Zum Inhalt springen

Wirtschaft Die WTO – ein Auslaufmodell?

Während die WTO kaum ein Abkommen mehr zustande bringt, handeln ihre Mitgliedsländer mehr und mehr in Eigenregie. WTO-Generaldirektor Pascal Lamy äussert in «ECO» seine Bedenken.

Die WTO mit Sitz in Genf bildet das Fundament des multilateralen Handelssystems. Sie ist die einzige internationale Organisation, welche die grenzüberschreitenden Handelsbeziehungen auf globaler Ebene regelt. Am 1. Januar 1995 nahm die WTO ihre Arbeit auf. Sie will Handelshemmnisse wie etwa Zölle abbauen und somit den internationalen Handel liberalisieren. Zudem ist sie zuständig, im Falle von Handelskonflikten zu schlichten.

Tragende Akteure innerhalb der WTO sind die 159 Mitgliedsländer selbst. Alle wichtigen Beschlüsse werden gemeinsam gefällt: entweder auf Ebene der Wirtschaftsminister – anlässlich von Ministerkonferenzen, die mindestens alle zwei Jahre stattfinden – oder durch ihre Vertreter innerhalb der ständigen Gremien der WTO.

Schweiz stark integriert, aber wenig mächtig

Auch die Schweiz ist seit dem 1. Juli 1995 Mitglied der WTO. Als Exportnation ist die schweizerische Volkswirtschaft stark in die Weltwirtschaft integriert. Der Anteil der Schweiz am Welthandel beträgt allerdings nur rund 2 Prozent. Dadurch kann die Schweiz im Gegensatz zu grossen Handelsstaaten und –blöcken ihren ökonomischen und handelspolitischen Besitzstand nicht durch Marktmacht wahren, sondern ist auf verlässliche internationale Spielregeln angewiesen.

Seit einigen Jahren kämpft die WTO um ihre Bedeutung. Die Verhandlungen stocken, umstritten ist vor allem der Agrarsektor. Seit der Ministerkonferenz 2001 in Doha kam es zu keinem Abschluss mehr.

Bilateral statt global

Immer mehr Länder schliessen deshalb direkt untereinander sogenannte Freihandelsabkommen ab. Auch die Schweiz: In diesem Sommer hat sie ein solches Abkommen mit einem ihrer wichtigsten Handelspartner unterzeichnet, mit China. Der 1152 Seiten dicke Vertrag regelt unter anderem den Handel mit Industriegütern und landwirtschaftlichen Produkten. Die Schweiz hat mit diesem Freihandelsabkommen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Firmen aus Ländern, die keinen solchen Vertrag mit dem Reich der Mitte haben. Die Vereinbarung muss noch ratifiziert werden und wird voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2014 in Kraft treten.

Solche Freihandelsabkommen können für die WTO eine Bedrohung werden. Und nicht mehr nur einzelne Länder wollen untereinander Freihandelsabkommen abschliessen: In diesem Sommer beispielsweise nahmen die EU und die USA Verhandlungen auf über ein transatlantisches Abkommen. Für den noch amtierenden Generalsekretär der WTO, Pascal Lamy, würde damit eine neue Dimension erreicht, wie er gegenüber «ECO» erläutert.

So entstand das «ECO-Spezial»

So entstand das «ECO-Spezial»

Dreharbeiten zwischen Flugzeuglärm und ranghohen Diplomaten – ein Blick hinter die Kulissen der Sondersendung.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Mit dieser WTO wird es wahrscheinlich genau so raus kommen wie mit dem Völkerbund, der versagt hatte, und der zwischenzeitlich ja auch zur Bedeutungslosigkeit verkommen ist. Die UNO hat ja auch nur bis heute überlebt, weil's da einen Sicherheitsrat gibt, der fast alles nach Lust und Laune eines einzelnen Landes, blockieren kann. (smile)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von JP.Simon, Nietzscheaner, Bern
    Der Mensch ist halt nicht dumm. Wie soll er in den Regeln eines globalen Einheitsbrei sich unterwerfen, sich noch solidarisch zeigen, wenn alles unter der Regie u. einer nicht legitimen Kontrolle eines Landes wie die USA geschehen soll. Und die EU kopiert das Spielchen, sie beide wollen intensiver miteinander spielen, dessen Regeln von Ausbeutungen andere zu befolgen haben. Da wäre ihnen gehörig zu verstehen geben: »Dass man anderen nur das abverlangt, was man sich selbst abzuverlangen vermag.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen