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Wirtschaft Die teuren Einkäufe der Spitäler

Schweizer Spitäler zahlen für das identische Produkt bis zu fünf Mal mehr als deutsche Krankenhäuser. Dank Einkaufsgemeinschaften wollen sie nun tiefere Preise durchsetzen. Mit ersten Erfolgen: Einige Preise haben sich seit 2010 halbiert.

Operationssaal
Legende: Der Spardruck steigt für Schweizer Spitäler. Colourbox

Schweizer Spitäler müssen sparen. Die neue Spitalfinanzierung zwingt sie dazu. Denn seit Einführung der Fallpauschalen (Swiss DRG) vor knapp zwei Jahren werden sie für stationäre Leistungen in der obligatorischen Grundversicherung nicht mehr pauschal pro Tag entschädigt, sondern pro Fall. Das Ziel: Leistungen sollen messbar, die Spitäler untereinander vergleichbar und besonders teure Spitäler zum Sparen angehalten werden.

Legende: Video «Fallpauschale» abspielen. Laufzeit 0:46 Minuten.
Aus ECO vom 20.09.2010.

Mit den Fallpauschalen hat ein neues Kostenbewusstsein Einzug gehalten – beim Personal, aber auch beim Materialeinkauf. «Wir versuchen zu sparen, indem wir uns mit anderen Spitälern zusammen tun und bessere Konditionen verhandeln», sagt Serge Altmann, Direktor der Uniklinik Balgrist, gegenüber «ECO». Gewisse Produkte kann Altmann heute im Vergleich zu 2010 zum halben Preis einkaufen, etwa Untersuchungs-Handschuhe (54 Prozent günstiger), Schienen, um das Knie ruhig zu stellen (53 Prozent günstiger) oder Fäkalkollektoren (50 Prozent günstiger).

Um das deutsche Preisniveau zu erreichen, fehlt die Marktmacht

Im Vergleich zu deutschen Spitälern haben Schweizer Spitäler bisher vielfach mehr als das Doppelte für das gleiche Produkt ausgegeben, mitunter sogar bis zum Fünffachen. Das ändert sich jetzt: «Wir haben heute Produkte, wo wir auf dem Niveau von Deutschland sind, und wir haben Produkte, wo wir noch relativ weit drüber sind, je nach Projekt bewegt sich das zwischen 10 und 20 Prozent», erklärt Christian Heeb. Der Chefeinkäufer von Geblog Med ist für den Einkauf medizinischer Produkte für knapp 30 Spitäler verantwortlich. Auf das Preisniveau deutscher Spitäler werde man aufgrund der geringeren Marktmacht allerdings nur in den seltensten Fällen kommen.

Den bislang erzielten Rabatt-Erfolgen werden weitere folgen müssen. «Wir werden den Druck über die Fallkostenvergleiche weiterhin so hoch halten, dass Einsparungsmöglichkeiten in allen Bereichen wahrgenommen werden», sagt Hansjörg Lehmann, Geschäftsfeldleiter Gesundheitsversorgung des Kantons Zürich. Er sieht insbesondere im Einkauf durchaus noch weiteres Sparpotenzial.

Hersteller: Auszug aus dem Schlaraffenland

Für die Schweizer Medizinaltechnik-Firmen kommt das neue Kostenbewusstsein in Schweizer Spitälern dem Auszug aus dem Schlaraffenland gleich: «Wir spüren, dass Verhandlungen härter werden, dass viel mehr auf den Preis geschaut wird als früher und dadurch natürlich die Preise sinken», gibt Melchior Buchs unumwunden zu.

Der Generalsekretär des Dachverbands der schweizerischen Medizinaltechnik-Firmen Fasmed rechnet für seine Branche mit weiter sinkenden Margen und einem andauernden Konzentrationsprozess.

Legende: Video «Die teuren Einkäufe der Spitäler» abspielen. Laufzeit 7:04 Minuten.
Aus ECO vom 30.09.2013.

7 Kommentare

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  • Kommentar von David Saaty, Zollikerberg
    Wenig glaubwürdig, wenn gesagt wird dass den Schweizer Spitälern die Marktmacht fehlt. Was zahlen denn die österreichischen Spitäler, die italienischen Spitäler, die spanischen Spitäler ihren Lieferanten? Wir Schweizer werden für dumm verkauft. Irgendwer entlang der Wertschöpfungskette nimmt sehr viel mehr für sich heraus. Man nehme ein ausländisches Produkte, verkleinere die Menge, erhöhe den Preis und schreibe Swissness darauf. Der Fehler liegt in der Schweiz, nicht im Ausland.
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Wenn im Artikel vom "Auszug aus dem Schlaraffenland" gesprochen wird, ist das natürlich die persönliche Meinung des Artikelschreibers. Diese Wertung ist weder sachbezogen noch konstruktiv und ruft natürlich die entsprechenden Kommentare nach sich (jaja, die "bösen" Medizinfirmen). Leider wollen halt alle gerne konsumieren (dank KK-Obligatorium zahlt man ja schliesslich), aber niemand will produzieren und den Medizinfirmen Konkurrenz machen. Was dann eben teure Produkte nach sich zieht.
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Da hilft nur eines: alle Beamte und alle Politiker sollten entlassen werden. Den die tun reich gar nichts gegen dies Abzocke! Im Gegenteil, die wollen das sogar so! Hier ein Beispiel: Fahrzeugausweis CH: 60.- EU: 15.- Mit was drucken die hier in der Schweiz? Goldfarbe? Natürlich nicht, dass ist nur Abzocke pur! Und der Hammer, trotz diesen versteckten Gebühren und Zuschlägen kommen die mit dem Geld nicht klar! So jemand kann nur fristlos entlassen werden. Aber nicht im Kartell Schweiz!
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