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Wirtschaft Die Antwort Russlands auf Davos

Wäre Tsipras nicht nach St.Petersburg gereist, hätte das Wirtschaftsforum weniger Aufmerksamkeit erhalten. Viel mehr westliche Unternehmer als noch letztes Jahr nehmen teil. Doch die schlechten Wirtschaftsprognosen dämpfen den Anlass. «Es geht, wer hingehen muss», sagt Korrespondent David Nauer.

Zwei Männer vor Plakat des St.Petersburger Wirtschaftsforum
Legende: Das St.Petersburger Wirtschaftsforum steht im Schatten politischer und wirtschaftlicher Spannungen. Reuters

Das St.Petersburger Wirtschaftsforum erhält prominenten Besuch: Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich heute Nachmittag zu Putins Heimatstadt aufgemacht. Unter anderem sollen Details über eine Gaspipeline geklärt werden, die durch Griechenland gehen soll. Hätte Tsipras' Besuch nicht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Forum gelenkt, wäre es wohl auch dieses Jahr kaum in den westlichen Schlagzeilen erschienen.

Was einst die «protzige Antwort auf Davos» gewesen ist, wie das «Wall Street Journal» schreibt, ist zu einem vergleichsweise ruhigen Anlass geworden. Gemäss dem Präsidenten der Amerikanisch-Russischen Handelskammer laute der leise Rat «zu gehen, falls man gehen muss, aber unauffällig.» Dies tun dieses Jahr denn auch viele westliche Unternehmensführer und Manager.

Anhaltende Spannungen

Über 1000 Manager und Politiker werden zwischen Donnerstag und Samstag am Forum erwartet. Das sind viel mehr als noch vor einem Jahr, als das Forum im Schatten der neu eingeführten Sanktionen und der Krim-Annexion durch Russland stand. Sie unterzeichnen Verträge, als ob die Sanktionen oder der Ukraine-Konflikt nicht existieren würden.

«Die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen dem Westen und Russland bleiben jedoch schwierig», berichtet David Nauer, zukünftiger Russland-Korrespondent von Radio SRF. Erst am Mittwoch verlängerte die EU ihre Sanktionen. Russland verlängert seine Gegensanktionen ebenfalls. Hinzu kommen anhaltende militärische Spannungen in der Ukraine und in den letzten Tagen kam eine Aufrüstungsdiskussion auf Seiten Russlands sowie der Nato auf.

Die Wirtschaft schrumpft weiter

Das grösste Problem ist laut Nauer, dass die russische Führung keine Anstalten macht, die Politik zu verändern – Reformen einzuleiten. So habe Putin verkündet: «Die Krise ist ja schon vorbei, wir machen jetzt weiter wie bisher.»

Tatsächlich hat sich der russische Rubel etwas erholt. Er ist die einzige Währung, die seit der Aufhebung des Euro-Franken Mindestkurses im Januar gegenüber dem Franken stärker geworden ist. Allerdings befand sich der Rubel auf sehr tiefem Niveau. Er fiel gegen Ende 2014 so stark, dass sich die russische Zentralbank im Dezember gezwungen sah, den Leitzins um 6,5 auf 17 Prozent auf einen Schlag zu erhöhen. Die teilweise Erholung des Rubels und die verlangsamte Inflation von 15,6 Prozent – im März erreichte sie mit 17,5 Prozent den bisherigen Höhepunkt – veranlasste die Zentralbank am Montag, den Leitzins auf 11,5 Prozent zu senken.

Dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass der Rubel gegenüber dem Dollar innerhalb eines Jahres um 37 Prozent an Wert eingebüsst hat. Die Inflation und die Kapitalflucht halten an. «Wer kann, versucht sein Geld aus Russland hinauszuschaffen», so David Nauer. Die Rezession hält an: Analysten gehen davon aus, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres um 4,5 Prozent sinken wird.

Was ist zu holen?

Dass trotzdem so viele Firmenchefs und Manager ans Wirtschaftsforum nach St.Petersburg gehen habe damit zu tun, dass viele westliche Firmen Milliarden in Fabriken, Verkaufs- und Vertriebskanäle investiert hätten. Hinzu komme, dass Russland immer noch sehr gute Aussichten biete: Russland besitzt sehr viele Rohstoffe und liegt zwischen Europa und Asien «strategisch ausgezeichnet». «Kein Firmenchef möchte sich zurückziehen, wenn er nicht muss», so David Nauer.

Stadler Rail in Russland

Peter Spuhler vor Zug
Legende: Peter Spuhler in der Thurgauer Fabrikalle. Keystone

Der Umsatz des Schienenfahrzeugherstellers sank von 2,5 Mrd. 2013 auf 1,9 Mia. Franken. Unter anderem hat sich das Russlandgeschäft, in das Peter Spuhler viel Hoffnung gesetzt hat, als nicht sehr lukrativ erwiesen. Der Stadler-Chef ist dennoch zuversichtlich - noch nie konnte das Unternehmen so viele Aufträge generieren wie 2014.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Ich weisse ja nicht welche Rezession Nauer hier meint. Aber die Russischen Arbeitslosenzahlen liegen über das ganze Land klar unter 6% in den Grossstädten Moskau und St. Petersburg unter 2%. Die Schwäche liegt wie auch in der EU im Süden wo die Zahlen Südlich von Wolgograd auf über 10% ansteigen. Im Norden eine Strukturschwachen Region liegen sie zwischen 6-8%. Das ist weit von den 22% enfernt vom Jahre 2000. Das Wachstum wird sich um 2% abschwächen und keinesfalls um 4.5% wie Nauer verkündet.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Warum soll denn Europa nicht mit Ost UND West Handel und Austausch treiben können? Schliesslich macht aus Europa auch niemand den USA Vorschriften, wen diese zu sanktionieren haben und wen nicht. Ich finde es wäre so langsam an der Zeit, dass Europa sich emanzipiert und mit allen Nachbarn in Frieden Leben will/ darf/ soll.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Nun, "westliche" Firmen sollen mehr Handel mit den Amerikanern betreiben. Bestes Beispiel Stadler, welcher nun seine Monsterzüge nach Amerika verkauft & seine Geschäfte in Weissrussland auf Eis legt. Fakt ist, dass die Auswirkungen der Sanktionen erst langsam für die Länder in Europa spürbar werden. D hat jetzt schon massive Verluste & rechnet durch die Sanktionen gegen Russland mit neuen 1.8 Millionen Arbeitslosen in D. Also höchste Zeit, dass sich Europa von den Amerikanern distanziert.
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  • Kommentar von David Neuhaus, Winterthur
    Ich befürchte für uns, das dort die Zukunft gemacht wird und nicht in Davos. PS von wem ist der Bericht? Ah ja David Nauer...bekannte Propaganda-Gurgel der US/NATO :-)
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