Die Schattenseiten von Blockchain

Blockchain ist eine neue, digitale Übermittlungstechnologie, die in unterschiedlichsten Bereichen Anwendungen findet und unter Spezialisten für viel Aufregung sorgt. Doch sie ist nicht nur komplex und experimentell, sie birgt auch Probleme.

Bitcoin-Zeichen auf einem Laptop.

Bildlegende: Die neue Technologie hat viel Potenzial, leidet aber noch unter Kinderkrankheiten. Keystone

  • Problem #1: Blockchains sind einsehbar

Lange galt die Anonymität als einer der wesentlichen Vorteile von Blockchain-Technologie. Aus diesem Grund zog die digitale Währung Bitcoin auch Drogen- und Waffenhändler an. Ein Irrtum, sagt Arthur Gervais, der sich im Rahmen einer Dissertation an der ETH Zürich mit Blockchain-Technologien befasst.

«Am Anfang wurde viel erzählt, dass Bitcoin anonym sei. Das ist es aber nicht», so Gervais. Denn schon mit wenig Aufwand können Spezialisten oft herausfinden, wer hinter einem Konto steckt. Die Blockchain ist wie eine offene Buchhaltung; sie ist für alle zugänglich und einsehbar. Jeder kann alle Überweisungen nachverfolgen.

Für die Banken oder die Industrie ist das inakzeptabel. Sie gehen einen anderen Weg. Ihre eigenen Versionen der Blockchain laufen in einem geschlossenen Netzwerk, Zutritt gibt es nur auf Einladung. In einem solchen System schafft nicht nur die Blockchain Vertrauen, sondern auch herkömmliche Verträge zwischen den Teilnehmern.

  • Problem #2: Blockchains sind langsam

«Die Geschwindigkeit des Netzwerks, wie viele Transaktionen pro Sekunde es derzeit aufnehmen und verarbeiten kann, reicht nicht aus für ein ganzes Land, nicht einmal für eine Stadt», erklärt Gervais. «Das heisst, das muss ausgebaut werden.» Kreditkarten-Giganten wie Visa oder Mastercard können mehrere 10'000 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Die offene Blockchain hinter der digitalen Währung Bitcoin hingegen bringt es auf maximal sieben Überweisungen pro Sekunde.

  • Problem #3: Blockchains kosten viel Energie

Blockchain - die Schattenseiten

3:56 min, aus Rendez-vous vom 05.10.2016

Dazu kommt eine weitere Schwäche: Der Aufwand. Die offene Blockchain arbeite ineffizient, meint der ehemalige Bitcoin Entwickler und Kritiker Mike Hearn. Sie verschleudere elektrischen Strom in gigantischem Ausmass. Geht es so weiter, braucht das Bitcoin-Netzwerk schon bald gleich viel Strom wie alle Einwohner Dänemarks. Der Grund: Der Mechanismus, der in der offenen Blockchain Vertrauen schafft zwischen unbekannten Beteiligten, braucht viel Energie.

Die Blockchain der Banken umgeht dieses Problem: Die Zahl der Teilnehmer ist beschränkt, die Teilnehmer kennen und vertrauen sich. Der Energieaufwand ist deshalb viel kleiner, die geschlossene Blockchain arbeitet effizienter.

  • Problem #4: Blockchains sind unstrukturiert

Gerade bei neuen, experimentellen Technologien wie der Blockchain herrscht oft Uneinigkeit, wie man das System weiterentwickeln soll. «Es gibt keine klaren Entscheidungsstrukturen. Es gibt keine zentrale Entität die sagt, ‹wir werden das jetzt so machen›», sagt ETH-Informatiker Gervais. «Sobald es Konflikte gibt und keine Lösung, geht es im Prinzip nur noch darum, wer mehr Einfluss hat, wer lauter schreit, und wer besser Marketing machen kann.»

Bei den Banken und in der Industrie sind diese Strukturen hingegen klar geregelt. Deshalb können sie die Probleme der Technologie gezielter angehen. Doch auch ausserhalb der regulierten Welt der Banken und der Industrie werden kreative Köpfe das Experiment weitertreiben – und bestimmt für Überraschungen sorgen.

Wie funktioniert Blockchain?

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Die dem Bitcoin zugrunde liegende Technologie gilt als revolutionär. Die Grafik zeigt, wie sie funktioniert.

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