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Wirtschaft Dieser griechische Beamte hat seinen Job zu gut gemacht

Haris Theoharis ging mit Steuersündern hart ins Gericht und half mit, die düstere Lage von Griechenlands Staatsfinanzen zu verbessern. Er packte auch Steuersünder an, welche die Regierung lieber in Ruhe liess – bis er seinen Posten räumen musste.

Haris Theocharis
Legende: Einst Banker bei Lehman Brothers: Haris Theoharis trat an, die griechischen Steuersünder zum Zahlen zu bewegen. SRF

In diesem Job kann man nicht geliebt werden. Haris Theoharis wurde vor gut zwei Jahren oberster Steuersekretär Griechenlands. Ja, das stimme wohl, sagt er im Gespräch mit «ECO», «und doch habe ich viele positive Reaktionen erhalten, denn wir haben jeden Monat mehr Steuern eingenommen als geplant, und dadurch konnten wir weitere Steuererhöhungen verhindern».

55 Milliarden Euro an Steuerschulden waren ausstehend, als Theoharis antrat – mehr als ein Viertel des Bruttoinlandprodukts eines Landes, in dem Steuerhinterziehung geradezu als Volkssport betrieben wurde. Die ausländischen Geldgeber, insbesondere EU und IWF, hatten Griechenland gedrängt, einen unabhängigen Steuersekretär einzusetzen, der frei von politischer Einflussnahme agieren kann, und ohne Angst, seinen Job zu verlieren. Er war auf fünf Jahre nicht kündbar.

Vorwurf der «mangelnden Kooperation»

Haris Theoharis blieb gerade einmal eineinhalb Jahre, dann trat er zurück. Seine Begründung: «Ich habe gespürt, dass die Regierung zunehmend populistische Prioritäten setzte, während ich die Schlagkraft der Verwaltung erhöhen wollte». Unbestritten ist, dass die Regierung Druck aufsetzte auf Theoharis, offiziell wurde ihm «mangelnde Kooperation» mit Regierungsstellen vorgeworfen – und damit genau das, wofür er eingesetzt worden war.

Legende: Video Haris Theoharis über griechische Steuerhinterzieher (eng.) abspielen. Laufzeit 1:15 Minuten.
Vom 26.01.2015.

Dabei sprechen die Zahlen für Theoharis. 2014 erzielte Griechenland einen Primärüberschuss und konnte damit erstmals seit vielen Jahren seine Ausgaben (ohne Schuldzinsen) mit den laufenden Einnahmen decken. Theoharis, einst Banker bei Lehman Brothers in London, sorgte dafür, dass mittlerweile 97 Prozent aller Steuererklärungen elektronisch eingereicht werden können. Er erwirkte, dass seine Mannschaft direkten Einblick in Bankdaten erhielt, um Steuerhinterziehern auf die Spur zu kommen.

Er nahm es mit unzähligen Freiberuflern und Kleinunternehmen auf, und mit Reichen, die vom Steuerzahlen nichts halten. Rückblickend hat er gar etwas Verständnis für deren Haltung: «Ich kann nachvollziehen, wenn Menschen keine Steuern zahlen wollen, solange die einen zahlen und jene, die nicht zahlen, nicht belangt werden. Aber genau das wollten wir ja ändern, indem wir das System strikter machten.» Er tat dies mit einem Eifer, der der Regierung im Sommer 2014 zu viel wurde.

Hoffnung auf baldige Rückkehr zerschlagen

Legende: Video Alexandros Kyrtsis über Theoharis' Arbeit abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Vom 26.01.2015.

Der Athener Wirtschaftssoziologe Alexandros Kyrtsis hat Theoharis‘ Arbeit verfolgt und kommt zum Schluss: «Theoharis hatte nie Angst, seinen Job zu verlieren. Er wusste, dass er jederzeit in den Finanzzentren dieser Welt wieder einen Job finden kann». Deshalb habe er auch den Mut gehabt, die neuen Steuergesetze so pedantisch anzuwenden, «und diese Art war bei Politikern nicht beliebt».

Haris Theoharis hatte sich Hoffnungen gemacht, bald wieder an die Schalthebel zurückzukehren. Er hatte für die gestrigen Wahlen kandidiert, auf der Liste der Zentrumspartei To Potami – und damit gegen die Regierung der Nea Demokratie, für die er einst arbeitete. To Potami holte als viertstärkste Kraft 5,8 Prozent der Stimmen. Die Aussicht, ein möglicher Koalitionspartner der Wahlsiegerin Syriza zu werden, existiert seit heute nicht mehr: Jene hat sich laut Medienberichten auf eine Koalitionsregierung mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen geeinigt.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Das sowohl Deutschland 2009 und die EU insgesamt 2013 eine Schuldenbremse - wie sie die Schweiz hat - übernommen hat, ist einmal ein guter Schritt und man kann Frau Merkel danke sagen, sollte eigentlich keine Diskusion sein sondern eine Selbstverständlichkeit und zeigt einfach wie verantwortungslos Politiker handeln. Sparen am richtigen Ort (wo Zinsen exponentielle wachsen) und investieren am richtigen Ort (vorallem Klein- und Mittelbetriebe) ist der richtige Weg.
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  • Kommentar von A. Lüthi, Bern
    Na ja, wer Griechenland kennt weiss, dass der finanzielle Schaden durch die jahrzehntelange und allgegenwärtige griechische KORRUPTION noch um ein Vielfaches grösser ist, als das ebenfalls altbekannte Steuerproblem. Um diese beide Probleme zu lösen (wenn überhaupt), wird Griechenland Generationen benötigen! Fazit: Schon beim EU-Betritt von Griechenland hatte die grosse Mehrheit der Ökonomen diesen EU-Beitritt als fatalen Fehler mit gravierenden Folgen vorausgesagt!!
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  • Kommentar von u.felber, luzern
    klar, die Misswirtschaft geht weiter. Jetzt halt auf Kosten von EU nettozahlern...
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