Zum Inhalt springen

Experte zu Bitcoin-Boom «Es ist eine Art Blase»

Der Preis für die virtuelle Währung Bitcoin erreicht ungeahnte Höhen: Am Wochenende wurden über 4000 Dollar pro Bitcoin bezahlt. Vor zwei Wochen hatte der Kurs bei 3000 Dollar gelegen. Der Präsident des Schweizer Bitcoin-Verbandes, Lucas Betschart, im Interview.

Legende: Audio Bitcoin – ist alles Gold, was glänzt? abspielen. Laufzeit 4:05 Minuten.
4:05 min, aus HeuteMorgen vom 15.08.2017.

SRF News: Wir haben in der Vergangenheit ein steiles Auf und Ab der Bitcoin-Währung gesehen. Ist der Anstieg dieses Mal nachhaltiger?

Lucas Betschart: Wenn der Preis genug steigt, kommt Bitcoin in den Mainstream-Medien, was den Preis noch mehr in die Höhe treibt. Dann kommen neue Investoren, und noch mehr Leute kaufen die Währung. Es ist also eine Art Blase.

Im Vergleich zu früher ist es jetzt relativ langweilig.

Also gehen Sie davon aus, dass sich die wilde Berg-und-Tal-Fahrt noch fortsetzen wird?

Ja, davon gehe ich aus. Aber prozentual gesehen nehmen die Schwankungen von Jahr zu Jahr ab. 2012 oder 2013 ging man noch von tausenden von Prozenten aus innerhalt von Monaten. Im Vergleich zu früher ist es jetzt relativ langweilig. Der Markt ist unreguliert und noch relativ klein. Momentan sind wir bei ungefähr 60 Milliarden. Da bewegt sich natürlich noch relativ viel.

Was ist Ihre Erklärung für den steilen Anstieg?

Es gibt mehrere Theorien, aber ich gehe davon aus, dass ein wichtiger Aspekt der technologische Fortschritt ist.

Was meinen Sie mit «technologischem Fortschritt»?

Dass wir mehr Transaktionen pro Sekunde durchführen können. Das Bitcoin-Netzwerk kann dann statt nur noch drei Transaktionen durchschnittlich sieben Transaktionen pro Sekunden durchführen. Der weiteren Expansion von Bitcoin steht auf der technologischen Seite also nicht mehr viel im Weg. Deshalb auch der grosse Preisanstieg.

Also kann man davon ausgehen, dass Bitcoin viel besser und effektiver gehandelt und damit auch vielfältiger eingesetzt werden kann, wenn die Technologie implementiert ist?

Genau, die Bedienbarkeit wird viel besser. Man kann dann Millionen von Transaktionen innerhalb von Millisekunden zu Null Kosten auf der ganzen Welt durchführen. Das ermöglicht extrem viele zusätzliche Anwendungsfälle, die wir vorher nicht hatten, was die Nützlichkeit und somit den Wert von Bitcoin steigert.

Leute, die ein hohes Risiko eingehen wollen, kaufen Bitcoin.

Wofür wird denn Bitcoin zurzeit vor allem verwendet? Ist es ein Zahlungsmittel, um im Internet Dienstleistungen und Waren zu kaufen, oder ist es auch zu einem grossen Masse ein Anlagevehikel?

In der Schweiz ist Bitcoin vor allem Anlagevehikel. Diesbezüglich sehe ich drei Arten von Investoren: Leute, die ein hohes Risiko eingehen wollen, kaufen Bitcoin. Leute, die sich für die Technologie interessieren, kaufen Bitcoin. Und Leute, die gegenüber dem Staat und den Banken kritisch sind, kaufen Bitcoin.

Legende:
Bitcoin Kurs

Und wie sieht es diesbezüglich im Ausland aus?

Eigentlich gilt dasselbe für alle Erstweltländer, in denen fast jeder eine Kreditkarte oder ein Bankkonto hat. Dort sind Bitcoin eher ein Investment und aus technologischer Sicht interessant. In Schwellen- und Drittweltländern hingegen nützt Bitcoin vielen Leuten, weil zwei Milliarden Menschen auf der Welt kein Bankkonto bekommen. Wenn diese ihr Geld mittels digitaler Währung aufbewahren können und nicht alles unter der Matratze horten müssen, dann ist das für sie ein riesiger Fortschritt.

Das Gespräch führte Matthias Heim.

Oberster Bitcoiner der Schweiz

Oberster Bitcoiner der Schweiz
Legende: zvg

Lucas Betschart ist Präsident der Bitcoin Association Schweiz und Gründer der Consulting Firma Blockchain Source, die Start-Ups und Unternehmen bei der Umsetzung der Blockchain Technologie unterstützt. Seit 2014 organisiert er Treffen für die Schweizer Szene und lädt Experten dazu ein.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    So ein undurchsichtiges Gebilde ist nur für Gläubige Blindgänger eine Währung mit Wert. Wer verwaltet das Geld mit dem ja diese Coins gekauft werden müssen? Also sind die Banken indirekt an dem Drecksgeschäft mit eingewickelt. Diese pfeifen auf ein Konto -die wollen nur das Bargeld der Dummen die an das Märchen der wunderbaren Brotvermehrung glauben- wie blöd kann man nur sein ? Der Wert dieser Coins wird dann von den Banken durch Leerkäufe und Verkäufe manipuliert wie auch alles Andere. Ende !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lucas Betschart (Lucas Betschart)
      Hi, Evtl. moechten Sie sich zuerst selber etwas informieren wie Bitcoin funktioniert: https://bitcoinblog.de/2014/04/23/die-bitcoin-infothek/ https://www.weusecoins.com/de/ https://bitcoin.org/en/ Nicht alles Neues ist schlecht. Viel Spass beim Lesen und Lernen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Martin Steffen (/\o/\)
    "... die gegenüber dem Staat und den Banken kritisch sind, kaufen Bitcoin": Na ja, ich kaufe keine, weil ich der Digitalisierung gegenüber ganz besonders kritisch bin! Bitcoin sind elektronisch und haben somit gegenüber dem Bargeld das Nachsehen! Sie sind zudem als Leitwährung aufgrund der unkontrollierbaren, massiven Kursschwankungen absolut unbrauchbar! Und wirklich anonym kann man damit auch nicht bezahlen (Stichworte: Bitcoin Behörden). Blockchain: Blockwashing? Input Validation? Usw., usf.!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kusi Muenger (mamung63)
    die letzte Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Für 2 Milliarden Menschen, die kein Bankkonto erhalten, sei die digitale Währung ein Fortschritt. Aber um Bitcoin zu erwerben ist doch ein Bankkonto zwingend nötig? Oder hab ich da was falsch verstanden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lucas Betschart (Lucas Betschart)
      Hi, Ein Bankkonto ist nicht zwingend nötig. Bitcoin auch kann bei sogenannten Bitcoin ATMs gegen Bargeld gekauft / verkauft werden (siehe https://coinatmradar.com/). Desweiteren gibt es Webseiten und Services wie localbitcoins.com die den Kauf und Verkauf von Bitcoin von Person zu Person vereinfachen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      In Berlin kann man bereits in Restaurants Shops etc. wunderbar in Bitcoins zahlen. Denn es gibt viele Menschen die gar kein Bankkonto haben oder bekommen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen