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Wirtschaft Economiesuisse-Präsident: «Für Experimente ist kein Platz»

Heinz Karrer hat am Tag der Wirtschaft in Luzern von der Politik die rasche Klärung des Verhältnisses zu Europa gefordert – und warnte vor einer starren Umsetzung der Zuwanderungsinitiative. Zudem plädierte er für stabile Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft.

Legende: Video Economiesuisse lädt zum Tag der Wirtschaft abspielen. Laufzeit 1:38 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.09.2015.

Laut Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer hängen Beschäftigung und Investitionsentscheide in der Schweiz massgeblich von der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ab. Bei einer starren Umsetzung würden rund ein Viertel der Firmen einen Beschäftigungsrückgang erwarten, sagte Karrer am Tag der Wirtschaft in Luzern. Dies habe eine Umfrage bei 7000 Firmen mit über 120'000 Arbeitsplätzen ergeben.

Der Vorschlag des Bundes zur Umsetzung komme restriktiver daher als der Verfassungstext, sagte Karrer. Stattdessen brauche es eine wirtschaftsfreundliche und europaverträgliche Umsetzung. Er verwies auf den Vorschlag der Wirtschaft für eine Umsetzung mit Globalkontingenten und einer Schutzklausel.

Neben einer verfassungskonformen Umsetzung der Zuwanderungsinitiative plädierte Karrer erneut für den Erhalt der Bilateralen Verträge mit der EU. Schweizer Firmen hätten 2014 Waren im Wert von über 128 Milliarden Franken in die EU exportiert und solche im Wert von 167 Mrd. Franken importiert. Das seien viermal respektive achtmal mehr als mit dem wichtigsten aussereuropäischen Handelspartner, den USA.

Schmerzhafte Anpassungen stehen bevor

Der angesichts der Grosswetterlage ohnehin mächtige Druck auf die Schweizer Wirtschaft sei mit dem Entscheid der Nationalbank zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses zusätzlich erhöht worden, sagte Karrer.

Eine Umfrage zeige, dass ein Drittel der befragten Unternehmen für 2015 von einem operativen Verlust ausgehe. Jedes sechste Unternehmen plane zumindest Teile ins Ausland zu verlagern. Mit Blick auf den Aussenhandel und andere Indikatoren stünden der Schweizer Wirtschaft schmerzhafte Anpassungen bevor, prognostizierte Karrer.

Es überrasche, wenn der Berner Politikbetrieb dies zwar zur Kenntnis nehme, aber unbeirrt weiter seinen gewohnten Gang zu gehen scheine, anstatt die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft nicht weiter zu verschlechtern, sagte Karrer.

Für Experimente sei kein Platz, warnte der Economiesuisse-Präsident. Statt den Wert der Bilateralen kleinzureden oder den Arbeitsmarkt weiter zu überreglementieren, sei den Unternehmen mehr geholfen, wenn sich das Parlament mit vereinten Kräften für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Schweiz und der Bilateralen Verträge starkmachen würde.

Abschottung oder Teilnahme

Die Klärung des Verhältnisses zwischen der Schweiz und der EU hält auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga für die «vielleicht wichtigste politische Aufgabe der nächsten Jahre», wie sie gemäss Mitteilung an der Tagung sagte.

«Entweder wir schotten uns ab, oder wir sind Teil des europäischen Wirtschaftsraums. Wer behauptet, beides sei gleichzeitig möglich, der führt die Bevölkerung hinters Licht.»

Verband der Wirtschaft

Economiesuisse ist der Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Ihm angeschlossen sind 100 Branchenverbände, 20 kantonale Handelskammern und Einzelunternehmen. Der Dachverband vertritt laut eigenen Angaben insgesamt 100’000 Schweizer Unternehmen.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Wir können aus den aggressiven Mahnfinger der Wirtschafts-Kapitäne bereits erkennen, was auf uns zukommen wird, wenn es um die nächsten EU-Abstimmungen gehen wird! (nochmals über die MEI abstimmen (!), das neue Rahmenabkommen mit der EU, wo die Schweiz ALLES und ALLE EU-Richtlinien "1 zu 1" übernehmen müsste, usw.)! Ich bin überzeugt: Immer mehr einfache Büezer, Angestellte und Renter(innen), haben "die Nase gestrichen voll", von der EWIGEN Wachstums-Wirtschaft! Irgend einmal REICHTS,!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Man kann schon auf Deflation setzen, die Leidtragenden wären aber genau ihre Büezer und niedere Angestellten.
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    2. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Herr Planta, die einfachen Jobs der "einfachen Büezer" sind schon lange durch billige Grenzgänger und Einwanderer ersetzt worden. Ob Hochkonjunktur oder Rezession, die Wachstumswirtschaft (die Unternehmer!) hat immer "das EINS am Rücken" und der EINFACHE Büezer (der nicht gewillt ist oder einfach die Voraussetzung zur Weiterbildung NICHT hat), trägt IMMER "das ZWEI am Rücken"! Darum glaube ich eben an meine Aussage: Irgend einmal reichts, auch beim "einfachen Mann oder einfachen Frau"!
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    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Mir wäre auch eine sozialere Wirtschaftsordnung lieber, die mehr auf die Bedürfnisse der unteren Bevölkerungsschichten und auf die schweizer Arbeitnehmer ausgerichtet ist, aber die Parlamentarier wählen immer noch sie und ich und bei Sachbstimmungen hören immer noch sie und ich was die Economiesuisse vorschlägt. Aber der Krug geht bekanntlich zum Brunnen bis er bricht!
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    4. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Diesmal bin ich mit A. Planta völlig einig! Nun, wegen dem Wählen all dieser wirtschaftlichen Loby's: In 5 Wochen haben wir Gelegenheit, REINE Wachstums-Vertreter NICHT MEHR zu wählen! Volksvertreter, die eine GESUNDE Wirtschaft vertreten und daneben auch unsere Werte weiterhin hochhalten, könnten in den nächsten 4 Jahren dieses egoistische Wachstum etwas bremsen! Wir ALLE, könnten die "Economiesuisse", die unser Land wegen EIGENINTERESSEN verbetoniert und verwüstet, etwas normalisieren!
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Für Experimente sei kein Platz, warnte der Economiesuisse-Präsident." Europa ist aber auch keine reine Privatveranstaltung.
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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Die Wirtschaft hat uns lange genug an der Nase herumgeführt, privatisiert nach wie vor in grossem Stil Gewinne und solzalisiert die Lasten (neustes Beispiel: Post). Es ist einfach fertig lustig! Ihr macht jetzt, was wir (das Volk) Euch sagen!
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