika Roth ist Professorin für Compliance und Finanzmarktrecht und Studienleiterin am Institut für Finanzdienstleistungen Zug - und Gast von Ivana Pribakovic.