Smart Home Es werde intelligentes Licht!

Ikea verkauft nun vernetzte Lampen und ergreift Partei für einen der vielen Smart-Home-Standards. Um die liefern sich verschiedene Anbieter einen Kampf. Der Schritt der Schweden könnte neuen Schwung in die seit Jahren vor sich her dümpelnde Entwicklung bringen.

Verschiedene LED-Lampen, rechts ein Smartphone mit Steuerungs-App.

Bildlegende: Smart Home: Dazu gehört ein Beleuchtungssystem, das sich intelligent steuern lässt. IKEA

«Tradfri» (drahtlos) heisst das neue Beleuchtungssystem von Ikea. Dazu gehören verschiedene LED-Leuchtmittel, Glühbirnen und leuchtende Paneele. Steuern lassen sich die Lampen über einen speziellen Lichtregler, Bewegungsmelder oder eine App.

Was Ikea anbietet, ist alles andere als neu. Philips und Osram sind schon seit Jahren mit vergleichbaren Beleuchtungs-Systemen auf dem Markt.

Alle drei Systeme nutzen den Smart-Home-Standard «Zigbee» – und der könnte eigentlich mehr als nur Licht per Fernsteuerung ein- und auszuschalten.

Das intelligente Heim

Stell dir vor, alle Geräte in einem Haushalt sind vernetzt, lassen sich ansteuern und kennen den aktuellen Strompreis. Jeder Haushalt wäre dadurch in der Lage, den Trockner und die Geschirrwachmaschine dann einzuschalten, wenn der Strom am günstigsten ist. Davon würde nicht nur der Bewohner des intelligenten Heims profitieren sondern die ganze Gesellschaft – weil man Strom nicht zwischenspeichern muss. Das würde die Energie-Effizient steigern.

Seit Jahren arbeiten verschiedene Firmen und Ingenieure an diesem Traum. Das Resultat sind unzählige unterschiedliche Standards zur Vernetzung, die nicht miteinander kommunizieren können.

Das sind die wichtigsten:

  • Insteon: Seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt; unterstützt Geräte.
  • Z-Wave: Sehr verbreitet. Geräte unterschiedlicher Hersteller arbeiten gut zusammen.
  • Zigbee: Technisch ähnlich aufgebaut wie Z-Wave, Geräte verschiedener Anbieter arbeiten nicht gut zusammen.
  • Thread: Standard von 2014, dahinter stecken Google, Samsung und andere.
  • Homekit: Apple geht eigene Wege mit propriäterer Technologie.

Wenn Fünf sich streiten ...

Mit Ikea setzt nun einer der ganz grossen Anbieter auf Zigbee. Das macht vernetzte Beleuchtungssystemen erschwinglich für viele Konsumenten. Und was bedeutet das für die Zukunft des Smart Home? Verschiedene Szenarien sind denkbar:

  • Dank dem neuen Beleuchtungssystem von Ikea setzt sich der Smart-Home-Standard Zigbee durch. Weil die Zahl der Zigbee kompatiblen Haushalte zunimmt, entwickeln die Hersteller neue Produkte wie Waschmaschinen oder Trockner, die sich über diesen Standard vernetzen. So wird das intelligente, energiesparende Haushalt Realität.
  • Beleuchtungssysteme auf dem Zigbee-Standard verkaufen sich zwar gut, doch sie fristen ein Inseldasein, weil es nicht genügend kompatible Geräte gibt. In diese Bresche springen nun Anbieter mit Produkten, die eine Brücke schlagen. Beispiel: Amazon mit Echo, dem sprachgesteuerten Assistenten für den Haushalt. Ursprünglich konzipiert, um Musik abzuspielen, kann Echo aber bereits seit zwei Jahren auch Philips-Leuchten (Zigbee) ansteuern oder den Google Nest Thermostat (Thread-Standard), wie das online Magazin zdnet berichtete. Das heisst: Wer nach Hause kommt, gibt Echo zum Beispiel den Befehl «Licht an» und «Temperatur auf 20 Grad».

Es ist schwierig abzuschätzen, welches Szenario sich durchsetzen wird. Zum Smart Home gehört neben Energieeffizienz auch der Komfort. Das von Ikea und seinen Mitkonkurrenten angebotene Beleuchtungssystem erfüllt diesen Anspruch. Bis zum Haushalt, der Strom optimal nutzen kann, ist es aber noch ein weiter Weg – egal, welche Standards sich schliesslich behaupten werden.