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Wirtschaft Die reichen Retter der Skigebiete

Die Rechnung geht nicht auf: Die Ausgaben für Bergbahnen in der Schweiz sind hoch, die Zahl der Gäste sinkt. Zunehmend setzen Berggebiete auf prominente, finanzkräftige Geldgeber – und verzerren damit den Markt.

Gondel
Legende: Damit es nicht nur für grosse, schneesichere Skigebiete wie Corvatsch weitergehen kann, springen private Investoren ein. Keystone

Die Bergbahnen im bündnerischen Brigels standen vor dem Konkurs. Ihr Glück: Eine Investoren-Gruppe rund um Pierin Vincenz stellte zur Rettung des Skigebiets drei Millionen Franken bereit. Im Gegenzug wurde der ehemalige Raiffeisen-CEO in den Verwaltungsrat der Bergbahnen gewählt.

Legende: Video Pierin Vincenz über sein Engagement in Brigels abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus ECO vom 12.10.2015.

«Die Verbundenheit zur Region war ausschlaggebend. Eine Rendite ist sekundär und auch nicht zu erwarten», begründet Vincenz sein Engagement in «ECO». Er ist in der Nachbar-Gemeinde Andiast aufgewachsen und besitzt dort eine Ferienwohnung. Der Einstieg der neuen Investoren hat für die bisherigen Aktionäre happige finanzielle Konsequenzen: Sie verlieren mit einem Kapitalschnitt 5 Millionen Franken.

Auch andere Ferienorte profitieren vom Geldsegen vermögender Privatpersonen: Ernesto Bertarelli und zwei andere Investoren stellen den defizitären Bergbahnen in Gstaad 28 Millionen Franken zur Verfügung.

Star-Architekten bauen im Toggenburg

Ins Skigebiet Wildhaus-Unterwasser im Toggenburg fliessen auf die kommende Wintersaison rund 40 Millionen Franken. Es sind ausschliesslich private Gelder: für ein neues Gipfelrestaurant auf dem Chäserrugg von den Star-Architekten Herzog und de Meuron und eine neue Gondelbahn.

Legende: Video Simon Ammann über sein Engagement im Toggenburg abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus ECO vom 12.10.2015.

Einer der einheimischen Geldgeber ist Skispringer Simon Ammann. Seine Rendite-Erwartungen sind bescheiden: «Mindestens werterhaltend sollte meine Investition sein», sagt Ammann.

Investitionen aus eigener Kraft: Illusion für 90 Prozent der Bergbahnen

Eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) kommt zum Schluss, dass 85 bis 90 Prozent aller Bergbahnen einen substanziellen Ausbau nicht aus eigener Kraft bezahlen könnten. Die Gemeinden, also die Steuerzahler, lassen sich nicht überall beliebig anzapfen. So sind mäzen-ähnliche Investoren ein Glücksfall, sagt HSLU-Ökonom Philipp Lütolf, Kenner der Bergbahn-Branche.

Allerdings: «Die Kapazitätsausbauten bringen in den wenigsten Fällen neue Gäste in die Schweiz, sondern nehmen den anderen Gebieten die Touristen weg», warnt Lütolf. Gesamtschweizerisch führten Investitionen von Privaten oft zu Überkapazitäten in einem schrumpfenden Markt. Entsprechend dezidiert ist der Schluss, den Philipp Lütolf zieht: «Wenn die Bahnen mir gehörten, würde ich jede Vierte schliessen.»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ihr armen +reichen Retter könntet auch die Landschaft in Grindelwald retten, wenn ihr euch für eine "sanfte" Erneuerung der Bergbahnen einsetzen würdet. Das V-Projekt wird nicht nur die Landschaft, sondern auch das Dorf Grindelwald + die Stationen im Thal zu kommerziellen Zentren verändern. Am 21. Oktober wird die Bergschaft Wärgistal nochmals gegen oder für das V-Projekt abstimmen. Es wäre eigentlich Pflicht jedes Schweizers die Bergschaft zu ihrem bereits einmal erteilten NEIN zu unterstützen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Solange es sich um gute Schweizer handelt, finde ich das sehr schön! Die verschiedenen Bahnen könnten auch Interessengemeinschaften gründen +so viele Geldspenden erhalten. Die Erhaltungsmassnahmen der einzelnen Bahnen müssten sich dazu aber sicher mit sehr vernünftigen "Renovationen" begnügen. Geld gibt der Bürger meist nur für überschaubare Projekte, wie z.B. die "Rothornbahn". Ein V-Projekt würde von der Mehrheit der Schweizer abgelehnt, da viel zu teuer +wegen des Massentourismus.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    ....oder die reichen Profiteure und Zerstörer der intakten Berglandschaft.
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Zelger: Ja, ich hoffe, dass z.B. das V-Bahn Projekt in Grindelwald abgewiesen wird. Die mutige Bergschaft Wärgistal kann jetzt noch als einzige die wunderschöne Landschaft retten. Diese Landschaft gehört ja vor allem uns Schweizern +den Touristen die aus Freude an den Bergen in die Schweiz kommen, + nicht den "Massen" aus dem Ausland, denen es egal ist, ob die Berglandschaft kaputt geht oder nicht. Auch die Grossunternehmer sind leider nur am Geld interessiert +die wollen nachher wieder wachsen.
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