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Elektroangetriebene Mobilität Chinas Autokonzerne planen Expansion nach Europa

Noch vertrauen europäische Autofahrer chinesischen Produzenten zu wenig. Wegen Volvo könnte sich das aber bald ändern.

Legende: Audio Chinas Autobauer haben Europas Märkte im Visier abspielen.
7:55 min, aus Rendez-vous vom 21.09.2017.

Im Wasser spiegeln sich die leuchtenden Wolkenkratzer von Schanghai. Plötzlich blitzt die Silhouette eines roten Wagens auf, bis das ganze Auto im Werbevideo erscheint. Es ist der neue Kompakt-SUV des chinesischen Herstellers Chery. «Sport Utiltiy Vehicle» (SUV) ist eine Überbegriff für Sport- und Nutzfahrzeuge. Das neue Modell ist der Exceed TX, damit hat Chery Grosses vor. Dieses Auto soll in Zukunft nach Europa exportiert werden.

Bisher waren chinesische Elektro- und Hybridautos vor allem für den Heimmarkt und für Schwellenmärkte wie Russland oder Südostasien gedacht. Neben Chery gibt es in China mehrere Dutzend grosse und kleine Unternehmen, die sogenannte «Xinnengyuan Che» herstellen («Autos mit neuer Energie»).

Chinesische Produzenten müssen die europäischen Konsumenten davon überzeugen, dass ihre Autos qualitativ hochwertig und langlebig sind.
Autor: Pedro NuenoWirtschaftsprofessor an der China Europe International Business School in Schanghai

Zwar werde in China schon seit Jahren an Elektroautos geforscht, auf dem Markt ist der Durchbruch aber erst 2014 gelungen, sagt David Zhang, Ingenieur und unabhängiger Berater der chinesischen Autoindustrie.

2015 boomten Elektroautos im Reich der Mitte

Dies, weil die privaten Elektroautos seitdem finanziell unterstützt werden: «In jenem Jahr explodierte der Markt förmlich», sagt Zhang. «2015 wurden über 300’000 solcher Autos verkauft. China wurde zum grössten Markt für Elektro- und Hybridautos. Im letzten Jahr war es bereits eine halbe Million und bis Ende dieses Jahres erwarten wir 750’000 verkaufte Autos.»

Die finanziellen Zuwendungen will Chinas Regierung langsam abbauen, bis 2020 sollen die Subventionen ganz wegfallen. Für Käufer gibt es aber weiterhin Anreize, sie erhalten die Nummern sehr viel schneller. «Diese Autos werden vor allem in Grossstädten wie Schanghai oder Peking gekauft. Denn in diesen Städten muss man auf Autonummern für Verbrennungsmotoren sehr lange warten. Wenn Sie dagegen ein Hybrid- oder ein Elektroauto anmelden, geht die Registrierung sehr schnell.»

Dank Elektroauto schneller zu einer Nummer

In grossen Städten werden neue Autonummern regelmässig versteigert oder verlost. Wer leer ausgeht, muss sein Glück das nächste Mal versuchen. Das kann Monate bis Jahre dauern. Elektro- und Hybridautos dagegen sind von diesen Beschränkungen ausgenommen.

Chinas Regierung hat den Benzin- und Dieselmotoren unlängst den Kampf angesagt. Derzeit will sie einen Zeitplan ausarbeiten, um in Zukunft ganz von herkömmlichen Autos wegzukommen. Doch der Anteil der Elektro- und Hybridwagen ist in China nach wie vor klein. Ihm stehen derzeit rund 200 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gegenüber.

Auf Nummern für Autos mit Verbrennungsmotoren muss man lange warten. Wenn Sie ein Elektroauto anmelden, geht die Registrierung sehr schnell.
Autor: David ZhangUnabhängiger Berater der chinesischen Autoindustrie

Dies sollen Quotenvorgaben ändern. Konkret bedeutet das, wer in China in Zukunft Autos verkaufen will, muss einen bestimmten Anteil an Hybrid- und Elektroautos anbieten. Doch in der grossflächigen Elektro- und Hybridauto-Politik sieht Zhang nicht nur Vorteile: «Schon jetzt gibt es Überkapazitäten. Bis 2020 wird es auf dem chinesischen Markt einen Bedarf an zwei Millionen solcher Autos im Jahr geben, die Industrie wird aber ein Vielfaches an Kapazitäten haben. Man exportiert in andere Märkte.»

Nun rückt Europa ins Blickfeld

So haben chinesische Automobilkonzerne wie Chery nach den Schwellenländern nun auch Europa im Blick. Der Erfolg sei aber noch ungewiss, sagt Zhang. Mit dem europäischen Markt seien die Chinesen noch zu wenig vertraut.
Dieser Meinung ist auch Wirtschaftsprofessor Pedro Nueno der China Europe International Business School in Schanghai.

Eine grosse Ungewissheit seien die europäischen Konsumenten. «Die Produzenten müssen die Konsumenten davon überzeugen, dass diese Autos qualitativ hochwertig sind, dass sie langlebig sind und dass sie mindestens so gut sind, wenn nicht besser als die einheimischen Marken, und das ist nicht so einfach», sagt Nueno.

Chinesischer Volvo

Am besten aufgestellt sei der chinesische Autogigant Geely, sagt Nueno. Dieser hat vor sieben Jahren Volvo übernommen und inzwischen eine neue Automarke lanciert: Lynk & Co. Dabei hilft die jahrzehntelange Erfahrung der Schweden, Volvos Forschungs- und Entwicklungsabteilung. 2019 soll es dann so weit sein, dass Lynk & Co. chinesische Autos mit schwedischem Know-how nach Europa exportiert.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Erst müssen chinesische Autokonzerne Vertrauen bei westlichen Kunden aufbauen. Dass sie gute und verlässliche Produkte herstellen können, sieht man ja bei Elektronikartikeln. Dort produzieren sie selber oder liefern wichtige Bauteile, die in vielen populären Geräten ihren Dienst verrichten. Zum Autoverkauf gehört ebenfalls ein guter Service, der auch noch aufgebaut werden muss. Denn Autos nicht noch keine Wegwerfartikel wie viele Elektrogeräte aller Art.
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  • Kommentar von Omar Abdullah (Omar Abdullah)
    Ich würde die Fertigprodukte aus China und Fernost KOMPLETT verbieten. Alleine nur die Einfuhr von Rohstoffen würde ich erlauben. Punkt!
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  • Kommentar von Kari Raeschter (K. Raeschter)
    Dieses "Geiz ist Geil" oder "Billig-Wahn" wird irgendwann wie ein Bumerang uns alle im Westen treffen, wenn keine Arbeit mehr da ist (ok überspitzt gesagt, aber die Richtung stimmt). Würden wir im Westen bereit sein, ein mehr zu zahlen, da könnte viele Sachen noch immer im Westen hergestellt werden anstatt im Fernen Osten; und dort zu nicht immer fairen Arbeitsbedingungen. Selber schaue ich beim Einkauf, dass Sachen "aus der Nähe" herkommen und Lebensmittel aus der Schweiz resp. aus der Region.
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