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Wirtschaft Fed schreckt vor eigenem Mut zurück

Die amerikanische Notenbank hat die Anleger bereits auf eine nahende Zinswende vorbereitet. Nach den schwachen Konjunkturdaten im ersten Semester lässt sie alles wieder offen.

Janet Yellen sitzt auf einem Podium an einer Medienkonferenz
Legende: Blick wieder pessimistischer auf die amerikanische Konjunktur: Fed-Chefin Janet Yellen Reuters

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält sich ihre geldpolitischen Optionen weiter offen und lässt so die Finanzmärkte im Unklaren.

Konkrete Hinweise auf den Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise machten die Währungshüter zum Abschluss an ihre zweitägige Sitzung in Washington nicht. Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent. Dort liegt er seit Ende 2008.

Bis sie die Zinsen anhebt, will die Fed weiterhin Fortschritte in Richtung der angestrebten Vollbeschäftigung sehen. Zudem muss sich die Inflation wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent bewegen.

US-Wirtschaft schwächelt überraschen stark

Die Konjunktur stagnierte im ersten Quartal überraschend. Der starke Dollar und die ungewöhnlich kalte Witterung setzten der Wirtschaft zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte aufs Jahr gerechnet lediglich um 0,2 Prozent zu, wie das Handelsministerium in einer ersten Schätzung mitteilte.

Zum Vergleich: Noch im vierten Quartal des letzten Jahres hatte die weltgrösste Volkswirtschaft aufs Jahr gerechnet um 2,2 Prozent zugelegt. Im dritten Quartal wuchs sie sogar mit 5 Prozent.

Einschätzung zur Geldpolitik der US-Notenbank

SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann: «Noch ist es zu früh für eine Zinserhöhung. Denn noch läuft der Motor der weltgrössten Volkswirtschaft zu wenig rund. Das war – wie erwartet – das Fazit der US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. Sie will offenbar zuerst weitere Fortschritte sehen auf dem Weg zur angestrebten Vollbeschäftigung und zu stabilen Preisen. Erst dann wird sie an der Zinsschraube drehen.

Damit bleibt es in der US-Geldpolitik beim bisherigen Szenario: Die meisten Experten erwarten, dass die Notenbank vor Jahresende die Leitzinsen anhebt und damit die Wirtschaft etwas weniger grosszügig mit Geld versorgt. Eilig scheinen es die Währungshüter in Washington dabei aber nicht zu haben. Ein Grund für die gestrige Zurückhaltung der Notenbank dürften die schlechten Wirtschaftsdaten gewesen sein, die nur wenige Stunden vor dem Notenbank-Entscheid eintrafen.

Demnach ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal – aufs Jahr hochgerechnet – lediglich um 0,2 Prozent gewachsen. Das entspricht praktisch einer Stagnation und ist deutlicher weniger als die rund 1 Prozent Wachstum, die von vielen Beobachtern erwartet worden waren. Als Ursache für die Wachstumsschwäche im ersten Quartal gelten das ungewöhnlich kalte Winterwetter, Hafenstreiks und die Dollar-Stärke, die die Exporte verteuert.»

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6 Kommentare

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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Sobald die Zinsen steigen, werden die Banken und Börsen schauen dass die Wirtschaft wieder in die Knie geht! Denn jetzt wissen sie, dass sie auch Geld bekommen mit fast 0 Prozent Zinsen die sie dann zu hoch Zinsen, 10 % bei Kreditkarten aus dem vollen schöpfen können! Einfacher können sie nicht Geld verdienen und die Versicherungen können weitere Senkungen machen bei Lebensversicherungen und Renten!
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  • Kommentar von Herbert Hegner, 8856 Tuggen
    Wieso spricht wieder einmal niemand die Wahrheit aus? Niemand könnte mehr die Zinsen bezahlen. Die Zinsen können bis zum Reset des Finanzsystems (mit Einführung neuer Währungen ohne Bargeld, denn das ist das Ziel) nicht mehr oder nur marginal steigen. Das ist reine Mathematik. Die Zinseszinskurve ist mittlerweile senkrecht. Die neuen Schulden werden nun vollständig gebraucht, um die Zinszahlungen zu leisten. Steigen sie nun auch nur aufs Doppelte, bricht das System zusammen. Endlich.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Solange die Menschen ihr Konsumverhalten nicht ändern, wird sich das System Kapitalismus halten. Das soziale Verhalten der Bürger (Kauf bestimmter Markenprodukte) begünstigt das Entstehen von Reichen und Superreichen. Ein erheblicher Anteil der Einkommen wird für Luxusgüter ausgegeben. Ich möchte mich auch nicht davon ausschliessen, bin Teil des Systems. Die Folge davon ist, dass ein grosser Teil der Bewohner der 2. und 3. Welt darunter leidet, sie und ihre Länder ausgebeutet werden.
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