Zum Inhalt springen

Entwicklungsländer fördern Private Investoren sollen ihr Geld für Gutes geben

Mit öffentlichen Geldern allein sind die UNO-Entwicklungsziele nicht zu stemmen. Doch Privatinvestoren zieren sich noch.

Karin Finkelston wirbt für die Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) privates Kapital für die Entwicklungsfinanzierung an. Diese Woche ist die IFC-Vizepräsidentin Finkelston in die Schweiz gekommen, wo potente Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen ihren Sitz haben.

Porträtaufnahme von Karin Finkelston.
Legende: Karin Finkelston soll die Investoren weltweit überzeugen, ihr Geld für Gutes einzusetzen. Reuters

«Wir wollen neue Märkte für potenzielle Investoren in Entwicklungsländern schaffen», erklärt Finkelston. Diese neuen Märkte sollen immer grössere Ströme von privaten Geldern nicht nur ins prosperierende China, sondern auch in sehr arme Länder Afrikas locken, um dort die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

Internationale Konzerne seien zunehmend offen für diese neuen Märkte in Entwicklungsländern, sagt Finkelston. Sie suchten in Entwicklungsländern die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wie den Banken oder Entwicklungsorganisationen wie der IFC. Die Organisation kooperiert beispielsweise in Afrika bereits mit dem Schweizer Schokoladekonzern Barry Callebaut oder dem Kaffeeunternehmen Nespresso.

«Jetzt wollen wir das Ganze beschleunigen, um aus den Millionen an öffentlichen Entwicklungsgeldern Billionen zu machen», sagt Finkelston. Sonst wird es nichts mit den Entwicklungszielen 2030.

Entwicklungsziele der UNO

Armut reduzieren, benachteiligte Kinder in die Schule schicken, Klimaschutz verbessern: Das sind einige der 17 Zielvorgaben für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030, welche die UNO am 25. September 2015 am Weltentwicklungsgipfel in New York verabschiedet hat. Um sie umzusetzen, braucht es nach Schätzung der UNO jährlich sieben Billionen Dollar. Allen Beteiligten ist klar, dass mit öffentlichen Geldern allein nie ein so hoher Betrag zusammenkommen würde.

Die Zusammenarbeit mit Unternehmen in der Entwicklungszusammenarbeit sei auch für die Schweiz nicht ganz neu, sagt Ivo Germann vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco): «Wir haben immer schon versucht, mit unseren öffentlichen Geldern Private anzuziehen zum Beispiel in der Infrastruktur. Die Privaten sehen hier ein Geschäftsfeld. Wenn wir helfen, die Rahmenbedingungen zu verbessern, sehen wir auch die Möglichkeit, dass solche Investitionen nachgezogen werden.»

Subventionen sollen Risiken abfedern

Die öffentliche Hand könne etwa helfen, mittels Entwicklungszusammenarbeit lokale Gesetze zu vereinfachen, die Mittelvergabe transparenter zu machen, um Korruption zu bekämpfen, oder sogar selbst einen Teil des Risikos zu übernehmen, sagt Germann.

«Es kann auch sein, dass man in ganz schwierigen Märkten das Risiko reduziert, wenn eine neue Investitionsklasse geschaffen werden soll. Das hat gerade zu Beginn sehr hohe Kosten. Da kann man vielleicht mit einer Form von öffentlich-privater Beteiligung erste Verlustrisiken übernehmen.»

Unternehmen springen auf Anreize an

Mit anderen Worten: Der Privatsektor wird subventioniert, um Verlustrisiken abzufedern, damit Unternehmen sich überhaupt in die neuen Märkte hineinwagen.

In schwierigen Ländern mit hohem Risiko, sagt Swiss-Re-Manager Ivo Menzinger, «können öffentliche Institutionen Instrumente anbieten, die diese Risiken minimieren und es uns dann als Privatinvestor erlauben, in Regionen zu investieren, in die wir sonst nicht investieren würden.»

Nur für nachhaltige Investoren

Diese Art der Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privatsektor ist umstritten. Zwar brauche es gewisse Anreize der öffentlichen Hand, sagt Mark Herkenrath von Alliance Sud, der Arbeitsgemeinschaft von sechs Schweizer Hilfswerken. Aber man müsse sehr genau kontrollieren, wem welche Anreize gegeben würden.

«Ich finde es zum Beispiel ziemlich absurd, wenn man staatliche Gelder einsetzt, um Investitionen von Unternehmen zu finanzieren, die am Schluss ihre Gewinne ins Ausland verschieben und keine Steuern in den Entwicklungsländern bezahlen», sagt Herkenrath.

Privatinvestoren treiben die Kosten

Andere Entwicklungsorganisationen kritisieren, dass die Kosten etwa für den Bau und den Betrieb von Spitälern oft deutlich höher ausfielen, wenn Privatinvestoren im Boot seien, weil die naturgemäss mehr ihre Rendite im Blick hätten als nachhaltige Entwicklung.

Langfristige Untersuchungen, ob Privatinvestitionen in Entwicklungsländern tatsächlich nachhaltig seien, gibt es bisher nicht. IFC-Managerin Finkelston verspricht Besserung. Bisher habe auch ihre Organisation nur untersucht, ob beispielsweise Investitionen rentierten, oder ob CO2-Emissionen gesenkt werden konnten.

Künftig sollen auch die langfristigen Auswirkungen solcher Investitionen auf die lokalen Märkte untersucht werden. Damit soll etwa vermieden werden, dass mit privaten Investitionen zwar neue Arbeitsplätze für ausländische Unternehmen geschaffen, dafür aber bestehende zerstört werden.

International Finance Corporation (IFC)

Die Internationale Finanz Corporation mit Sitz in Washington D.C. ist eine internationale Entwicklungsbank und gehört zur Weltbankgruppe. Sie hat Erfahrung im Umgang mit dem Privatsektor: Seit mehr als 60 Jahren fördert sie private Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Hilfe von Darlehen, Anschubfinanzierungen für Investoren oder speziellen Anleihen wie Green Bonds. Zu ihren Aktionären gehört auch die Schweiz.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Verantwortungslosigkeit aus purer Habgier: mit Hilfe von Volks-Steuergeldern, werden erst arme Länder und Menschen ihrer lebensnotwendigen, natürlichen Ressourcen beraubt, um anschliessend mit weiteren Steuergeldern Entwicklungshilfe für diese so ausgebeuteten, verarmten Menschen anzubieten!! Diese Erbärmlichkeit, gilt für die Schweiz ebenso - aber sonst halten Politiker an: "Neutralität, Humanität, Unabhängigkeit" fest - eine lächerliche Pharce! "Wir waschen unsere Hände in Unschuld"!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Gar nicht einverstanden mit dem Ansatz. Zuerst müssen die Länder eigenverantwortlich aufräumen, sich für Investoren parat zeigen. Selbst im Osten EU fehlen die Investoren wegen der Korruption, geschweige denn in Afrika, wo vermeintlich reiche Leute, tatsächlich einfach Executives, täglich Lebensgefahren oder der Gefahr der Kidnapping ausgesetzt werden. Ich finde es nur zu gut, dass sie dieses Terrain den Chinesen überlassen. Die können damit umgehen und haben die korrupten Leader im Griff.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von nathalie wernz (Frau Wer)
    "..zwar neue Arbeitsplätze für ausländische Unternehmen geschaffen, dafür aber bestehende zerstört werden."! Unzählig die Bsple - unter dem 'Label Standortförderung von Strukturschwachen Regionen', ob in Afrika oder der EU: hochindustrialisierte Grossbäckerei // viele kleine Familien-Bäckereien, Baumwollplantage (Landgrabing, Wasserverbrauch, Pestizide..) // Kleinbauern-Selbstversorger,... = Gewinn für die Investoren // Zerstörung lokaler, (informeller) Strukturen + Umwelt...!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Ps 'in Etwas investieren' = sich einsetzen, ermöglichen, verfügbar machen, reinstecken... Was: Herz, Geist, Zeit, Können, Ressourcen, Geld.. WOFÜR?! (Heute gilt aber leider mehrheitlich der Ego-Profitanreiz (Algorithmen entscheiden in Milisekunden..)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen