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Wirtschaft Ein ungewohntes Signal aus der Uhrenindustrie

Kurzarbeit und Stellenabbau bei Cartier und Tag Heuer: Gleich zwei bekannte und grosse Schweizer Uhrenhersteller haben Sparmassnahmen angekündigt. Ihnen bereiten die Proteste in Hongkong und die Entwicklung in China Sorgen.

Eine Frau mit Uhrmacher-Okular arbeitet an einem Uhrwerk.
Legende: Im Cartier-Werk in Freiburg wird für rund 230 Mitarbeitende Kurzarbeit eingeführt. Reuters

Gleich zwei grosse bekannte Firmen haben in diesen Tagen Sparmassnahmen angekündigt: Cartier, die französische Schmuck- und Uhrenfirma des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont, und Tag Heuer, der Schweizer Uhrenhersteller des französischen Luxusgüter-Herstellers Moët Hennessy Louis Vuitton S.A., führen Kurzarbeit ein und bauen Stellen ab. Sie reagieren damit auf sinkende Verkaufszahlen in China und auf die Massenproteste in Hongkong.

Hongkong wichtigster Markt

Die Metropole am südchinesischen Meer ist für die Schweizer Uhrenindustrie der mit Abstand wichtigste Markt. Dort verkaufen die Firmen fast doppelt so viele Uhren wie in den USA, dem zweitwichtigsten Markt der Welt. Nach Beginn der Massenproteste in Hongkong im August sind die Uhrenverkäufe nun bereits um acht Prozent geschrumpft.

Deshalb schaut die Uhrenindustrie mit Sorge auf die Entwicklungen in Hongkong, sagt Elisabeth Zölch, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes der Schweizer Uhrenindustrie. «Uhrenhersteller, die voll auf Hongkong oder Asien gesetzt haben, spüren jetzt diese Unsicherheiten dort.» Aus diesem Grund seien sie zurückhaltender mit Investitionen geworden.

Drehscheibe und Tourismusdestination

Hongkong ist für die Schweizer Uhrenindustrie aus zwei Gründen wichtig: Zum einen ist es eine Drehscheibe, zum andern eine Tourismus-Destination für Chinesen vom Festland. Auf der Halbinsel am südchinesischen Meer stehen die Verteilzentren der Uhrenhersteller, aus denen sie ihre Produkte in die umliegenden Länder weiterliefern.

Die Proteste in Hongkong dürften diese Zentren nicht gross beeinträchtigen. Anders sieht es dagegen beim Tourismus aus. Hongkong ist ein Anziehungspunkt für die Chinesen vom Festland. Wegen der Massenproteste dürften sie die Stadt nun eher meiden. Damit sinken auch die Verkäufe von Schweizer Uhren.

Mit ihren Sparmassnahmen reagieren Cartier wohl aber vor allem auf die Verlangsamung, die bereits im letzten Jahr begonnen hat. Sie ist darauf zurückzuführen, dass den Beamten in China nicht mehr so gerne Uhren geschenkt werden wie bisher.

Ungewohntes Signal

Die Kurzarbeit bei beiden Firmen ist für die Uhrenindustrie ein ungewohntes Signal, denn die Branche ist in den vergangen Jahren mehrheitlich gewachsen. Sie schuf in den vergangenen zehn Jahren insgesamt fast 17'000 neue Stellen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die zahlreichen Krisenherde bringen unser Land irgendwann finanziell an den Rand des Ruins. Zu diesen zählt die Übernahme Hongkongs durch das diktatorische China als Ursache der aktuellen Massenproteste. Dass es nun Prestigefirmen wie die CH Uhrenindustrie trifft, lässt nachdenklich stimmen.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Hongkong scheint mir eher gerade die passende und aktuelle Ausrede zu sein, was sich schon länger abzeichnet. Die Armut in den USA steigt und steigt und diese Firmen haben eindeutig auf das sinkende Schiff gesetzt, während andere Firmen neue Märkte erschlossen haben.
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  • Kommentar von M. Huber, Hong Kong
    Nicht die Proteste in Hong Kong sondern die Reduktion der Schmiergelder in China sind das Problem. Für nen Gefallen hier und da macht man in China Geschenke, oft in Form einer schönen Schweizer Uhr. Die Öffentlichkeit sieht aber ungerne Uhren im Wert von 100'000enden Franken am Hangelenk von Beamten, die im Monat nur 1000 Franken verdienen.
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    1. Antwort von vinc buff, oetwil adl
      der begriff "den beamtem uhren schenken" ist durch "die beamten mit uhren bestechen" zu ersetzen. alles andere ist schönschreiberei.
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