Europas Wirtschaft wächst kaum

Die erste Schätzung der europäischen Wirtschaftsleistung für das dritte Quartal fällt nicht so schlecht aus wie befürchtet. Allerdings ist auch kaum Dynamik zu erkennen. Überraschend sind die 0,3 Prozent Wachstum in Frankreich.

Mann steht in einem «Rohbau» eines Flugzeugrumpfs.

Bildlegende: Aribus-Angestellter bei der Fertigung eines Flugzeugs: Europas Wirtschaft stagniert praktisch. Keystone

Europas Wirtschaft wächst weiterhin nur zaghaft. In den 28 Ländern der EU legte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,3 Prozent zu, wie die Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte.

Italien immer noch in der Rezession

In den 18 Ländern der Euro-Zone stieg das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Ökonomen waren davon ausgegangen, dass es wie schon im Frühling nur zu einem Plus von 0,1 Prozent reicht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs das BIP in den Monaten Juli bis September laut Eurostat wie bereits im Quartal zuvor um 0,8 Prozent.

Mit Italien und Zypern stecken immer noch zwei EU-Länder in der Rezession. Deutschland schrammte mit einem Wachstum von 0,1 Prozent knapp daran vorbei. Im Vorjahresvergleich beträgt die Zunahme des deutschen BIP aber immerhin 1,2 Prozent.

Frankreich mit leichtem Wachstum

Überraschend deutlich wuchs die Wirtschaft von Dauersorgenkind Frankreich: Gegenüber dem Vorquartal beträgt die Zunahme des BIP im dritten Quartal 0,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beträgt der Wert 0,4 Prozent.

Allerdings sei das Wachstum in Frankreich fast ausschliesslich auf höhere Staatsausgaben im dritten Quartal zurückzuführen, sagt SRF-Korrespondent Charles Liebherr in Paris. «Gleichzeitig sinken die Investitionen von privater und staatlicher Seite», so Liebherr weiter. Das sei wenig ermutigend. Auch habe sich das Handelsbilanzdefizit weiter vergrössert. «Die französische Wirtschaft scheint alles andere als aus der Krise zu kommen», so sein Fazit.

Rumänien und Polen wachsen am stärksten

Am stärksten in der EU wuchs Rumänien mit einem Plus im Vergleich zum Vorquartal von 1,9 Prozent gefolgt von Polen mit 0,9 Prozent. Die langjährigen Krisenländer Spanien und Griechenland zeigten sich mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,5 beziehungsweise 0,7 Prozent im Verhältnis zum Vorquartal relativ robust.

Griechenland wuchs damit so stark wie kein anderes Land in der Euro-Zone. Seine Wirtschaft dürfte 2014 nach sechs Rezessionsjahren erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission rechnet mit plus 0,6 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte es nach Ansicht der Brüsseler Behörde sogar um knapp 3 Prozent bergauf gehen.

Zwar sei die Wirtschaft in der EU nicht in eine neue Konjunkturkrise abgerutscht, sagt der Friedrich Heinemann. «Es gibt aber auch keine neue Dynamik.» Und eine solche würde die europäische Wirtschaft dringend brauchen, so der deutsche Ökonom. Vor allem die beiden Sorgenkinder Frankreich und Italien kämen nicht vom Fleck: In beiden Ländern dringend nötige Reformen seien entweder erst im Ankündigungsstadium oder hätten noch keine Wirkung entfaltet.

Jahresverlauf besser als gedacht

Insgesamt war die Entwicklung der europäischen Wirtschaft im Verlauf des Jahres etwas besser als gedacht: Eurostat korrigierte die bisherigen Daten für die Euro-Zone für das erste Quartal von 0,2 auf 0,3 Prozent nach oben und für das zweite Quartal von 0 auf 0,1 Prozent.