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Fluggesellschaft vor dem Aus Die wichtigsten Fakten zum Niedergang der Alitalia

Legende: Audio Darum droht das Ende der Alitalia abspielen.
7:18 min, aus HeuteMorgen vom 25.04.2017.
  • Die Angestellten der italienischen Fluggesellschaft Alitalia haben gegen einen Sanierungsplan gestimmt, der die Streichung von 980 Vollzeitstellen und eine Lohnkürzung von 8 Prozent beinhaltet.
  • Die italienische Fluggesellschaft leitet das Insolvenzverfahren ein
  • Das könnte das Ende der Fluggesellschaft bedeuten: Jetzt kann nur noch Rom helfen.
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Bedeutet das Nein der Angestellten das Ende der Alitalia?

Um den Flugbetrieb in den nächsten Monaten aufrechtzuerhalten braucht Alitalia rund eine Milliarde Euro. Die Eigentümer, Etihad Airways und italienische Banken, haben weitere Investitionen aber an die Zustimmung der Belegschaft zum Sanierungsplan geknüpft. Am Dienstag wird deshalb der Aufsichtsrat zusammentreten müssen, um das Insolvenzverfahren einzuleiten.

Wusste die Belegschaft, was ihre Entscheidung bedeutet?

Ja, die Warnung war eindeutig: Wenn ihr den Rettungsplan ablehnt, bedeutet das das Aus für die Fluggesellschaft.

Wieso hat sich die Belegschaft trotzdem gegen den Rettungsplan entschieden?

Die Ablehnung ist eine Kampfansage an die eigene Gewerkschaft. Diese hat das Sparprogramm Mitte April gemeinsam mit der Fluggesellschaft beschlossen. Die Arbeitnehmer geben ihr eine Mitschuld an der Situation.

Den geplante Jobabbau von 980 Vollzeitstellen und die Lohnkürzung um acht Prozent lehnen die Arbeitnehmer mit dem Argument ab, dass liebe alle ihre Stelle verlieren, als dass eine Minderheit geopfert wird.

Zudem sehen die Arbeitnehmer den Plan, ins Langstreckengeschäft umzusteigen, als Fehler an. Als europäische Touristendestination dürfe Italien das Kurz- und Mittelstreckengeschäft nicht verlieren.

Glauben die Angestellten noch an eine Notlösung?

Linke Gewerschaftsgruppen wollen die Regierung unter Druck setzen und fordern die Wiederverstaatlichung von Alitalia. Italiens Infrastrukturminister Graziano Delrio hat aber schon gesagt, das ginge aus finanziellen Gründen nicht. Zudem würde die EU so einen Schritt nicht erlauben.

Ist ein anderer Retter in Sicht?

In italienischen Medien kursiert das Gerücht, die deutsche Lufthansa wolle Alitalia nach einem erfolgreichen Sparkurs übernehmen. Das ist aber nicht wahrscheinlich: Die Lufthansa wird sich davor hüten, Geld in das Fass ohne Boden Alitalia zu pumpen. Schon vor Jahren hat die deutsche Airline schlechte Erfahrungen mit einer Tochter in Italien gemacht.

Warum ist die Sanierung der Alitalia nie gelungen?

Die Airline schreibt seit vielen Jahren Verluste. Eine neue Sanierung wäre die dritte seit 2008. Als ehemalige nationale Fluglinie hat Alitalia die italienischen Steuerzahler schon 7.4 Milliarden Euro gekostet, als Private macht sie jetzt wieder die hohle Hand. Mitschuld am Niedergang der Airline trägt eine Klientelpolitik im Management, die zu wenig auf Gewinn und Ertrag ausgerichtet war und sich auf seiner Marktposition ausgeruht hat. Die Chance genutzt haben andere wie etwa der Billigflieger Ryanair, der in Italien Marktführer ist.

Was bedeutet der Verlust der nationalen Fluggesellschaft für Italien?

Das Land wird in absehbarer Zeit keine nationale Fluglinie mehr haben. Für die nächsten Monate wird Alitalia kommissarisch und mit dem Mandat geleitet, bei bestehender Belegschaft einen neuen Käufer zu finden. Das wird fast unmöglich sein, ein Grounding wie bei der Swissair ist nicht ausgeschlossen. Es gibt aber auch Beispiele, die zeigen, dass aus einem Konkurs auch eine neue Fluggesellschaft entstehen kann.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Diese Ueberheblichkeit des Personals der "Alitalia" ist wohl kaum zu übertreffen: Lieber ein Grounding und dann keinen Job mehr zu haben, als sich vorübergehend etwas bescheidener im Lohn und den Arbeitszeiten zu verhalten! Wahrscheinlich haben auch in der Fliegerei die Gewerkschaften eine unheimliche Macht (Stierengrinde), wie bei der FS (italienischen Staatsbahnen)! So kann auch in der Wirtschaft kein Aufschwung passieren!
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  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Eine weitere Fehlinvestition von Ethihad Airways nach den Verlusten mit Air Berlin. Das zeigt, das nur Oel-Geld aus Arabien investieren kein Garant für gute Investitionen sind.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Ich habe den Eindruck, dass die Belegschaft am Ast saegt worauf sie sitzt... lieber etwas weniger als gar nichts.. und die Entlassungen.. na ja da hat es sicher einen Sozialplan.. wenn die Linie zumacht mag es gar nichts mehr zum verteilen haben... Wie heisst es so schoen... lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach...
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