Internet-Netzwerke Facebook entwirft Sozial-Masterplan

Das Internet-Netzwerk strebt nach einer neuen Rolle: Der Entwicklung einer sozialen Infrastruktur für die Gemeinschaft.

Zuckerberg

Bildlegende: Nächster Fokus von Zuckerberg: Facebook als soziale Infrastruktur für die Gemeinschaft entwickeln. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Facebook-Chef Mark Zuckerberg plant in den nächsten Jahren eine wichtigere Rolle für sein soziales Netzwerk. Im Fokus: Sicherheit, Informationen und Bürgerbeteiligung.
  • Er wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Facebook zum Aufstieg von Donald Trump zum US-Präsidenten beigetragen habe.
  • Zuckerberg zeigt sich besorgt über die Ausbreitung von Fake News und die sogenannte «Filterblase», bei der Nutzern von Software nur Informationen angezeigt werden, die zu ihren Ansichten passen.
  • Die Regeln zur Anzeige von Inhalten im Internet müssten stärker individualisiert werden.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg strebt für das weltgrösste Online-Netzwerk eine noch gewichtigere Rolle in der Gesellschaft an.

«In den vergangenen zehn Jahren war Facebook darauf ausgerichtet, Freunde und Familien zu verbinden. Unser nächster Fokus wird es sein, eine soziale Infrastruktur für die Gemeinschaft zu entwickeln», schrieb Zuckerberg in einem ausführlichen politischen Beitrag. Dabei gehe es unter anderem um Sicherheit, Informationen und Bürgerbeteiligung.

«  Unser nächster Fokus wird es sein, eine soziale Infrastruktur für die Gemeinschaft zu entwickeln. »

Mark Zuckerberg
Facebook-Chef

Es gebe weltweit Menschen, die von der Globalisierung übergangen worden seien, schrieb Zuckerberg. Es gehe nun darum, «ob wir eine globale Gemeinschaft schaffen können, die für alle funktioniert» – und ob die Welt in Zukunft weiterhin näher zusammenrücken werde oder auseinander.

Mit künstlicher Intelligenz gegen Hassreden?

Facebook wurde nach dem US-Präsidentenwahlkampf vorgeworfen, zum Aufstieg von Donald Trump beigetragen zu haben, weil für ihn positive gefälschte Nachrichten sich ungehindert im Netzwerk ausbreiten konnten. Zuckerberg schrieb nun, dass auch er über die Ausbreitung von Fake News und die sogenannte «Filterblase» besorgt sei, bei der Nutzern von Software nur Informationen angezeigt werden, die zu ihren Ansichten passen.

Zugleich sei ein potenziell noch folgenschwerer Effekt, dass in sozialen Netzwerken grundsätzlich einfachere Darstellungen schnellere Verbreitung fänden. «Im schlimmsten Fall werden so komplexe Themen versimpelt und wir hin zu Extremen gedrängt.»

Facebook versuche, das Problem anzugehen. Um etwa die Ausbreitung reisserischer Schlagzeilen zu bremsen, achte Facebook inzwischen auch stärker darauf, ob Nutzer einen Artikel erst teilen, wenn sie ihn gelesen haben. Die Nachrichtenbranche brauche mehr Unterstützung, schrieb Zuckerberg.

Filtern nach Gewalt oder nackter Haut

Der Facebook-Gründer brachte auch die Idee auf, dass Hassreden oder andere verbotene Inhalte mit Hilfe künstlicher Intelligenz entdeckt werden könnten. «Mit dem aktuellen Tempo der Forschung werden wir anfangen können, das für einige dieser Fälle 2017 anzuwenden, für andere wird das noch jahrelang nicht möglich sein.»

Facebook gerät immer wieder in die Kritik, weil die Regeln zum Beispiel gegen Nacktheit in Fotos so angewendet werden, dass Abbildungen von Kunstwerken oder historische Aufnahmen gelöscht werden. «Hier in Kalifornien sind wir nicht in der besten Position, um die kulturellen Normen rund um die Welt zu identifizieren», schrieb Zuckerberg. «Stattdessen brauchen wir ein System, bei dem wir alle zu den Standards beitragen können.»

Die Regeln zur Anzeige von Inhalten müssten stärker individualisiert werden. Die Idee sei, jedem die Möglichkeit zu geben, die Vorgaben für sich selbst zu gestalten, zum Beispiel wenn es um Nacktheit oder Gewaltdarstellung gehe. «Sie entscheiden, was ihre persönlichen Einstellungen sind.» Mit Hilfe künstlicher Intelligenz könnten die Vorgaben dann überwacht werden.