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Digitalisierung der Mobilität Vom Mechaniker zum Software-Tüftler

Legende: Audio Garagist – ein Beruf mit Zukunft? abspielen. Laufzeit 04:06 Minuten.
04:06 min, aus Rendez-vous vom 19.01.2018.
  • Am Tag der Schweizer Garagisten nahmen rund 800 Brancheninsider teil.
  • Sie stehen durch die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge vor einer grossen Herausforderung.
  • Autos müssen zwar nach wie vor geflickt und gewartet werden, aber die Arbeit ist eine andere als früher und bedingt andere Fähigkeiten.

Autos entwickeln sich immer mehr zu Computer auf Rädern. Für die unzähligen Garagisten in der Schweiz bedeutet das, dass sich ihr Berufsbild grundlegend ändert. In welche Richtung diese Veränderung geht, diskutierten 800 Brancheninsider diese Woche am Tag der Schweizer Garagisten, Link öffnet in einem neuen Fenster in Bern.

«Durch die ganze Digitalisierung, die die Hersteller und die Importeure machen, wird der Garagist am Schluss austauschbar», sind sie sich einig. «Die Autokonzerne bauen immer digitalere Fahrzeuge, vollgestopft mit Sensoren und Software.» Deren Wartung bedeute für die Garagen neue Herausforderungen und neue Investitionen. Gleichzeitig verlangten die Konzerne auch Anpassungen der Verkaufsräume, damit die Fahrzeuge auch einheitlich präsentiert werden.

Man kann nicht so weiterwursteln, wie man es in den letzten dreissig Jahren gemacht hat.
Autor: Ferdinand DudenhöfferAuto-Experte und Professor

Das gehe so nicht, kritisierte denn auch der deutsche Autoexperte und Professor Ferdinand Dudenhöffer. Es brauche mehr Transparenz im Autohandel. «Man kann nicht so weiterwursteln, wie man es in den letzten dreissig Jahren gemacht hat. Es sind hohe Anforderungen an die Garagisten. Die Autobauer müssen ihnen sagen, wie der digitale Vertrieb in Zukunft aussehen soll.»

Jeder muss für sich selbst entscheiden

Einer, der diese Informationen erhalten sollte, ist der Zürcher Auto-Gewerbler und Garagist Christian Müller: «Dieser Ansatz ist sehr schön, aber er ist nicht ganz einfach umzusetzen. Klar können wir den Importeur fragen, was er in fünf oder in zehn Jahren für Ziele hat.» Aber verbindliche Angaben werde dieser sowieso nicht machen. «Ich als Garagist muss selbst entscheiden, ob ich einen Vertrag für zwei Jahre unterschreiben will, und ob ich mir das leisten kann.»

Wie die Garage, die sich dem Kampf um knappe Margen in Zukunft stellen kann, konkret aussehen könnte, skizziert Andrea Back von der Uni St. Gallen. Der Garagist werde vom Schrauber immer mehr zum Dienstleister und nutze die Fahrdaten seiner Kundschaft für neue Angebote, oder stelle gar sein Angebot auf den Kopf: «Dass Leute das Auto nur noch mieten, kann eine Geschäftschance sein. Man muss sich überlegen, was man für sein Geschäft damit machen kann.»

Mobile Werkstatt mit 3D-Drucker

Auch die Werkstatt könnte mobil werden, damit der Garagist das kaputte Auto auch vor Ort warten kann. Ersatzteilen wie zum Beispiel einen Türgriff fertigt er mit dem mitgebrachten 3 D-Drucker. «Ein Ersatzteil ist ein Softwaremodell, und das kann ich überall drucken», schlägt Back vor.

Die neuen Ideen sorgen beim Apéro nach der Tagung für Gesprächsstoff. «Die ganze Auslastung für Nicht-Super-Qualifizierte bricht zusammen», sagt einer der Garagisten. Und: Man lebe bereits jetzt von der Substanz.

Die ganze Auslastung für Nicht-Super-Qualifizierte bricht zusammen.
Autor: Garagistan der Tagung

Anders schätzt zum Beispiel Leonie Zellweger die Lage ein. Die 19-jährige Automobil-Mechatronikerin ist im vierten Lehrjahr und blickt zuversichtlich in ihre automobile Zukunft. «Ich persönlich habe keine Angst. Ich liebe meinen Job. Ich bin parat für die Elektronik und für die Zukunft.»

Ich bin parat für die Elektronik und für die Zukunft.
Autor: Leonie ZellwegerMechatronikerinnen-Lehrling

Denn so lange Autos fahren, brauche es jemanden, der mit Schraubenzieher und Laptop in der Hand sie in Schuss halte.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Abgesehen davon, dass man einen Neuwagen schon vor über 15 Jahren online, ohne Showroom und ungesehen kaufen konnte und sich elektronische Bauteile bereits in über 40 Jahre alten Autos finden lassen: Ich bin ja gespannt, wie zukünftige Autos ohne Mechanik funktionieren sollen - oder werden sich wohl unsere Handys in fliegende Teppiche verwandeln? Da wird man sich dann wohl warm anziehen müssen..
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    «Software-Tüftler» hiesse doch, dass derjenige Tüftler an der Software programmiert ... Aber die Automechaniker stöpseln doch nur die Kabel in den Computer ein ... mehr nicht!
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