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Wirtschaft «Es könnte ein weiterer Rückgang der Exporte auf uns zukommen»

Wie erwartet drückt die Aufhebung des Euro-Mindestkurses stark auf die Schweizer Exporte. Nur ein Teil des Rückgangs konnte durch einen Aufschwung im Dollar-Raum aufgefangen werden. Der Chefökonom der Zollverwaltung befürchtet eine weitere Abnahme der Ausfuhren.

Symbolbild: Ein grosses gelbes Seilbahnrad in der Produktion.
Legende: Die Schweizer Exportindustrie könnte im nächsten Halbjahr noch stärker zu leiden haben. Keystone

Die Schweizer Exporte haben im ersten Halbjahr umsatzmässig um 2,6 Prozent abgenommen. Einzig die Schweizer Luxusgüter-Branche konnte zulegen. Im Gespräch mit SRF erklärt der Chefökonom der Eidgenössischen Zollverwaltung, Matthias Pfammatter, wo neben der Aufhebung des Euro-Mindestkurses die Gründe für das Ergebnis liegen. Und wie er die Entwicklung im zweiten Halbjahr sieht.

SRF News: Die Uhrenbranche hat sich nach der Schwäche im letzten Jahr etwas aufgefangen. Was sind die Gründe dafür?

Matthias Pfamatter: Die Uhrenindustrie ist nicht nur auf Europa, sondern auch auf Asien und Amerika fokussiert. Dadurch konnte sie den Einbruch in der Eurozone auffangen. Sie ist vor allem im Dollar-Raum tätig, wo die Konjunktur besser läuft. Ausserdem ist der Dollarkurs gegenüber dem Schweizer Franken in etwa auf dem gleichen Stand wie vor einem Jahr.

Aber der Dollar-Raum und Asien konnten den Einbruch der gesamten Exporte in der Eurozone nicht kompensieren?

Das ist richtig. Europa und insbesondere die Eurozone ist insgesamt der wichtigste Absatzmarkt für die Schweizer Industrie.

Asien ist sehr uneinheitlich: In China wächst die Wirtschaft, wenn auch nicht mehr so rasch; andererseits haben wir Hongkong, wo die Uhrenindustrie massive Rückschläge hinnehmen musste. Woher kommt das?

Hongkong ist der wichtigste Absatzmarkt, dort gibt es viele Uhren-Ausstellungen. Denn Hongkong ist eine Drehscheibe für die Uhrenindustrie, von wo aus die Uhren in den ganzen asiatischen Raum weiterverkauft werden. Wenn nun die Nachfrage nicht so stark ist, kommt ein Teil dieser Uhren wieder zurück in die Schweiz. Mit ein Grund für die geringere Nachfrage in Hongkong dürfte die Korruptionsbekämpfung in China sein.

Eine besonders starke Zunahme der Exporte sehen wir nach Katar und Saudi-Arabien. Wieso gerade in diese Länder?

Neben einer Zunahme bei der Bijouterie konnten auch Flugzeuge aus der Schweiz in diese Länder exportiert werden. Solche Lieferungen schenken in der Statistik dann ziemlich ein.

Nun hat das erste Halbjahr 2015 das Wachstum der vorangehenden sechs Quartale praktisch aufgefressen – wie entwickeln sich die Exporte im zweiten Halbjahr?

Man muss vorausschicken, dass das Ergebnis im ersten Halbjahr 2015 weniger rückläufig war, als befürchtet wurde. Es hat sich aber gezeigt, dass sich der Rückgang im zweiten Quartal verstärkt hat. Das könnte bedeuten, dass der Tiefpunkt noch nicht durchschritten ist. Es könnte also durchaus ein weiterer Rückgang der Exporte im dritten und allenfalls auch vierten Quartal auf uns zukommen.

Das Gespräch führte Philip Meyer

4 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Reiser, Baar ZG
    Die CH-Wirtschaft hat in fahrlässigster Art und Weise Know-How nach Asien verscherbelt. Die entsprechenden Produkte werden nun eben im Reich der aufgehenden Sonne produziert und von dort aus exportiert. Mit dem CHF/EUR-Wechselkurs hat dies nichts zu tun.
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    1. Antwort von Markus Reiser, Baar ZG
      KORREKTUR: Im Reich der Mitte
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  • Kommentar von Daniel Schenker, Bern
    Es geht nie immer nur aufwärts, es geht auch immer wieder abwärts und dann wieder aufwärts ... . Da brauche ich kein "Es könnte dies oder jenes ..." von irgendeinem Chef-Ökonomen. An unsere EURO-Crash-Turbos: Unseren CHF geben wir nicht Preis, so wie viele andere, vernünftige Länder dies auch nicht im Traum gedenken zu tun.
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  • Kommentar von Urs Heim, Zürich
    Für den Bankenplatz Schweiz ist der Schweizer Franken ein unverzichtbarer Standortvoteil.Für die gesammte Wirtschaft hingegen der Ruin,sprich ein langsamer grausamer Tot.-Unsere Währung steht aus Realwirtschaftlicher Sicht immer mehr zur Diskussion,egal ob Heimatgefühle reinspielen oder nicht.-Es geht primär um unsere Arbeitsplätze/Exostenz,das muss auch den liberalsten Politikern klar sein,sonst zweifle ich an deren interkulturellen Führungsrolle.
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