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Wirtschaft Ein halbes Jahr ohne Mindestkurs: «Das Schlimmste kommt noch»

Vor genau einem halben Jahr hat die Nationalbank die Untergrenze des Frankens zum Euro aufgehoben. Der Franken wurde mit einem Schlag deutlich stärker und stellte vor allem die Exportwirtschaft vor grosse Herausforderungen. Herausforderungen, die nach wie vor bestehen.

Peter Dietrich spricht an der Jahresmedienkonferenz - im Hintergrund ist das Swissmem-Logo zu sehen.
Legende: Swissmem-Direktor Peter Dietrich glaubt, dass der starke Franken sich erst jetzt auswirken wird. Keystone

Irgendwann würde es geschehen. Das haben alle gewusst. Doch als es geschah, war die Schweiz trotzdem überrascht, ja schockiert. Vor genau einem halben Jahr hat die Schweizerische Nationalbank die Untergrenze des Frankens zum Euro aufgehoben. Vor allem der Exportwirtschaft bereitet das auch nach einem halben Jahr noch grosse Probleme.

Ein Einfränkler liegt neben einem Ein-Euro-Stück.
Legende: 2011 hatte die Nationalbank die Untergrenze von 1,20 Franken für einen Euro eingeführt. Im Januar hob sie diese auf. Keystone

Mit Hightech-Produkten gut positioniert

Ein Beispiel: Die Firma Belimo mit Hauptsitz im zürcherischen Hinwil stellt kleine Motoren für Heizungen, Lüftungs- und Klimaanlagen her und vertreibt sie weltweit. Die Aufhebung des Mindestkurses hat das Unternehmen in zweifacher Hinsicht gespürt: Einerseits konnte Belimo Vorprodukte im Euroraum deutlich günstiger kaufen, andererseits sind Belimo-Motoren für die Kunden in Europa mit einem Schlag teurer geworden.

Das habe auf den Umsatz in Europa gedrückt, sagt der Leiter der Finanzbuchhaltung von Belimo, Daniel Zenhäusern. Das Personal sei bisher aber trotzdem kaum betroffen: «Wir mussten keine Kurzarbeit einführen. Das haben wir soweit recht gut überbrückt. Wir haben versucht, das mit Mehrumsätzen in anderen Ländern wie Asien oder Amerika zu kompensieren», sagt Zenhäusern.

Belimo steht mit seinem Hightech-Produkt und der weltweiten Absatzorganisation deutlich besser da als andere Firmen der Schweizer Exportindustrie. Viele Unternehmen haben Kurzarbeit eingeführt. Stellen gestrichen haben erst vereinzelte Firmen. Insgesamt sind laut Recherchen von RTSinfo, Link öffnet in einem neuen Fenster seit der Aufhebung der Franken-Untergrenze in der Schweiz 2400 Stellen verloren gegangen.

Swissmem mit düsteren Prognosen

Während Belimo glaubt, mit dem aktuellen Euro-Kurs leben zu können, gehen andere Unternehmen davon aus, dass das Schlimmste noch bevorsteht.

Die Beschäftigtenzahlen zeigten bisher zwar noch nicht allzu grosse Verwerfungen, sagt Peter Dietrich, Direktor des Branchenverbandes Swissmem. Er gehe aber davon aus, dass sich das noch ändern werde. «Wir werden durchaus auch noch von Produktions-Verlagerungen und weiteren Themen hören. Das wird gewisse Stellen kosten.»

Im letzten halben Jahr haben viele Unternehmen noch bestehende Aufträge ausgeführt. Weil viel weniger neue Bestellungen hereingekommen sind und sich der Euro-Frankenkurs bisher nicht – wie anfangs erhofft – erholt hat, droht die Arbeit nun definitiv knapp zu werden. Wie viele Stellen wegfallen könnten, darüber wollte der Swissmem-Direktor nicht spekulieren.

40 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schenker, Bern
    Es gibt (mindestens) eine grosse Swissmem Mitgliedsfirma, die klagt ueber die CHF Staerke. Dabei sagt das Middel Management hinter vorgehaltener Hand, dass wenn die Strategie, etc. nicht seit vielen Jahren falsch waeren, man das Top Management ersetzt haette, man gar nie ueber die CHF Staerke und weitere einschneidende Massnahmen sprechen muesste. Daher kann man auch Swissmem (dem Verband) nicht einfach vorbehaltlos glauben.
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    1. Antwort von Daniel Schenker, Bern
      Beim besagten Grossunternehmen kennt das Top Management ausser Umsatz und EBIT Margen gar nichts. Es weiss nicht, wie die Wertschoepfung im Unternehmen zustande kommt. Es weiss nicht an welchen Schrauben es drehen soll und an welchen es unter keinen Umstaenden drehen darf. Aussenstehende stellen sich faelschlicherweise vor, die Entscheidungen wuerden wohldurchdacht und abgewogen. So ist es aber nicht. Es wird leichtfertig, nur oberflaechlich begruendet vorgegangen, als ob es nur ein Spiel waere.
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    2. Antwort von Daniel Schenker, Bern
      Insbesondere sind es im besagten Grossunternehmen BWLler, die nie selbst richtig an der Technik Front gearbeitet haben, die die Technik der Produkte nicht verstehen, sich die noetigen Innovationen nicht vorstellen koennen und auch nicht, was es dazu brauchen wuerde. Quereinsteiger halt, die nur Kennzahlen Tabellen erstellen (lassen). Und dies in einem einstigen Traditionshaus. Nein, die Hausaufgaben wurden waehrend Jahren nicht gemacht. Den Eurokurs schuld zu geben ist schlicht Verschleierung.
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    3. Antwort von Daniel Schenker, Bern
      Interessant duerfte dann in absehbarere Zeit zu beobachten sein, wie dieses Top Management beim teilweisen Verlagern ins Ausland natuerlich seine eigenen Stellen davon ausnimmt (zuzueglich einem Wasserkopf), da selbst nicht auf hohe CH Loehne oder CH Lebensqualitaet verzichtete werden will.
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  • Kommentar von Lisa Meier, Chur
    das ist Jammerei auf höchstem Niveau. Es war bekannt das die Mindestgrenze nicht ewig bleibt, so haben es die Firmen einfacher mit Löhne drücken, oder Leute einfacher auf die Straße stellen können. Außerdem werden wir Täglich abgezockt mit viel zu hohen Preisen in den Läden die nicht mit höheren Löhnen gerechtfertigt sind. Es gibt so viele die am Rand des Existenzminimums leben müssen. Working Poor, die div. Rentner AHV/IV/EL, Alleinerziehende usw. aber für diese Menschen gibt's keine Lobby :(((
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Ich habe damals für ca.1.60 CH Fr. den Euro gekauft . Die Neue Börse in der EU lässt grüssen , alles wurde im EU-Raum um nahezu das doppelte teurer. Die Umwandlungssätze der einzelnen Länder ein Diebstahl am Sparer und am Büezer, es wurden EURO gedruckt das die Schwarten krachten. In dieser Zeit verdienten die damals schon hatten das Mehrfache-bis die Blase an der Börse platzte, die mit den vollen Taschen ma. sie sich aus dem Staub-darum haben wir heute den wertlosen Euro ! He Leute wacht auf !
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