Fall UBS: Falsches Anreizsystem verleitete zu Manipulationen

Fünf Grossbanken haben den Devisenhandel manipuliert. Unter ihnen ist auch die UBS. Sie muss zur Strafe 774 Millionen Franken zahlen. SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann sieht das Problem bei der Kultur, die in den Handelsräumen herrscht.

Eine an einer Pfütze vorbeigehende Frau, in der Pfütze spiegelt sich das UBS-Logo.

Bildlegende: Die Boni der Devisenhändler der UBS waren zum Teil sieben Mal so hoch wie der Lohn. Reuters

SRF: Wie muss man sich diese Devisenmanipulationen vorstellen?

Wirtschaftsredaktor Jan Baumann: Es ist schon erstaunlich, was die Finma da für Missstände aufgedeckt hat. Offenbar haben die Devisenhändler der UBS nicht die Interessen der Kunden an die vorderste Stelle gestellt, sondern ihre eigenen und die ihrer Bank. Das heisst, sie haben Geld gemacht, für sich und für die UBS. Zu diesem Zweck haben sie die Preise im Handel mit den Währungen – also zum Beispiel Euro und Dollar – absichtlich beeinflusst und verfälscht.

Wer hat unter diesen Manipulationen gelitten?

Häufig ging dies auf Kosten einzelner Kunden. Wobei man sich da eher Grosskunden vorstellen muss. Es wird nicht klar aus dem Bericht, ob auch einfache Kunden der Bank zu Schaden gekommen sind.

Wie gross ist die Dimension des Skandals?

Der Devisenhandel ist weltweit der grösste Finanzmarkt überhaupt. Wir sprechen von einem täglichen Handelsvolumen von über fünf Billionen Dollar. Das sind mehr als 5000 Milliarden Dollar täglich. Da genügen schon kleinste Manipulationen, um einen Extragewinn zu erzielen. Wie gross die Summen insgesamt sind, die die Baken sich so erschlichen haben, wissen wir nicht, aber wir haben einen guten Hinweis auf die Dimensionen bei der UBS. Die Finma hat nämlich 134 Millionen Franken Gewinn eingezogen, die sich die Händler mit ihren Tricks erschlichen haben.

Und was hatten die Mitarbeiter für Vorteile aus ihren Machenschaften? Haben sie höhere Boni eingestrichen?

Ja genau. Es geht darum, dass man ein gutes Ergebnis für die Bank erzielt und dann auch einen höheren Bonus bekommt. Im Durchschnitt waren die Boni bei diesen Händlern das Dreifache des Fixlohns, und zum Teil ging das hoch bis zum Siebenfachen. Das ist schon ein grosser Anreiz, um etwas zu manipulieren. Darum sagt die Finma nun auch, diese Boni müssen runter. Sie müssen auf maximal das Doppelte des Fixlohns «gedeckelt» werden.

Es gab zahlreiche Verfehlungen der grossen Banken in den letzten Jahren. Und doch wurden diese Devisenkurse noch bis im letzten Jahr manipuliert. Wie ist das möglich?

Das fragen sich alle, die diese Berichte nun mit Erstaunen lesen. Man kann das eigentlich nur erklären, wenn man die Kultur kennt, die offenbar in diesen Handelsräumen der Banken herrscht. Die Leute sagen sich, wir müssen Geld verdienen. Wir sind nicht da, um die anderen zu kontrollieren. Dann kann es eben sein, dass man sich an diese offiziellen Weisungen und Richtlinien nicht im Detail hält. Dass man einfach schaut, was man rausholen kann.

Was sagt UBS-Chef Sergio Ermotti dazu?

Der ist sehr bemüht, die Wogen zu glätten und den Schaden in Grenzen zu halten. Es laufen ja immer noch Untersuchungen gegen die Grossbank, auch von Seiten der US-Justiz. Da muss man natürlich schauen, dass man mit einem blauen Auge davon kommt, und nicht allzu viel zahlen muss. Noch ist dieser ganze Prozess nicht abgeschlossen. Das könnte also noch teuer werden.

Das Gespräch führte Simon Leu.

Fatales Anreizsystem

Porträt Monika Roth.

Monika Roth ist Professorin für Compliance und Finanzmarktrecht und Studienleiterin am Institut für Finanzdienstleistungen Zug – und Gast im Tagesgespräch. «Spätestens seit der Finanzkrise war klar, wie fatal Anreizsysteme sein können», sagt sie. Es stelle sich die Frage, «ob die neue UBS-Führung weiss, was Sache ist».