Die italienische Wirtschaft ist noch nicht über den Berg

Italien geht es besser. Jedenfalls ist das Vertrauen der Konsumenten und der Unternehmen gestiegen, wie das statistische Amt bekannt gab. Bewegt sich etwas im krisengeschüttelten Belpaese – oder sieht es nur so aus?

Es mag der Frühling sein, der optimistischer stimmt, oder die Wortwahl der Regierung. Sie braucht das Wort Krise kaum mehr. Sie will alle Italienerinnen und Italiener mit steten Parolen der Zuversicht froh stimmen.

Dabei schwingt auch die Botschaft mit, es sei die unermüdliche Reformarbeit von Matteo Renzi, der sogenannte Jobs Act. Steuersenkungen für die Unternehmen und erleichterte Entlassungsbedingungen sollen es erlauben, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen. Allerdings erinnern sich manche an Silvio Berlusconi.

Er, der stets frohgelaunte Verkäufer, erzählte im Sommer vor seinem Rücktritt Ende 2011, er stelle fest, dass alle Restaurants voll seien. Die Behauptung war kühn, ja dreist, denn Italien schlingerte damals auf stürmischem Meer hin und her und drohte unterzugehen. Und wieder andere denken an den Professore Mario Monti, den Nachfolger Berlusconis, der seinerseits weniger als ein Jahr nach Amtsantritt das Ende des Tunnels erblickte.

Auftragsbücher von Exportfirmen gefüllt

Es geht Italien etwas besser, daran besteht kein Zweifel. Die Bestellungen in den Büchern jener Unternehmen, die exportieren können, füllen sich. Der billigere Euro hilft, auch die geringeren Energiekosten, die dem tiefen Ölpreis zu verdanken sind. Die exportstarken Unternehmen befinden sich überwiegend in Norditalien. Ohne die Last jener Gegenden, die es über Wasser halten müsste, ohne die Last und Kosten der Verwaltung, würde dieser norditalienische Motor wie ein Ferrari brummen.

Abdeckgitter einer Baustelle, angeschrieben auf italienisch

Bildlegende: Es gehe Italien besser, sagt das statstische Amt. Nicht alle merken etwas davon. Keystone/Archive

Doch auch im Norden kommen jene Firmen, die weggezogen sind, nicht zurück. Neue Unternehmen werden zwar geschaffen, aber es ist kein Boom. Die in der Krise verwüsteten Gegenden des Mezzogiorno haben ihrerseits keine Jobs anzubieten.

Wer sich retten will, dem bleibt nur die Flucht in andere Länder. Oder, wie es die Angehörigen der Mafia verheissen, in den Drogen-, Waffen- oder Menschenhandel. Die besten der Jungen verlassen Italien weiterhin. Der Brain-Drain hält an. Zu viele Junge in Italien sind Teil einer geopferten Generation.

Die Arbeitslosigkeit Italiens insgesamt bleibt hoch, offiziell bei rund 13 Prozent, in Tat und Wahrheit sind doppelt so viel ohne Stelle. Und die Staatsschulden steigen weiter, stehen bei über 2165 Milliarden Euro, mehr als 132 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Immer noch in der Gefahrenzone

Mario Draghi, der Chef der EZB und nicht nur er, auch der Internationale Währungsfond, warnen Italien: Macht Eure Hausaufgaben weiter, reformiert die Wirtschaft, den Staatsapparat. Das leichte Geld allein bringt Italien nicht aus der Gefahrenzone.

Griesgrämige Konsumentenschutzorganisationen ihrerseits sagen trocken, sie könnten angesichts der angespannten Kassenlage, der Armut vieler Italiener nicht ganz glauben, was das statistische Amt erzähle: Die gestiegene Zuversicht sei eine Chimäre.