Erdölpreis jetzt unter 60 Dollar

Die Ölpreise haben heute die 60 Dollar-Grenze unterboten. Das sind 40 Prozent weniger als im Sommer. Der Widerstand in der Organisation erdölexportierender Länder scheint wirkungslos. Einige Akteure heizen den Preiszerfall sogar noch an.

Die Erdölpreise fallen.

Bildlegende: Die Erdöl-Preise kennen zuerst nur eine Richtung: nach unten. Keystone

Die Ölpreise haben ihre Talfahrt fortgesetzt. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI durchbrach gestern Abend die Marke von 60 US-Dollar und fiel am Morgen im asiatischen Handel zeitweise auf ein neues Fünf-Jahres-Tief von 58,80 Dollar. Zuletzt kostete ein Fass der Sorte WTI 59,38 Dollar.

Saudi Arabien durchkreuzt Kürzungspläne

Seit Sommer sind die Ölpreise um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Vor allem die Aussicht auf ein starkes Überangebot im kommenden Jahr belastet die Märkte. Die Produktion von US-Schieferöl ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, und die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich bisher nicht auf eine Produktionskürzung verständigt. Wichtige Produzenten wie Saudi-Arabien wollen anscheinend mit einer stabilen Produktion ihre Marktanteile verteidigen.

Händler erklärten den jüngsten Preisrutsch auch mit finanztechnischen Gründen: Heute laufen die Kontrakte zur Auslieferung von Öl im Januar aus, und beim Abschluss von Verträgen für Februar und März seien noch einmal niedrigere Preise unterstellt worden.

Börsen unter Druck

Der Preisverfall beim Erdöl beeinflusst auch die Aktienbörsen. Das gleiche gilt für die Währungen einiger erdölproduzierender Länder, wie Russland, Norwegen oder Kanada. Der Dax fiel zum Wochenschluss zeitweise um 1,7 Prozent auf ein Drei-Wochen-Tief von 9696 Zählern. Der SMI pendelt bei 9000 Punkten, nachdem er vor Wochenfrist noch bei über 9200 Punkten lag.

Das sind aber auch Momentaufnahmen. Mittelfristig könnten die Aktienmärkte vom Öl-Preisrutsch profitieren, urteilten die Analysten der Société Génerale in einer Studie. Niedrige Rohstoffkosten kurbeln die Wirtschaft an und treiben die Margen vieler Unternehmen in die Höhe.

Fast 58 Rubel für einen Dollar

Am Devisenmarkt stachen vor allem die Währungen von Norwegen, Kanada und Russland ins Auge. Der Dollar stieg auf ein Elf-Jahres-Hoch von 7,40 norwegische Kronen. Zum kanadischen Dollar markierte der Greenback ein Fünfeinhalb-Jahres-Hoch. Und auch der Rubel setzte seine Talfahrt fort: Der Dollar kletterte um bis zu 2,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 57,99 Rubel

Erdöl wird zum Ladenhüter

Die Erdöl-Preise sind so tief wie lange nicht. Trotzdem ist die weltweite Nachfrage nach Erdöl nicht so stark gewachsen wie angenommen. Zuletzt war die Internationale Energieagentur (IEA) noch von einer Nachfrage von täglich 93,6 Millionen Fass pro Tag ausgegangen. Jetzt wurde diese Prognose auf 93.3 Millionen Fass gekürzt.