Kritik vor Generalversammlung Die Baustellen des Urs Rohner

Der Credit-Suisse-Präsident steht unter Zugzwang. Trotz hoher Verluste zahlt die Bank Milliarden-Boni.

Urs Rohner.

Bildlegende: «Gegen die Wiederwahl von Urs Rohner». Die Stimmrechtsvertretung Ethos fordert ein Ende seiner Präsidentschaft. Keystone

Mit fast 35 Millionen Franken hat sich Urs Rohner seinen Verwaltungsratsjob bis heute vergüten lassen. 2009 kam er als Vize-Präsident in das Gremium, seit 2011 ist er dessen Präsident.

«Ethos ist gegen die Wiederwahl des Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner», lässt die Schweizer Stimmrechtsvertretung am 7. April angesichts der kommenden Generalversammlung in einer Mitteilung verlauten. Auch nachdem die Führung der Grossbank auf 40 Prozent ihrer variablen Bezüge verzichten will, bleibt Ethos auf ihrem Standpunkt.

Ein Fazit der 6-jährigen Amtszeit von Urs Rohner zeigt: Unter Urs Rohner hat die Credit Suisse viele offene Baustellen.

Häuser in US-Wohngebiet.

Bildlegende: Geschäfte im US-amerikanischen Immobilienmarkt kamen die Credit Suisse teuer zu stehen. Keystone

1. Teure Altlasten ohne Ende

Die Bank wird ihre Schwarzgeld-Vergangenheit nicht los. Anfang April durchsuchten etwa in Paris und Amsterdam die Behörden Büros der Credit Suisse.

Für Tricksereien am US-Hypothekenmarkt zahlte die CS vergangenes Jahr in den Vereinigten Staaten eine Busse von 2,5 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen werden über die nächsten Jahre voraussichtlich weitere Entschädigungen an Kunden in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar.

Bereits 2014 zahlte die CS in den USA eine rekordhohe Busse wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Der Verwaltungsrat will vom illegalen Treiben nichts gewusst haben.

2. Dünne Kapitaldecke

Ein Jahr nach der Ernennung Urs Rohners zum Verwaltungsratspräsidenten ermahnte die Schweizerische Nationalbank SNB: Die Grossbank brauche dringend mehr Kapital. Die Bank kommunizierte lange Zeit das Gegenteil.

Doch statt die Milliarden an Boni in grossem Umfang zu kürzen und damit auch auf diese Art die Kapitalbasis signifikant zu stärken, setzt der Verwaltungsrat unter Urs Rohner auf spezielle, teure Obligationen. Die Bank bezahlt dafür bis zu 9 Prozent Zinsen jährlich. Die grössten dieser Obligationen kosten die Bank 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

3. Hin und Her des Börsengangs

Bis Ende Jahr plante die CS einen Teil ihrer Schweizer Tochter an die Börse zu bringen. Die Einnahmen aus dem Börsengang sollten die Kapitallücke schliessen helfen. Der Verwaltungsrat unter Urs Rohner müsste dazu grünes Licht geben. Doch was vor einigen Monaten noch als konkreter Plan kommuniziert wurde, ist nunmehr nur noch eine Option. Ein Hin und Her, das kaum Vertrauen stiftet.

4. Milliardenhohe Verluste

In den letzten zwei Jahren hat die Bank 5,6 Milliarden Franken Verluste ausgewiesen. Grund dafür ist vor allem die Einheit «Strategic Resolution Unit», quasi die «Bad Bank» der CS. Die Sparte schreibt rote Zahlen – auch weil dort die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten mit den USA gebildet werden. 80 Milliarden Franken Aktiven verbucht die Bank darin, wovon 45 Milliarden als «risikogewichtete» Papiere. In solchen Aktiven ist berücksichtigt, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ereignis (etwa ein Kreditausfall) einen Vermögenswert in der Bilanz negativ belasten würde. Bis Ende 2019 sollen diese auf rund 14 Milliarden heruntergefahren werden.

Tidjane Thiam und Brady Dougan.

Bildlegende: Tidjane Thiam (links) übernahm 2015 den CEO-Posten von Brady Dougan (rechts). Keystone

Sollte diese Einheit weiterhin hohe Verluste verursachen, die die Erträge der anderen Sparten absorbieren, sind Boni-Zahlungen an die Bankspitze nach aussen hin schwer zu rechtfertigen.

Im vergangenen Jahr betrug die Gesamtvergütung inklusive Boni des CEOs Tidjane Thiam 11,9 Millionen Franken, jene von Präsident Urs Rohner 3,98 Millionen Franken. In den vergangenen zwei Jahren hat die Bank 6 Milliarden Franken Boni ausbezahlt und gleichzeitig einen Verlust von 5,6 Milliarden ausgewiesen.

5. Riskantes Investment Banking

Lange hat Urs Rohner auch an Ex-Bankchef Brady Dougan und damit am riskanten Investment Banking festgehalten. Seit Jahren verspricht die Bank diese Sparte, die viel Kapital bindet, deutlich zu verkleinern. Per Ende 2016 weist sie noch rund 70 Mrd. Franken solcher Aktiva aus – der Anteil im Asiengeschäft und in der «Bad Bank» noch nicht mitgerechnet. Im Vergleich dazu: Die risikogewichteten Aktiven der internationalen Vermögensverwaltung betragen 35 Mrd. Franken.

Stellungnahmen Credit Suisse

Die Credit Suisse hat unter der Präsidentschaft von Urs Rohner seit 2011 die Risiken im Investment Banking mehr als halbiert und die Bankbilanz um über 200 Milliarden Fr. verkürzt. Nach der Ernennung von Tidjane Thiam wurde die massive
Umstrukturierung der Bank vorangetrieben. Die Bank misst heute dem Schweizer Geschäft wieder eine grosse Bedeutung bei, sie konzentriert sich stärker auf das stabile Vermögensverwaltungsgeschäft und hat die Kapitalbasis weiter gestärkt. Die im Herbst 2015 vom Verwaltungsrat genehmigte Strategie zeigt erste operative Erfolge.
(E-Mail vom 21.4.17 an Redaktion «ECO»)

Credit Suisse verfolgt gegenüber Steuerhinterziehung eine Nulltoleranzpolitik. (...) Credit Suisse hat ihr Europageschäft ab 2011 überprüft und die Kunden aufgefordert, ihre Steuerkonformität nachzuweisen. In der Folge hat die Bank Beziehungen zu Kunden beendet, die keinen Nachweis erbrachten, dass sie ihre Steuern bezahlt haben.
(Mitteilung Credit Suisse vom 2.4.17)

Die Credit Suisse legt zudem Wert darauf, dass es sich bei den in der Moderation der Sendung «ECO» vom 24. April genannten Boni-Zahlen von 6 Milliarden Franken über 2 Jahre um Zahlungen «für alle CS-Mitarbeitenden» handelt.
(basierend auf Schreiben vom 26.4.17)

Ergebnis der Credit Suisse (Gewinne/Verluste in Mio. Fr.) Geschäftsbericht

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Credit Suisse: Druck auf Urs Rohner steigt

    Aus ECO vom 24.4.2017

    Seit Urs Rohner 2011 das Präsidium des Verwaltungsrates der Credit Suisse übernahm, ist der Aktienkurs eingebrochen und die Probleme scheinen kein Ende zu nehmen: Die CS musste Milliardenbussen zahlen, die Kapitaldecke ist nach wie vor zu dünn, die Bank schreibt Milliardenverluste. Trotzdem wollte der Verwaltungsrat sich und der Geschäftsleitung hohe Entschädigungen zahlen. Doch das kommt bei grossen Aktionärsvertretern schlecht an: Sie fordern Änderungen und teils sogar die Abwahl von Urs Rohner.

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