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Wirtschaft Die Finma – gefangen im Interessenskonflikt

Die Finma steckt in einem Dilemma: Immer wieder rekrutiert sie Topbanker als Regulatoren. Damit ist ein Interessenskonflikt vorgespurt. Das legt der Fall des ehemaligen UBS-Führungsmannes Mark Branson im Libor-Skandal offen.

Mark Branson war bis 2008 in leitender Position bei der UBS in Japan tätig.
Legende: Vorgeladen: Mark Branson, bis 2008 in leitender Position bei der UBS in Japan, sagt vor dem US-Senat aus. Keystone

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) besetzt ihre Toppositionen häufig mit ehemaligen Geschäftsbankern. Und damit ist ein Interessenskonflikt programmiert.

Denn in ihrer neuen Rolle müssen die Neuregulatoren überwachen, ob sich die Schweizer Banken an die finanzrechtlichen Gesetze halten. Damit sollen sie die Gläubiger, Anleger und Versicherten schützen und sich für die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte einsetzen, wie es in Artikel 5 Finanzmarktaufsichtsgesetz (Finmaag) heisst.

Libor-Skandal zieht weite Kreise

Diese Ziele kann die Finma in eine Zwickmühle bringen. Schliesslich müssen die vom Geschäftsbanker zum Regulator Gewandelten ihre ehemaligen Arbeitgeber überwachen. In dieses Dilemma ist auch Mark Branson geraten. Branson war Chef der UBS Japan, wo die Fäden der Libor-Manipulationen zusammenliefen. Nun fungiert er bei der Finma als Chefaufseher über die Banken. Der Libor-Skandal hat Branson und die UBS eingeholt – und auch die Finma steckt nun in einem Dilemma.

Diese müsse ihre Strategie beim Anheuern von Mitarbeitern ändern, fordert der Headhunter Guido Schilling. «Ehemalige Banker sind bei der Finma nie ohne Risiko», sagt Schilling, der Führungskräfte auf Managerebene vermittelt.

Dieses Dilemma sieht auch Monika Roth, Professorin für Finanzmarktrecht an der Hochschule für Wirtschaft in Luzern: «Man kann leider nicht verhindern, dass solche Interessenskonflikte immer wieder auftreten.» Laut Roth sei es  grundsätzlich eine gute Variante, dass die Finma frühere Banker beschäftigt. Doch müsse man auf die Vorgeschichten dieser Manager schauen.

Moral bleibt auf der Strecke

Florian Wettstein, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen, verweist bei der Suche nach den Gründen für das Fehlverhalten auf die Unternehmenskultur.

«Natürlich waren die Kontrollen zu schwach. Doch bei Unternehmen wie der UBS kann die Moral auf der Strecke bleiben», sagt Wettstein.

Wenn sich Moral nicht lohne oder in Hinblick auf die Entlohnung oder Karriere sogar schaden könne, dann seien die Anreize da, Moral in den Hintergrund zu rücken, sagt er.

Berater als Lösung

Headhunter Schilling fordert, dass die Finma ganz auf die Rekrutierung von Geschäftsbankern verzichtet. «Man soll Persönlichkeiten in Betracht ziehen, die nicht direkt von den regulierten Banken kommen, sondern von Beratungsunternehmen.»

Diese Berater stehen Banken und Versicherungen zur Seite, wenn es beispielsweise um die Umsetzung der neuen Eigenkapitalvorschriften geht; und sie zeigen ihnen die Grenzen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf.

Massive Lohneinbusse

Schilling treffe häufig Berater an, die sich vorstellen können, ihr Know-how beispielsweise beim Regulator einzubringen. Denn dort seien  sie inhaltlich stark gefordert und könnten dem Staat wieder etwas zurückgeben. Durch die profunden Kenntnisse als Berater «verfügen sie auch über die nötige Akzeptanz der Banken», sagt Schilling.

Wenn die Finma ihre Personalpraxis ändern sollte, müssten aber noch die Berater mitspielen. Denn sie erwarten als Regulatoren erhebliche Lohneinbussen.

(prus;basn)

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3 Kommentare

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  • Kommentar von A. Planta, Chur
    Die Finma – gefangen im Interessenskonflikt : Um es anschaulicher zu sagen: Das ist so als würde man einem Hund die Verwaltung eines Wurstdepots übertragen.
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  • Kommentar von Haffner Monique, 4583 Mühledorf
    Mahatma Gandhi; Die sieben Todsünden der modernen Welt: 1. Reichtum ohne Arbeit. 2. Genuss ohne Gewissen 3. Wissen ohne Charakter 4. Geschäft ohne MORAL 5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit 6. Religion ohne Opferbereitschaft 7. Politik ohne Prinzipien
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  • Kommentar von Werner Stauffacher, Altdorf
    Das wäre so, als würde eine Gefängnisdirektion Walter Stürm selig als Sachverständigen zur Ausbruchsverhinderung engagieren. Es stellt sich nur die Frage, wer mehr bezahlt!! Doch dieser Vergleich ist zu einfach. Eine Aufsicht ist nur so gut, wie man sich in der Materie auskennt. Also kann das nur einer, welcher in diesem Business tätig war. Selig ist nur jener, welcher absolut weiss, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, und damit sich in den Dienst der Gesellschaft stellt. Selten!!
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