Einlagensicherung – kein Mittel gegen die Krise

Vor fünf Jahren bangten auch in der Schweiz viele Bankkunden um ihre Ersparnisse. Der Bund wollte einem Banken-Run vorbeugen und verbesserte den Einlagenschutz: 100'000 statt vorher nur 30'000 Franken sind jedem Bankkunden sicher, wenn die Bank pleite gehen sollte. Klingt solid – solider als es ist.

Drei Stapel von Schweizer Münzgeld.

Bildlegende: Sechs Milliarden von 423 Milliarden sind mit der Einlagensicherung gedeckt. Keystone

Wir helfen, wenn eine einzelne Bank zusammenbricht, sagt Patrick Loeb. Er leitet die Einlagensicherung der Schweizer Banken. «Die Bankkunden, die davon betroffen sind, wollen wir schützen. Bis hunderttausend Franken Liquidität stellen wir ihnen zur Verfügung.»

Zu diesem Zweck haben sich die Banken zum Verein Esisuisse zusammengetan. Doch tatsächlich hat dieser Verein keinen einzigen Rappen für solche Notfälle in der Kasse. Ein «Fonds ohne Fonds», wie Esisuisse-Chef Loeb selbst sagt.

Summe auf sechs Milliarden beschränkt

Das Geld für Auszahlungen nämlich liegt direkt bei den Banken. Kommt eine von ihnen in Schieflage, und kann sie die Kunden aus eigener Kraft nicht auszahlen, springen die anderen Banken ein. Die Summe dafür ist allerdings beschränkt auf sechs Milliarden Franken – für alle Banken zusammen. So steht es im Gesetz.

In der Krise, bei einem Immobilien-Crash zum Beispiel, der viele Banken zugleich in Bedrängnis bringt, reichen die sechs Milliarden nirgends hin. «Wir gehen davon aus, dass nicht alle Banken auf einen Schlag pleitegehen», sagt der Esisuisse-Chef.

Dieser Optimismus lässt aufhorchen. Wer sonst, wenn nicht die Banken, sollte im Krisenfall bezahlen? Wer sonst sollte aufkommen für die 423 Milliarden Franken, die schweizweit abgedeckt sind von der Einlagensicherung? Mehrere hundert Milliarden wären also fällig, wenn viele Banken gleichzeitig pleitegingen.

Ist das Ganze nur ein Schönwetter-Programm? Ein billiger Werbe-Gag der Banken? Geschäftsführer Patrick Loeb winkt ab: «Nein, das ist selbstverständlich kein Werbe-Gag. Das System ist nicht nur auf die gerade vorhandene Liquidität abgestellt.» Eine Bank sei kein gewöhnlicher Handwerksbetrieb. «Wenn eine Bank pleitegeht, dann ist noch Geld vorhanden.»

Nationalbank und Finma tragen mit

Damit schiebt Loeb den schwarzen Peter der Schweizerischen Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht Finma zu. Die Nationalbank ist für die Stabilität des ganzen Systems zuständig. Und die Finma wacht darüber, dass die Banken auch wirklich genug Kapital und flüssige Mittel haben, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden.

Gerade im letzten Punkt, der Aufsicht über die flüssigen Mittel, laufen derzeit allerhand Reformen. Reformen, die das Bankensystem widerstandsfähiger machen sollen.

Fragt sich, warum man da nicht auch die Einlagensicherung massiv ausbaut. Doch von einer Vollkasko-Versicherung für Bankeinlagen will Esisuisse nichts wissen. Die sei viel zu teuer. «Am Schluss werden es immer die Bankkunden sein, die die Rechnung begleichen. Indirekt, über geringere Zinserträge auf ihren Sparguthaben.»

Fazit: Auf die Einlagensicherung kann man sich in guten Zeiten verlassen. Wenn es richtig kracht im System, bringt Esisuisse nichts. Egal, ob nun 30'000 oder 100'000 pro Kunde gesichert sind.