Erste Schweizer Bank verlangt Zins für Bankguthaben

Als erste Bank der Schweiz verlangt die Alternative Bank Schweiz ab dem kommenden Jahr einen Zins für das Geld auf dem Konto. Und zwar vom ersten Franken an. Schon bald könnten andere Banken folgen, glaubt ein Experte.

Symbolbild: Geldnoten wechseln die Hände.

Bildlegende: Bricht nun der Damm? Als erste Bank verlangt die ABS einen Zins ab dem ersten Franken auf dem Konto. Keystone Archiv

Eine erste Bank in der Schweiz führt bald Negativzinsen auch für Kleinkunden ein: Ab dem ersten Januar bekommen die Kunden der Alternativen Bank Schweiz ABS nicht nur keinen Zins, sie müssen sogar selber 0,125 Prozent Zins dafür bezahlen, dass sie ihr Geld der ABS geben dürfen. Die Negativzinsen gelten vom ersten Franken auf dem gewöhnlichen Konto für den privaten Zahlungsverkehr. Das ist neu.

ABS bleibt wohl nicht lange die einzige Bank

Das ist ein radikaler Schritt, den sich vorerst nur die ABS erlauben kann. «Die meisten bringen das Geld nicht zu uns, weil sie einen Profit erwirtschaften möchten, sondern weil sie wollen, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird», sagt ABS-Mediensprecherin Barbara Felix. Darum sei der Nagativzins den ABS-Kunden wohl eher zuzumuten als den Kunden anderer, normaler Banken.

Trotzdem dürfte die ABS nicht lange die einzige Bank bleiben, die einen Zins für die Aufbewahrung des Geldes verlangt. So sagt Maurice Pedergnana, Bankenprofessor an der Hochschule Luzern, der Schritt erstaune ihn überhaupt nicht. «Er wird noch Schule machen.» Sprich: Schon bald werden weitere Banken dem Beispiel der ABS folgen.

Aus ökonomischer Sicht hätten die Banken keine andere Wahl, so Pedergnana weiter. Denn für Kredite wie etwa Hypotheken könnten die Geldhäuser ja nicht plötzlich mehr verlangen, ohne die Kreditnehmer zu vergraulen.

Es gibt eine Alternative

Nun informiert also die – vergleichsweise kleine – Alternative Bank schriftlich ihre rund 33‘000 Kunden über das Vorgehen in einem Brief, der Radio SRF vorliegt. Und die ABS ist alternative Bank genug, um den Kunden eine Alternative vorzuschlagen: Jene Gelder nämlich, die sie nicht im Alltag benötigen würden, sollten die Kunden – auf andere Art und langfristig – bei der Bank anlegen, etwa in Kassenobligationen. Dann mit positivem Zins, versteht sich.

Tatsächlich ist es so auch für die Bank einfacher, das Problem der Negativzinsen zu entschärfen. Denn langfristig parkierte Kundengelder kann sie besser für ihr zinsbringendes Kreditgeschäft einsetzen, statt sie gegen Gebühr bei der Nationalbank zu deponieren.