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Ein Imperium geht unter Erb-Pleite: Die wichtigsten Stationen

Sie hat Millionen gemacht, herrschte über ein riesiges Firmenimperium: Die Familie Erb. 2003 die Zäsur. Die Erb-Gruppe ging pleite. Es war der zweitgrösste Konkurs in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick.

Der Zusammenbruch und die Schadensbegrenzung

  • «DOK»: Der Zusammenbruch (19.01.2012)

    Acht Jahre nach dem Konkurs der Erb-Familie bricht Rolf Erb sein Schweigen. In «DOK» steht er erstmals vor die Kamera und gewährt einen Einblick in eine faszinierende Familiensaga.

  • 05.12.2003: Der Zusammenbruch der Erb-Gruppe

    Der Erb-Konzern muss wegen massiver Überschuldung von zwei Milliarden Franken aufgelöst werden. Es wird versucht, die rentablen Bereiche zu veräussern. Arbeitsplätze sind kaum gefährdet, berichtet «Schweiz aktuell».

  • 05.12.2003: Unterwegs mit dem Sanierer Hans Ziegler

    Vor dem Zusammenbruch haben die Erben der Erb-Gruppe den Profi-Sanierer Hans Ziegler engagiert. «10vor10» begleitet den Sanierer, der die komplexen Beteiligungen entflechten muss.

  • 08.12.2003: Verwaltungsrat Christian Erb äussert sich

    Mit der Nachlassstundung und teilweisem Konkurs der Erb-Gruppe sind die Fragen der Medien so drängend, dass Verwaltungsrat Christian Erb ein Reporterteam von «10vor10» empfängt.

  • 19.12.2003: Strafverfahren der Bezirksanwaltschaft

    Die Zürcher Bezirksanwaltschaft hat ihr Vorabklärungsverfahren abgeschlossen. Es bestünden «erhebliche Verdachtsmomente für strafrechtliches Verhalten, insbesondere Bilanzfälschung und Vermögensdelikte».

  • 22.12.2003: Alcopa übernimmt den Auto-Bereich

    Aufatmen für einen Teil der Belegschaft des Autohandel-Bereichs der Erb-Gruppe: Der belgische Alcopa-Konzern übernimmt die Erb-Garagen.

  • 09.03.2004: Streit um das Erb-Familienschloss

    Der Kampf um das, was nach dem Erb-Konkurs übrigbleibt, ist in vollem Gang. Nun bahnt sich auch ein Streit um das Familien-Schloss Eugensberg im Kanton Thurgau an.

  • 22.10.2004: Kaum mehr Geld für Unifina-Gläubiger

    Seit dem Zusammenbruch der Erb-Gruppe Ende 2003 kämpfen die Gläubiger um Ihr Geld. Der Sachwalter Fritz Rothenbühler hat an der Gläubigerversammlung der Unifina schlechte Nachrichten.

  • 18.10.2006: Schadenersatzklage gegen Familie Erb

    Nach dem Konkurs der Erb-Gruppe verklagt ein Freund der Familie, der Thurgauer Erwin Feurer, die Konkursverantwortlichen. Die «Rundschau» über eine Schadenersatzklage mit wenig Chancen.

  • 18.01.2012: Schlossherr trotz Milliarden-Schulden

    Rolf Erb residiert dank lebenslangem Wohnrecht immer noch auf Schloss Eugensberg im Kanton Thurgau.

Die Erb-Gruppe – Firmenkonglomerat aus 80 Unternehmen

Vor dem Konkurs 2003 war die Erb-Gruppe ein weltweiter Konzern mit einem Umsatz von rund 4,5 Milliarden Franken und fast 5000 Beschäftigten.

Angefangen hatte alles im Autohandel, der 1920 in der Garage von Hugo Erbs Vater in Winterthur-Töss begonnen hatte. Die Erb-Gruppe bestand vor dem Zusammenbruch aus vier Holdinggesellschaften:

  • Herfina (Autohandel): Der Import der Automarken Mitsubishi, Suzuki, Hyundai und Tata erwirtschaftet 50 Prozent des Umsatzes der Erb-Gruppe.
  • Unifina (Kaffeehandel, Finanzdienstleistungen und Immobilien): Die Volcafé-Gruppe erreicht einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Franken und einem Anteil am Weltmarkt von knapp 13,5 Prozent.
  • Uniwood (Baunebenbranche, Holzhandel): EgoKiefer als bedeutendster Hersteller von Fenstern und Türen und Bruno Piatti, dem grössten Küchenbauer der Schweiz erwirtschaften mit über 1600 Angestellten einen Umsatz von rund 570 Millionen Franken.
  • Uniinvest (Beteiligungsgesellschaft): Faule Beteiligungen an der CBB Holding AG in Deutschland und der EBC Asset Management Ltd. in London.

Eine konsolidierte Bilanz der Gesellschaften wurde nie erstellt. Der Geldfluss zwischen den Holdinggesellschaften verunmöglichte eine genaue Bezifferung der gegenseitigen Verbindlichkeiten. Hauptgrund für die Pleite war der Abschreibungsbedarf von 2,5 Milliarden Franken bei der Beteiligungsgesellschaft Uniinvest.

Nach dem Zusammenbruch forderten Gläubiger insgesamt 6,5 Milliarden Franken. Darin sind auch die Forderungen enthalten, die sich die Holdings gegenseitig schulden.

Der Prozess gegen Rolf Erb

  • 23.01.2012: Prozessauftakt in Winterthur

    Rolf Erb, damals Geschäftsführer der Erb-Gruppe, steht in Winterthur vor Gericht. 2003 ging das Unternehmen Konkurs und 17 Banken verloren hunderte Millionen Franken.

  • 24.01.2012: Die Anklage am zweiten Prozesstag

    Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Sie wirft Rolf Erb gewerbsmässigen Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und mehrfache Gläubigerschädigung vor.

  • 27.01.2012: Zeugen belasten Rolf Erb

    Im Prozess um die Erb-Pleite zitierte die Staatsanwaltschaft mehrere Zeugen, gemäss denen Rolf Erb bei Gelddingen die Fäden zog.

  • 01.02.2012: Verteidigung plädiert auf Freispruch

    Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. Nicht Rolf Erb, sondern sein verstorbener Vater Hugo Erb habe die Verantwortung über die Finanzen gehabt.

  • 22.03.2012: Schuldspruch gegen Rolf Erb

    Das Bezirksgericht Winterthur hat den ehemaligen Konzernchef zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll für Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung bestraft werden. Erb ficht das Urteil an.

  • 15.01.2014: Obergericht verurteilt Erb zu sieben Jahren

    Als zweite Instanz verringert das Obergericht das Strafmass um ein Jahr. Der Angeklagte will den Schuldspruch aber beim Bundesgericht anfechten.

  • 30.3.2017: Bundesgericht weist Erb-Beschwerde ab

    Das Bundesgericht lehnt die Beschwerde Rolf Erbs gegen den Haftantritt ab. Er hatte sich dagegen gewehrt und akute Selbstmordgefahr geltend gemacht. Das oberste Gericht führte in seinem Entscheid aber aus, wegen allfälliger Suizidgefahr sei kein Strafaufschub möglich.

Wirtschaftsdelikte im Visier

Wenn es um Wirtschaftsdelikte in der Schweiz geht, ist die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich eine wichtige Drehscheibe. Ob Swissair-Grounding oder Erb-Pleite – in den vergangenen Jahren hat sie etliche spektakuläre Fälle behandelt. Ein «ECO Spezial» zeigt ihren Kampf gegen Wirtschaftskriminelle.

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