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Wirtschaft EZB erhöht Strafzins für Banken

Die Europäische Zentralbank erhöht den Strafzins für Bankeinlagen von 0,2 auf 0,3 Prozent. Die umstrittenen Anleihenkäufe werden bis März 2017 verlängert.

Legende: Video EZB belässt Leitzins auf Rekordtief abspielen. Laufzeit 3:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.12.2015.

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt ihren Leitzins im Euroraum auf einem Rekordtief von 0,05 Prozent. Sie erhöht jedoch den Strafzins für Bankeinlagen. Statt 0,2 Prozent müssen Banken nach der Entscheidung des EZB-Rates in Frankfurt künftig 0,3 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken.

EZB-Präsident Mario Draghi kündigte zudem an, die umstrittenen Anleihenkäufe zu verlängern. Das Programm soll nun bis mindestens Ende März 2017 laufen. Bisher war als Endzeitpunkt September 2016 geplant. Derzeit tätigt die EZB Anleihenkäufe im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat. Mit der Verlängerung der Anleihenkäufe wird das bislang angestrebte Volumen von gut 1,1 Billionen Euro wohl überschritten. Laut Draghi sollen künftig neben Staatsanleihen auch Schuldtitel von Kommunen und Regionen erworben werden.

Die Europäische Zentralbank will mit dem Programm das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation anheizen. Im November waren die Preise in der Euro-Zone nur um 0,1 Prozent gestiegen. Die EZB strebt aber als optimalen Wert für die Wirtschaftsentwicklung knapp zwei Prozent an.

Euro legt gegenüber Franken zu

Der Entscheid der EZB hat auch Auswirkungen auf den Euro. Gegenüber dem Franken gewinnt die Gemeinschaftswährung an Wert: Zeitweise stieg der Euro auf bis zu 1.0876 Franken.

Unmittelbar vor dem Entscheid war der Euro zu 1.0803 Franken gehandelt worden. Dass der Euro an Wert gewinnt und nicht verliert impliziert, dass die Anleger wohl mit noch weitergehenden Massnahmen gerechnet hatten.

Kein Kommentar der SNB

Ob die Erhöhung der Strafzinsen der EZB die Geldpolitik der SNB beeinflussen wird, ist unklar. Ein Sprecher der Notenbank wollte sich nicht zu den Beschlüssen der EZB und zu möglichen Interventionen der SNB am Devisenmarkt äussern. Börsianer hatten zuvor spekuliert, die Schritte der EZB könnten dazu führen, dass die SNB die bestehenden Negativzinsen ebenfalls senkt.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind

«Die getroffenen Massnahmen der EZB sind weniger stark als vermutet. Zwar wird der Leitzins für Bankeinlagen um 0.1 Prozent gesenkt, erwartet wurde jedoch eine stärkere Senkung. Auch die Ausweitung des Aufkauf-Programms geht weniger weit. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Eurozone wirtschaftlich besser unterwegs ist. Ansonsten hätte Draghi noch schärfere Massnahmen getroffen. Aber auch die Erwartung, dass die US-Zentralbank die Zinsen senkt, hilft Draghi und der EZB. Die weniger scharfen Massnahmen sind auch einer der Gründe, weshalb der Schweizer Franken gegenüber dem Euro nicht stärker geworden ist. Ich nehme aber auch an, dass die Schweizerische Nationalbank interveniert hat, um Schweizer Franken zu schwächen. Das sieht man an den Kursprüngen um 14 Uhr.»

Enttäuschte Investoren

Der deutsche Aktienindex Dax hat nach der Verlängerung des Anleihekaufprogramms nachgegeben. Einem Händler zufolge war am Markt vermutlich mit einer Aufstockung des Volumens der monatlichen Käufe um mindestens zehn Milliarden Euro gerechnet worden. Entsprechend enttäuscht reagierten die Investoren.

4 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die Massnahmen öffnen die Schere weiter zwischen arm unr reich in Europa, denn kleine Sparguthaben erhalten keine Zinsen mehr, hingegen grosse Vermögen können diversifizieren und derzeit auf dem Aktienmarkt und zunehmend im Immobilienmarkt horrende Gewinne erzielen.
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  • Kommentar von Knie Benjamin (Ben)
    Das mit der Inflation kann die EU den Hühnern erzählen. Wenn in der EU die letzten Jahre die Löhne eher geschrumpft sind und bei wenigen eine Lohnerhöhung von 0.3% bis 0.5% gegeben hat und der Rest stagniert, davon kann man keine Inflation hervorrufen. Das ist für mich alles nur Vorwand aber das weiss die EZB selber Bestens. Die Menschen in der EU haben kein Geld und sie können auch nicht mehr Konsumieren. Diese Politik der EZB ist nur gegen Länder wie die Schweiz und deren Währung gerichtet.
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  • Kommentar von Urs Peter Fischer (fischu)
    Aber auch die Erwartung, dass die US-Zentralbank die Zinsen senkt (sic!), hilft Draghi und der EZB. Frau Fassbind, bitte nochmals durchlesen vor dem Absenden.
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