Fed schreckt vor eigenem Mut zurück

Die amerikanische Notenbank hat die Anleger bereits auf eine nahende Zinswende vorbereitet. Nach den schwachen Konjunkturdaten im ersten Semester lässt sie alles wieder offen.

Janet Yellen sitzt auf einem Podium an einer Medienkonferenz

Bildlegende: Blick wieder pessimistischer auf die amerikanische Konjunktur: Fed-Chefin Janet Yellen Reuters

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält sich ihre geldpolitischen Optionen weiter offen und lässt so die Finanzmärkte im Unklaren.

Konkrete Hinweise auf den Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise machten die Währungshüter zum Abschluss an ihre zweitägige Sitzung in Washington nicht. Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent. Dort liegt er seit Ende 2008.

Bis sie die Zinsen anhebt, will die Fed weiterhin Fortschritte in Richtung der angestrebten Vollbeschäftigung sehen. Zudem muss sich die Inflation wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent bewegen.

US-Wirtschaft schwächelt überraschen stark

Die Konjunktur stagnierte im ersten Quartal überraschend. Der starke Dollar und die ungewöhnlich kalte Witterung setzten der Wirtschaft zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte aufs Jahr gerechnet lediglich um 0,2 Prozent zu, wie das Handelsministerium in einer ersten Schätzung mitteilte.


Keine Zinserhöhung in den USA

1:36 min, aus HeuteMorgen vom 30.04.2015

Zum Vergleich: Noch im vierten Quartal des letzten Jahres hatte die weltgrösste Volkswirtschaft aufs Jahr gerechnet um 2,2 Prozent zugelegt. Im dritten Quartal wuchs sie sogar mit 5 Prozent.

Einschätzung zur Geldpolitik der US-Notenbank

SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann: «Noch ist es zu früh für eine Zinserhöhung. Denn noch läuft der Motor der weltgrössten Volkswirtschaft zu wenig rund. Das war – wie erwartet – das Fazit der US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. Sie will offenbar zuerst weitere Fortschritte sehen auf dem Weg zur angestrebten Vollbeschäftigung und zu stabilen Preisen. Erst dann wird sie an der Zinsschraube drehen.

Damit bleibt es in der US-Geldpolitik beim bisherigen Szenario: Die meisten Experten erwarten, dass die Notenbank vor Jahresende die Leitzinsen anhebt und damit die Wirtschaft etwas weniger grosszügig mit Geld versorgt. Eilig scheinen es die Währungshüter in Washington dabei aber nicht zu haben. Ein Grund für die gestrige Zurückhaltung der Notenbank dürften die schlechten Wirtschaftsdaten gewesen sein, die nur wenige Stunden vor dem Notenbank-Entscheid eintrafen.

Demnach ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal – aufs Jahr hochgerechnet – lediglich um 0,2 Prozent gewachsen. Das entspricht praktisch einer Stagnation und ist deutlicher weniger als die rund 1 Prozent Wachstum, die von vielen Beobachtern erwartet worden waren. Als Ursache für die Wachstumsschwäche im ersten Quartal gelten das ungewöhnlich kalte Winterwetter, Hafenstreiks und die Dollar-Stärke, die die Exporte verteuert.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • US-Wirtschaft lahmt

    Aus Tagesschau vom 29.4.2015

    In den USA lief die Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich schlechter als erwartet. Das Brutto-Inland-Produkt wuchs von Januar bis März nur um 0,2 Prozent. Einschätzungen von Börsenkorrespondent Jens Korte.