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So schürft man Bitcoins Die Goldgräber des digitalen Zeitalters

Mit ultraschnellen Grafikkarten beuten Computercracks virtuelle Geldadern aus. Klingt komisch, ist aber so.

Legende: Audio Goldgräberstimmung im Bitcoin-Markt abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
1:54 min, aus HeuteMorgen vom 15.08.2017.
  • Grafikkarten verkaufen sich zurzeit so gut wie noch nie. Dazu trägt auch der Boom um virtuelle Währungen bei.
  • Bislang waren sie insbesondere bei Gamern beliebt, um rechenintensive Videospiele darzustellen.
  • Nun werden sie immer häufiger gekauft, um virtuelles Geld zu schöpfen.

Sei es ein Ballerspiel oder ein Autorennen: Dank moderner Grafikkarten erleben Gamer digitale Welten wie echt. Denn Grafikkarten haben äusserst leistungsfähige Prozessoren, die viel schneller rechnen als normale Computerchips.

Hände an den Tastaturen aufgereihter PCs.
Legende: Vor allem bei Gamern sind teure Grafikkarten beliebt. Mittlerweile tragen auch virtuelle Schürfer zu den Absätzen bei. Reuters

Diese Vorteile sind auch jenen Leuten aufgefallen, die sich für virtuelle Währungen interessieren – seien es Bitcoin oder andere. Diese virtuellen Goldgräber haben im letzten halben Jahr so viele Grafikkarten gekauft wie noch nie. Das ist auch der grössten Grafikkarten-Herstellerin Nvidia aufgefallen.

Deren Finanzchefin Colette Kress sagte jüngst an einer Präsentation:

Die Verkäufe der Karten steigen auch deshalb so stark an, weil man damit sehr gut elektronisches Geld schöpfen kann.

Bitcoins und ähnliche Währungen, die derzeit einen wahren Boom erleben, werden nämlich nicht von einer Nationalbank herausgegeben. Sie werden im Internet geschürft.

Inspiration aus dem Bergbau

Die Erfinder der Währungen haben sich beim Programmieren am Bergbau orientiert. Eine frische Goldader lässt sich anfänglich mit wenig Kraft ausbeuten. Ist die Ader langsam erschöpft, muss man immer mehr Aufwand betreiben.

Dasselbe bei den Bitcoins: Je länger es eine solche Währung gibt, desto stärkere Rechner braucht es, um die immer komplexeren Rechnungen zu lösen, mit der das Programm die virtuelle Geldader vor den Schürfern schützt.

Geschäftstüchtige Nerds

Findige Tüftler haben schon vor ein paar Jahren erkannt, dass sich Grafikkarten für diesen Zweck speziell gut eignen. Weil das aber nur ein paar Computernerds waren, fiel dies kaum auf. Doch mittlerweile gibt es eine Vielzahl virtueller Währungen – und einen wachsenden Markt, auf dem diese gehandelt werden. Das bringt professionelle Schürfer auf den Plan.

Vor allem in China gibt es professionelle Minenbetreiber, die zehntausende Grafikkarten gleichzeitig rechnen lassen. Diese neue virtuelle Goldgräberstimmung lässt bei den Grafikkarten-Herstellern die Kassen umso heftiger klingeln.

Die Blockchain-Technologie liegt der Währung Bitcoin zugrunde. Sie gilt als sicher, transparent und revolutionär. Die Grafik zeigt, wie die Technologie funktioniert.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst U. Haensler (ErnstU)
    Es ist immer noch ein Tabu zu behaupten, dass unser Geld nichts Wert ist, weil dahinter nicht genug tatsächlicher Wert ist ( reale Produktion, Immobilien etc. ) und viele Billionen Schulden weltweit. Weil die Menschen den Glauben am Wert unseres Geldes nicht verlieren dürfen. Darum gab es zB seinerzeit die katholische Inquisition. Um den Glauben zu erhalten.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Da rennen einige Modeschöpfer von virtuellem Geld zusammen mit den Glaubensbrüdern und weiteren Dummköpfen dem Goldenen Kalb hinterher, das nur virtuell golden leuchtet aber restlos ohne hinterlegter Leistung oder Deckung sein Blasendasein fristet. Wann begreift der Hinterste, dass selbst das Papiergeld der Banken und der Nationalbanken nur zu max. 10% gedeckt ist. Darum ist nur Festes Wahres Geld ( Edelmetalle , Grundeigentum, Eigenheim, Inhaberaktien von Grundversorgungs-Produckten usw. )
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    1. Antwort von Martin Johannes Semic (Martin Johannes Altenbach Semic)
      Dieser Kommentar hat die selbe Logik wie wenn sie sagen würden Gold ist wertlos, denn Gold ist auch nicht mit etwas Anderem hinterlegt.
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    2. Antwort von Martin Johannes Semic (Martin Johannes Altenbach Semic)
      Und Bitcoin ist mit enormer Rechenleistung hinterlegt, nicht nur mit einer (Geld) Druckerpresse, den Goldstandart gibt es seit Nixon nicht mehr, aber mann könnte heutzutage Fiat Währungen zum Beispiel mit Bitcoin hinterlegen.
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  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Guter Vergleich mit Inspiration aus dem Bergbau. Jedoch mit einem grossen Unterschied: im Bergbau werden reale Dinge gefördert z.B. Gold für Schmuck, Platin für Katalysatoren, Kohle für Engergie etc. Eine virtuelle Währung konstruiren bringt überhaupt keinen Nutzen. Mich wundert, wie lange EZB, FED, SNB etc. hier noch zuschauen, wenn weiterhin Parallel-Währungen geschaffen werden. Vor allem wenn man weiss, dass so unkontrolliert grosse Mengen Schwarz-Geld verschoben werden kann.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      mich wundert es schon lang, dass man hier eine Schwarzwährung bzw. deren Transaktionsmechanismus toleriert, die keinerelei regulatorische Aufsicht bezüglich Geldwäscherei zulassen. Meines Erachtens gehört Bitcoin verboten. Aber die Banken und Mächtigen haben wohl schon zu stark Ihren Rüssel drin... Mir stinkt das!
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    2. Antwort von Jonas Baumgartner (J. Baumgartner)
      Auch "reales" Geld hat keine reale Basis mehr auf das sich sein Wert stützt. Dieser kann von Banken und Spekulanten beliebeig nach oben und unten korrigiert werden (siehe Stärke des CHF oder Eingriff der EZB um durch den schwachen Euro die Wirtschaft anzukurbeln). Heutige Geldbeträge (auf Konten) sind nichts weiteres als binäre Zahlen ohne wirklichen Gegenwert. Also auch nichts anderes als die ganzen virtuellen Währungen. Irgendwann wird die Blase wieder platzen ...
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    3. Antwort von Martin Johannes Semic (Martin Johannes Altenbach Semic)
      Beim Schöpfen von Fiat Währungen wird wenigstens reales Papier gefördert. Und um Schwarzgeld zu verschieben braucht es kein Bitcoin, schließlich existierte Bitcoin z.b. zu Pablo Escobars Zeiten auch nicht, und trotzdem wurden Milliarden verschoben.
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