Die BIZ in Basel: Eine diskrete Institution mit globaler Wirkung

Janet Yellen, Mario Draghi, Thomas Jordan – regelmässig treffen sich Notenbanker in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ in Basel. Von den Gesprächen über Geldpolitik dringt wenig nach aussen. Doch die Entscheide der Notenbanker beeinflussen das Leben von Milliarden Menschen.

Aufsicht auf das Gebäude der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Bildlegende: Zentrale der Notenbanker: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Keystone

Alle zwei Monate kommen die Gouverneure der 60 Notenbanken, die Mitglieder der BIZ sind, im Turm neben dem Basler Bahnhof zusammen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit tauschen sie sich über Geldpolitik aus. Als Präsident der Schweizerischen Nationalbank SNB nimmt Thomas Jordan regelmässig teil. «Das Netzwerk, das dort aufgebaut wird, ist gerade für die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft mit einer wichtigen Währung von sehr grosser Bedeutung», sagt er im Interview mit «ECO».

Herren um eine Tafel, schwarzweiss.

Bildlegende: April 1930: Der Verwaltungsrat trifft sich zum ersten Mal. BIZ

Dass sich die Notenbanker untereinander bestens kennen, ermöglicht ihnen, in Notsituationen rasch einzugreifen. Etwa zu Beginn der Finanzkrise, als Banken einander kaum mehr Geld liehen: Im Dezember 2007 fällte die SNB zusammen mit der EZB, den Notenbanken der USA, Kanada und Grossbritannien innert kürzester Zeit den Entscheid, die Märkte mit Liquidität zu versorgen. Laut dem Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann war das ein entscheidender Eingriff: «Das führte dazu, dass diese Finanzkrise nicht sofort zu einem Kollaps des Finanzsystems führte.»

Dunkle Vergangenheit

Gegründet worden war die BIZ 1930, um die Reparationszahlungen Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg abzuwickeln. Doch schon bald wurde die Bank der Zentralbanken zu einer Stütze des nationalsozialistischen Regimes von Adolf Hitler: Die BIZ führte für die deutsche Reichsbank Währungstausche aus und nahm bis Kriegsende geraubtes Gold entgegen.

Historisches Gebäude.

Bildlegende: Im ehemaligen Savoy Hôtel Univers beim Bahnhof Basel hatte die BIZ ihren ersten Sitz, 1930. BIZ

Das Nazi-Regime hatte direkten Zugang zur BIZ: Zu den Gründungsmitgliedern zählte Hjalmar Schacht, der bis 1939 Reichsbank-Präsident war und bis 1943 verschiedene Minister-Ämter unter Hitler innehatte. Nach 1945 wurden fünf BIZ-Direktoren wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Seit 1998 sind diese Vorgänge im Archiv der BIZ öffentlich nachzulesen.

Nach dem Krieg war die BIZ am Aufbau der Europäischen Währungsunion beteiligt: Ab 1964 trafen sich die Notenbanker der Europäischen Union jeweils in Basel. 1979 wurde das Europäische Währungssystem ins Leben gerufen. Sein Sekretariat hatte es bei der BIZ, die auch seine Interessen wahrnahm. Erst als die Vorgänger-Organisation der Europäischen Zentralbank, das Europäische Währungsinstitut, 1994 von Basel nach Frankfurt umzog, endete die direkte Mitwirkung der BIZ.

Globale Standards

Heute zählt die BIZ über 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie versorgen die Notenbanken mit detaillierten Zahlen zu den Finanzmärkten. Zudem verwalten sie einen Teil der internationalen Währungsreserven.

Eine wichtige Rolle spielt die BIZ bei der internationalen Finanzmarktregulierung: Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht setzt den globalen Standard für Bankenregulierung, an dem sich die nationalen Behörden orientieren. Aktuell diskutiert wird Basel III, das eine ungewichtete Eigenkapitalquote von drei Prozent für Banken vorsieht. Das Institut für Finanzstabilität, das ebenfalls zur BIZ zählt, ist zentral für die Koordinierung nationaler Finanzmarktaufsichten.

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