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Ermotti hält an Strategie fest «Die Tech-Giganten dringen ins Banking vor»

Sergio Ermotti
Legende: Sergio Ermotti ist seit November 2011 Konzernchef der UBS. Der 57-Jährige zählt zu den am besten bezahlten CEOs Europas. Keystone

Der UBS-Konzernchef Sergio Ermotti fühlt sich immer noch wohl mit der bereits sechsjährigen Strategie. Gleichzeitig sieht er aber auch, dass neue Herausforderer wie die Technologie-Giganten der Bank Geschäftsfelder streitig machen. Diese würden weniger streng reguliert, kritisiert er.

SRF News: Wie anlegefreudig sind Ihre Kunden?

Sergio Ermotti: Das vierte Quartal 2017 war stark. Der Weltwirtschaft geht es wieder so gut wie vor zehn Jahren. Unsere Kunden sind positiv gestimmt. Die Schwankungen an den Finanzmärkten sind tief.

Und deswegen sind ja die Kunden sehr träge. Sie generieren damit auch keine Gebühren. Banken verdienen weniger. Wie sieht dies bei der UBS aus?

Bei uns ist das auch der Fall. Das ist ein Phänomen, das sich durch das ganze Jahr 2017 gezogen hat. Insbesondere im letzten Quartal spielen dann auch noch saisonale Effekte mit. Dementsprechend haben wir gesunkene Erträge verbucht.

Auch weil viele Investoren passive Fonds kaufen, die viel billiger sind als solche mit Managern und Menschen dahinter? Setzt sich dieser Trend fort?

Es ist nicht so, dass alle nur passive Fonds kaufen. Es gibt ein starkes Wachstum im passiven Bereich, aber aktive Fonds sind bei unserer Kundschaft nach wie vor sehr beliebt. Natürlich erwerben die Käufer mehr passive Fonds, wenn die Märkte sich im Aufwärtstrend befinden.

Für Sie wären bewegtere Märkte viel besser.

Eine gesunde Schwankung ist wichtig. Volatilität per se kann auch von Nachteil sein, wenn sie beispielsweise aus geopolitischen Schocks resultiert. Wir müssen eine gute Balance finden. Wenn die Märkte ruhig sind und keine Volatilität erwartet wird, kann dies auch ein gefährliches Signal sein.

Eine gesunde Schwankung ist wichtig. Volatilität per se kann auch von Nachteil sein.

Oder es ist sogar die Folge von zu vielen passiven Fonds, die alle auf das Gleiche setzen. Es liegen schon mehr als fünf Billionen Franken in diesen Fonds. Ist das schon eine Blase?

Passiv ist nicht gleichbedeutend mit risikolos. Auch passive Fonds haben ein Risiko. Wenn Sie passiv auf einen grossen Börsenindex setzen, dann sind darin vier, fünf grosse Gesellschaften dominant, welche einen grossen Einfluss auf den börsengehandelten Fonds (ETF) haben. Wenn denen was passiert oder diese Fehler begehen, kann sich auch eine passive Strategie als nicht erfolgreich herausstellen.

Die Bankenwelt erhält neue Konkurrenz durch Technologie-Giganten wie Amazon oder Alibaba, welche auch ins Vermögensverwaltungsgeschäft einsteigen. Wie sehen Sie diese Herausforderer?

Banken waren in den letzten 30, 40 Jahren schon immer fähig, mit Technologien Schritt zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein gesunder Wettbewerb ist sicher auch willkommen, sofern alle nach den gleichen Regeln spielen. Wir müssen fähig sein, im Wettbewerb gegenüber diesen Tech-Giganten zu bestehen, die ab und zu in unsere Geschäfte eindringen, ohne unbedingt der gleichen strengen Regulierung zu unterliegen wie wir.

Ein gesunder Wettbewerb ist sicher auch willkommen, sofern alle nach den gleichen Regeln spielen.

Die Tech-Giganten tun dies also schon?

Ja, das ist sicher ein Trend.

Wie bleiben Sie denn selber in Sachen Big Data und Digitalisierung am Ball?

Im Zuge der Digitalisierung wollen wir unsere Kunden mittels neuen Technologien besser bedienen. Wir investieren daher in den nächsten Jahren mehr als zehn Prozent der Erträge in die Digitalisierung und Technologie.

Kleinere Schweizer Banken geschäften schon mit Kryptowährungen, Goldman Sachs plant in den Handel einzusteigen, und Sie?

Die Blockchain-Technologie ist in meinen Augen die Zukunft. Aber da das Phänomen der Kryptowährungen stark von Spekulation getrieben ist, wird die UBS dies nicht verfolgen.

Die Investoren werden angesichts der Strategie der UBS, welche sechs Jahre auf dem Buckel hat, nervös. Das wirtschaftliche Umfeld ist heute viel positiver als damals. Wagt man also auch wieder etwas oder kommen von der UBS neue Visionen?

Unsere Investoren möchten nachhaltiges Wachstum. Risiken, die nicht die Strategie mittragen, gehen wir nicht ein. Im Geschäftsbereich der Vermögensverwaltung will die UBS in den nächsten Jahren zehn bis fünfzehn Prozent wachsen. Das ist eine gesunde Wachstumsprognose ohne Risiken.

Das Gespräch führte Patrizia Laeri.

Was sind passive Fonds?

Passive Fonds (ETFs) sind börsengehandelte Fonds, welche ohne Manager auskommen und zumeist einen Börsenindex abbilden. Deswegen sind die Gebühren tiefer als bei aktiv verwalteten Fonds.

1 Kommentar

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'Vermögensverwaltung will die UBS in den nächsten Jahren zehn bis fünfzehn Prozent wachsen' Warum lassen es noch so viele Menschen zu, dass ihr Geld in Dinge investiert wird, die ihnen mittelfristig und die manche Menschen schon kurzfristig zu Schaden gereichen wird? Diese und andere Grossbanken, zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie sowohl in der Rüstungsindustrie, wie auch bei schädlichen Umweltkonzernen mitunter in den vordersten Rängen zu finden sind. Es gibt sie, die Alternativen ...
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