«Draghis Medizin könnte sogar das Gegenteil bewirken»

Die Europäische Zentralbank geht aufs Ganze: Der Leitzins bei null, höhere Strafzinsen für die Banken und die Ausweitung des Anleiheprogramms sollen die Wirtschaft in der Eurozone ankurbeln. Nur: Geht der Plan von EZB-Präsident Draghi auf? SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr hat seine Zweifel.

Euro-Zeichen am Sitz der EZB in Frankreich

Bildlegende: Euro-Zeichen am Sitz der EZB in Frankreich Reuters

Man hat erwartet, dass die Geldpolitik weiter gelockert wird, um die Wirtschaft anzuschieben. Was die EZB aber heute beschlossen hat, geht sehr viel weiter.

Ob Draghis Medizin besser wirkt, wenn einfach die Dosis erhöht wird, ist zu bezweifeln. Die Medizin könnte sogar das Gegenteil bewirken – sie könnte die Verunsicherung in der Wirtschaft und auch bei den Privatkonsumenten noch steigern, das Vertrauen in eine Erholung weiter schwächen.

Dann wird erst recht nicht investiert, egal ob die Zinsen bei null liegen oder nicht. Hinzu kommt: Die Medizin hat gefährliche Nebenwirkungen: Namentlich belastet die Null-Zins-Politik die Altersvorsorge.

Draghis Medizin für die Euro-Zone hat auch Auswirkungen auf die Schweiz: Der Euro wird geschwächt, was tendenziell den ohnehin schon überbewerteten Franken weiter stärken könnte.

Das wiederum könnte die Schweizerische Nationalbank dazu bringen, ihr Negativ-Zins-Regime weiter zu verschärfen. Die Nationalbank nimmt nächste Woche eine geldpolitische Lagebeurteilung vor und entscheidet über allfällige weitere Schritte.