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Finanzierung mit Digitalgeld Millionen generieren mit Bitcoin und Co.

Immer mehr Firmen greifen zur Finanzierung auf ein sogenanntes ICO zurück. Sie möchten auf digitalen Geldern aufbauen. Der Markt mit den Kryptowährungen wächst und wächst – und die Schweiz spielt vorne mit.

Legende: Video FOKUS: Schweizer Start-Ups setzen auf Kryptowährungen abspielen. Laufzeit 5:10 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.01.2018.

Der Bitcoin dominiert die Schlagzeilen: Kaum ein Phänomen trieb die Finanzwelt in den letzten Wochen so sehr um wie die digitale Währung. Doch der Bitcoin ist nur eine von weit über 1000 sogenannten Kryptowährungen. Die neuartigen digitalen Zahlungsmittel inspirieren viele Jungunternehmer. Möchten sie ihre Firmen finanzieren, zählen sie nicht mehr nur auf herkömmliche Risikokapitalgeber, sondern auf Kryptowährungen.

20-mal mehr als im Vorjahr

Bei einem ICO veröffentlicht ein Unternehmen im Internet seine Geschäftsidee. Investoren überweisen Geld – nicht Franken oder Dollar, sondern sogenannte Kryptowährungen, wie Bitcoin oder Ethereum. Im Gegenzug erhalten die Investoren eine von der Firma geschaffene Kryptowährung. Diese kann etwa als Zahlungsmittel für Produkte der Firma dienen, oder als Anteil: dann sind die Investoren ähnlich einer Aktie am Unternehmen beteiligt. Die Jungfirmen wiederum verkaufen die erhaltenen Bitcoins und erhalten dafür herkömmliches Geld, mit dem sie ihr Geschäft vorantreiben können.

Der ICO-Markt wächst rasant: Eine Studie des Beratungskonzerns PWC zeigt, dass Unternehmen im letzten Jahr bis Ende November 4.6 Milliarden Dollar über ein ICO einnehmen konnten. Im gesamten Vorjahr waren es noch 236 Millionen, 2015 gar nur 10.5 Millionen. Nicht nur die Kapitalsumme nimmt zu, sondern auch die Anzahl der Firmen, die ein ICO wagen: So gaben 438 Unternehmen digitale Münzen heraus – gut achtmal so viele wie 2016.

Legende:
Volumen von ICO Der Markt boomt: bis Ende November 2017 spülten ICO weltweit 4.6 Milliarden US-Dollar in die Firmenkassen – fast zwanzig Mal mehr als im Vorjahr. PWC

Die Schweiz spielt ganz vorne mit

Überzeugt das Produkt, lässt sich mit einem ICO viel Geld auftreiben. Sieben Konzerne konnten so bisher mehr als 100 Millionen Dollar beschaffen. Das weckt Interesse – gerade auch in der Schweiz. In kaum einem anderen Land setzen Jungunternehmer so sehr auf die Karte ICO: vier der zehn grössten ICO kamen von Schweizer Betrieben.

Die zehn grössten ICO nach Kapitalsumme

Filecoin
257 Mio. Dollar
USA
Tezos
238.1 Mio. DollarSchweiz
EOS159.2 Mio. DollarUSA
Bancor156.6 Mio. DollarSchweiz
Polkadot145.2 Mio. DollarDeutschland
The DAO
142.5 Mio. DollarSchweiz
QASH106.4 Mio. DollarSingapur
Kin Kik
97.5 Mio. DollarKanada
Comsa95.4 Mio. DollarJapan
Status95 Mio. DollarSchweiz

Achtung, Fake!

Dieser Hype lockt aber auch Betrüger und Geldwäscher an. Fragwürdige Beispiele sind bekannt, wie etwa der Verein Quid Pro Quo. Er lancierte «E-Coin», eine angebliche Kryptowährung – dabei handelte es sich jedoch um einen Fake, der Verein handelte in betrügerischer Absicht. Die Finanzmarktaufsicht Finma intervenierte und stoppte den Handel. Vier Millionen Franken hatte sich Quid Pro Quo erschlichen.

Noch weiter ging die chinesische Zentralbank: Sie hat im September die Kapitalbeschaffung via ICO verboten. Das möchte der Schweizer Gesetzgeber nicht, der Markt wird bisher nicht streng reguliert. Aber auch hierzulande unterstehen ICO den üblichen Gesetzen. Die Finma schreibt: «Wenn [die Finma] Hinweise hat, dass gegen die Finanzmarktgesetze verstossen wird, geht sie diesen nach und zieht – wenn nötig – die Gesellschaften aus dem Verkehr. Ausserdem konkretisiert die Finma derzeit ihre Praxis bezüglich ICOs».

15 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Bis die Finma merkt dass etwas schief läuft, sind schon viele Millionen verloren. Bitcoin sollte nur über eine Nationalbank laufen, damit überhaupt ein Ueberblick über diese Währung möglich ist. Es sollte nicht X Bitcoins Zahlungsmittelfirmen geben, sondern nur eine, aber Seriöse, sonst geht der ganze Ueberblick verloren. Ich habe das Gefühl, dass sich viele zustark aus dem Fenster lehnen.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Klingt auf Anhieb wie so was wie der WIR-Ring..., den es übrigens schon länger gibt.
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    1. Antwort von R. Glättli (R. Maier-G.)
      War auch mein erster Gedanke! Und ich kenne niemanden aus meinem (beruflichen) Umfeld, der positiv über WIR spricht, weil der Verlust zu gross ist! 10 und mehr Prozent gehen pro CHF verloren! Wer finanziert dies wohl?? Und trotzdem gibt es diese (für uns) unsinnige Währung immer noch! Irgendwer muss daran verdienen.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die Nachfrage nach Kryptowährungen, die die Privatsphäre schützen, hat zuletzt stark zugenommen. Dies zeigen die massiven Preisanstiege von Dash, Monero und Verge im Jahresverlauf 2017, die um ein Vielfaches höher ausfielen als bei Bitcoin. Auch die Behörden weltweit haben erkannt, dass die Kryptowährungen zum Schutz der Privatsphäre an Verbreitung gewinnen. Wie anfangs vor Bitcoin warnen sie nun vor den Privacy Coins, weil Kriminelle damit ihre Identität verbergen können. Das! ist der Punkt.
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