Wachstumsbranche Mikrofinanz Die Rendite lockt, aber was nützts gegen die Armut?

Anlagen für Mikrokredite wachsen rasant, aber die Kreditnehmer in den Entwicklungsländern profitieren nur begrenzt.

Wenn Zainab in Kenia oder Sheetal in Indien einen Mikrokredit von 100 oder 1000 Dollar beantragen, dann ist die Chance gross, dass dieses Geld aus der Schweiz kommt. Denn gleich drei der weltgrössten Vermögensverwalter, die mit ihren Fonds in Mikrofinanzinstitute investieren, sind hierzulande ansässig. Darunter ResponsAbility in Zürich.

Vom Mikrokredit zur Mikrofinanz

Der Chef von ResponsAbility, Rochus Mommartz, ist seit den Anfängen der Mikrofinanz in diesem Bereich tätig. Und ist immer wieder erstaunt darüber, wie sich die Branche wandelt. Zum Beispiel in Indien.

«  Zum ersten Mal können Unternehmerinnen auch ein Sparkonto eröffnen. »

«Zum ersten Mal wird es ab 2017 in Indien möglich sein, dass die Kleinstunternehmerinnen bei ihrem Finanzistitut nicht nur Kredit nehmen können, sonder auch ein Sprakonto eröffnen können.» Das sei ein grosser Meilenstein in der Geschichte des Mikrofinanz, so Mommartz.

Seit den Anfängen der Mikrofinanz vor gut 30 Jahren ist die Branche stark gewachsen. Millionen von Kreditnehmerinnen sind dazu gekommen, Milliarden von Dollar in die Kreditinstitute in den Entwicklungsländern geflossen.

Lokale Professionalisierung

Das hat dazu beigetragen, dass die lokalen Finanzmärkte professioneller wurden. Reine Kreditgeber wuchsen zu Banken. Mikrofinanzinstitute vergeben ihre Kredite nicht mehr nur an Privatpersonen, sie finanzieren mittlerweile ganze Unternehmen. Und weil der lokale Finanzmarkt damit gestärkt wird, sind Mikrofinanzinstitute immer weniger auf internationale Investoren angewiesen. Denn sie können ihr Geld vermehrt im lokalen Markt besorgen.

Zu sehen Finanzler Rochus Mommartz.

Bildlegende: Rochus Mommartz von responsAbility, einem der weltgrössten Mikrofinanzfondsanbieter. SRF

Für Vermögensverwalter wie ResponsAbility in der Schweiz, bedeutet das auch Kunden in den Entwicklungsländern, also lokale Mikrofinanzinstitute, zu verlieren. Ohne Reue, beteuert responsAbility-Chef Rochus Mommartz:

«Das ist eigentlich eine schöne Geschichte. Wir verlieren zwar einen Kunden, aber dieser Kunde hat das erreicht, was wir langfristig erreichen möchten. Wir möchten ja mit diesen Investitionen erreichen, dass lokale Finanzsektoren entstehen, die sich auch lokal finanzieren können.»

Attraktive Anlagen, wenig Nutzen?

Weniger zu tun gibt es für den Vermögensverwalter ResponsAbility deswegen nicht. Die Nachfrage nach Mikrofinanzfonds ist gross. Ob Privatpersonen oder Pensionskassen, sie alle wollen ihr Geld in Mikrofinanzfonds stecken. Gerade im Tiefzinsumfeld sind solche Anlagen attraktiv.
Von dieser grossen Nachfrage der Investoren in den Industrieländern können die Endkreditnehmer in den Entwicklungsländern, Zainab in Kenia oder Sheetal in Indian, nicht unmittelbar profitieren.

«  Die internationale Finanzierung hat wenig Einfluss auf die Zinsen der Kredite. »

Ihre Zinsen beispielsweise bleiben hoch, sagt Annette Krauss, Mikrofinanzexpertin an der Universität Zürich: «Man hofft natürlich, dass die Institute in der Lage sind, die Zinsen für die Kreditnehmer zu senken. Die sind ja recht hoch im Vergleich zu grösseren kommerziellen Krediten. Aber so lange die Beratung ernst genommen wird, hat die internationale Finanzierung eher wenig Einfluss auf die Kreditzinsen».

Zu sehen ist

Bildlegende: In den Aufbau von Know-How vor Ort, könne noch mehr investiert werden, meint die Mikrofinanzexpertin Annette Krauss. SRF

Hoher Aufwand für seriöse Anbieter

Denn die Beratung, die kostet. Verantwortungsvoll Mikrofinanzdienstleistungen anzubieten braucht vor allem Personal. Berater, Analystinnen, Sachbearbeiter. Und so machen die Personalkosten auch den grössten Teil der Kosten aus bei den Kreditverleihern in Entwicklungsländern. Wenn ein Mikrofinanzinstitut also mehr internationales Geld anfordert und damit mehr Kredite im eigenen Land vergeben will, muss es auch mehr Personen anstellen.

Zudem hängen die Zinssätze stark von der Entwicklung des lokalen Finanzsektors ab. Je mehr kompetente Finanzdienstleister es hat vor Ort, desto besser für die Kreditnehmer. Darauf pocht auch der Chef eines der grössten Anbieters von Mikrofinanzfonds, Rochus Mommartz:

«Je mehr sie eine Marktentwicklung und wachsende Finanzinstitutionen haben, desto mehr werden sie sehen, dass dort Kosten reduziert werden und für die Endkreditnehmer bessere Konditionen zu beobachten sind.»