Die Schweiz – das Job-Wunderland

Die Wirtschaft sucht Personal – so viel wie schon lange nicht mehr, und in allen Regionen der Schweiz. Die offenen Stellen sind nicht nur saisonal bedingt.

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Gute Aussichten auf Schweizer Stellenmarkt

1:28 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 15.4.2014

Der Adecco Swiss Job Market Index durchbricht alle Rekordlinien. Im ersten Quartal steigt der Index gegenüber dem Vorquartal um 10 Prozent an. Verglichen mit dem Vorjahresquartal liegt der Anstieg gar bei 21 Prozent. Der Index erreicht damit ein neues Allzeithoch.

Ein Koch gibt die Rösti von der Pfanne auf den Teller.

Bildlegende: Alles in Butter: Vor allem im Gastgewerbe werden wieder Stellen gesucht. Keystone

Die Stellenangebote steigen in allen Regionen und für alle Berufe. Grund sei nicht nur das saisonale Frühlingserwachen, das jedes Jahr wiederkehre. Dafür sei der Zuwachs zu stark, schreibt die Universität Zürich, die den Index erhebt. Die Schweizer Wirtschaft scheine sich vielmehr von den Jahren der Unsicherheit erholt zu haben.

KOF: Stellen ziehen Stellen nach sich

Für das KOF, die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, sind diese Ergebnisse überraschend positiv. «Vor allem auch deshalb, weil bisher gebeutelte Wirtschaftsbranchen wie Industrie, Tourismus, Banken nun auch wieder Stellen schaffen», sagt Michael Siegentaler vom KOF. Grund ist laut dem KOF die anziehende Konjunktur im Ausland, insbesondere in Europa.

Ein weiterer Grund ortet Siegentaler bei der Zuwanderung der vergangenen zwei Jahre: «Es braucht mehr Leute im Bau, in den persönlichen Dienstleistungen, im Erziehungswesen, in den Spitälern oder auch im Detailhandel, wenn Ausländer zuwandern.»

Starke Zunahme in Zentralschweiz

Die blühende Stimmung auf dem Stellenmarkt betrifft alle Regionen. Insbesondere in der Zentralschweiz und in der Nordwestschweiz werden deutlich mehr Stellen ausgeschrieben. Für die Zunahme in der Zentralschweiz ist vor allem der zuletzt lahmende industrielle und gewerbliche Sektor verantwortlich. Aber auch das Gastgewerbe sucht in der Zentralschweiz deutlich mehr Personal.

In der Nordwestschweiz ist die Zunahme breit abgestützt. Vor allem in den Büroberufen und im sozialen Bereich suchen Arbeitgeber deutlich mehr Leute. Weniger markant, aber trotzdem positiv, ist die Entwicklung im Grossraum Zürich, in der Ostschweiz, in der Genferseeregion und im Espace Mittelland.

Stellenmarkt nach Regionen Zunahme ausgeschriebener Stellen in Prozent im ersten Quartal 2014 gegenüber dem Vorquartal. Adecco Schweiz

Alle Berufe betroffen

Dringend gesucht ist Personal in allen Berufsfeldern, am stärksten im Bereich Gastgewerbe und persönliche Dienstleistungen (+20 Prozent im Vergleich zum Vorquartal): Nach der hartnäckigen Stagnation 2013 wird nun auch in Gastgewerbebetrieben wieder mehr Personal gesucht. Ähnliches gilt für die Berufe in Büro und Verwaltung (+19 Prozent), aber auch Managementpositionen (+18 Prozent).

Ein weiteres Indiz für die breite Abstützung des Aufwärtstrends ist die Zunahme des Stellenangebots in den industriellen und baugewerblichen Berufen (+19 Prozent): hier ergänzen sich saisonale Effekte (insbesondere im Bau) mit einer konjunkturellen Erholung.

Bescheidener, aber an sich immer noch kräftig ist der Quartalszuwachs in den medizinischen und sozialen Dienstleistungen (+8 Prozent), in Technik und Informatik (+5 Prozent) sowie in Verkauf und Marketing (+4 Prozent).

In allen drei Bereichen war aber der Zuwachs in den vorangegangenen Quartalen überdurchschnittlich gross, sodass auch hier im Vergleich zum März 2013 mit einem Plus zwischen 18 und 20 Prozent markant intensiver nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesucht wird.

Effekte der SVP-Initiative?

Die Effekte der Einwanderungsintiative stuft das KOF als gering ein. Die Wirkung auf die Beschäftigung dürfte erst ab Ende 2015 eintreten und von der Umsetzung der Initiative abhängen, so das KOF. Vielleicht gebe es gar Vorholeffekte: Man stelle die Leute lieber jetzt schon an, als sie dann in drei Jahren nicht mehr zu finden.