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Wirtschaft Euro-Garantie total – Draghis Rezept erhält Unterstützung

Ein Jahr ist es her seit dem spektakulären Bekenntnis von EZB-Chef Mario Draghi zum Euro. Allein die Worte, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, beruhigte die Lage schlagartig. Nun stellen sich über 100 Top-Ökonomen offen hinter «Super Mario».

EZB-Chef Mario Draghi.
Legende: EZB-Chef Mario Draghi und die möglichen Staatsanleihekäufe. Wie geht es nun weiter? Keystone

Ziemlich genau vor einem Jahr, am 26. Juli 2012, sprach der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) die magischen Worte: «Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.».

Heute ist der Zusammenbruch der Eurozone kein Thema mehr, obwohl die EZB ihr Rettungsprogramm noch nicht einmal aktivieren musste. Dennoch bleibt Mario Draghis Kurs umstritten. Die Kritiker von «Super-Mario», wie die Finanzmärkte ihren Helden nennen, sind vor allem in Deutschland nicht verstummt.

Staatsanleihekaufprogramm «mitgestalten»

Nun haben sich über 100 renommierte Ökonomen per Unterschrift hinter den Kurs Draghis gestellt. Darunter sind der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher und die ehemalige Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro.

Mit ihrer Unterstützungskampagne wollen sie nach eigenen Worten die Debatte über das Staatsanleihekaufprogramm «mitgestalten», wie Oliver Stock, Chefredaktor «Handelsblatt Online», gegenüber SRF erklärt. Die Experten folgten damit auch einem Aufruf des deutschen Bundesverfassungsgerichts, das vor zwei Monaten eine intensive öffentliche Debatte über den Staatsanleihekauf angemahnt hatte.

Namhafte Ökonomen stellen sich jetzt also mit Überzeugung hinter die höchst erfolgreiche Ankündigung Draghis, die einen Bankensturm verhindert und die Kapitalkosten der Süd-Länder der EU massiv verringert hatte. Sie weisen zugleich darauf hin, dass bisher noch kein Euro für ein Anleihen-Kaufprogramm geflossen sei.

Kritik: Nachlassender Reformdruck und Inflationsgefahr

Ungeachtet dessen gibt es auch viele renommierte Ökonomen unter den Kritikern des Draghi-Kurses. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann etwa spricht von einem Rechtsbruch. Er ist mit anderen der Auffassung, dass solche Riesen-Anleihekaufprogramme ohne vorherige Befragung der Parlamente gar nicht angekündigt werden dürfen.

Die Gegner von Draghis Plänen kritisieren zugleich, dass der Reformdruck in den Schuldenländern deutlich nachgelassen habe. Ebenso weisen sie auf eine latente Inflationsgefahr hin und warnen vor einer Schwächung des Euro gegenüber dem Dollar durch das EZB-Gelddruck-Programm. Dafür gebe es allerdings bisher keine Belege, sagt Stock.

Festhalten an Niedrigzinspolitik wahrscheinlich

«Handelsblatt Online»-Chefredaktor Stock geht davon aus, dass sich der Druck auf die hochverschuldeten Länder vorderhand nicht erhöhen wird. Draghi müsse halt weiterhin zeigen, dass er seine Versprechen halten könne. Als Herr über die Notenpresse habe er die Mittel dazu. «Er kann theoretisch unbegrenzt Geld drucken und damit Staatsanleihen direkt kaufen», sagt Stock.

Draghi macht es im Grunde genommen der US-Zentralbank gleich, die mit ähnlichen Programmen immer wieder Bundesstaaten zugunsten der Konjunkturbelebung unterstützt. Nach Einschätzung von Stock wird die EZB an der Sitzung diese Woche keinen Zinsanstieg verkünden. Dazu sei die Lage in den südlichen Ländern momentan einfach noch zu kritisch. Die Politik des billigen Geldes werde unter diesen Umständen in Europa wohl noch länger anhalten als in den USA.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Die EURO Zone wird es so bald nicht mehr geben können, es passte von anfang an nicht mit diesen verschiedenen Länderung und Lohnverhältnisse, da bringt auch die Euro-Garantie total, überhaupt nichts, dass ist nur heise Luft... Man hatte bei der Einführung ein Fehler gemacht, und will diesen mit allen mitteln bekämpfen, doch führt dies in eine Sackgasse, dass wollen die aber nicht wahr haben, da schon zuviel im System ist. Jeder, der sich auskennt, kann dies bestätigen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Der € ist durch seine Grösse stark und konnte sich auf den Internationalen Märkten etablieren, und, nicht vergessen, der CHF ist an den € angebunden.
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    2. Antwort von Ch. Gerber, Basel
      Herr Planta. Der CHF ist nicht an den EUR gebunden, dass ist Falsch... Es gibt Abhängingkeiten, doch ist dieser nicht gebunden.
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    3. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      @Gerber: "Es gibt Abhängigkeiten, doch ist dieser nicht gebunden" Vielleicht könnten Sie mir diese feinen Unterschiede erklären. "Angebunden" und "Abhängigkeiten" das ist doch hier Jacke wie Hose. Wäre Ihre Kleingeldwährung CHF nicht an den € "angebunden" ginge Ihre CH-Mini-Volkswirtschaft das hohe Risiko ein bachab zu gehen. Wenn das keine Abhängigkeiten sind, fresse ich einen Besen mitsamt Stiel. Im übrigen: Der € ist im übrigen relativ stabil, instabil sind nur die überschuldeten Länder
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Damit ist gleichzeitig auch sichergestellt dass die Zinsen tief bleiben, auch in der Schweiz, wegen des starken Frankens. Ob die Schwemme an billigem Geld gut ist bleibe mal dahingestellt. Und die Frage bleibt auch was es politisch bedeutet wenn die EZB in naher Zukunft indirekt "Mehrheitsgläubiger" eines Staates wird.
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  • Kommentar von M.Meier, Lenzburg
    Klar sind dies Ökonome dafür, dass immer wieder neues Geld gedruckt wird und so munter von den Zockern weitergespielt werden kann. Wenn's dann schief läuft zahlt ja wieder der Staat, resp. wir alle die Zeche. Was wir ja jetzt schon tun mit unseren Spareinlagen. Denn 0,1 % Zins, wenns hoch kommt, langt nicht mal für die Jahresteuerung auszugleichen!
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