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Wirtschaft «Firmen denken eher an Entlassungen als Neueinstellungen»

Die aktuelle Erhöhung der Arbeitslosenzahlen lässt sich vor allem durch saisonale Bedingungen erklären. Der hohe Gesamtbestand an Arbeitslosen ist hingegen auf die allgemeine Wirtschaftslage zurückzuführen. Dies wird vorerst so bleiben, denn die Unternehmen sind vorsichtig.

Legende: Video KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm über die Arbeitsmarktsituation abspielen. Laufzeit 3:40 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.11.2015.

Von den 3000 im Oktober neu dazu gestossenen Arbeitslosen haben rund 2500 ihre Stelle auf Grund saisonaler Effekte verloren. «Paradebeispiele dafür sind die Hotel- und Gastronomiebranche, da sich diese in der Zwischensaison befinden», erklärt Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Die Baubranche gehöre ebenfalls dazu, allerdings konnte auf Grund der guten Witterung im Herbst viel gearbeitet werden.

Dennoch gibt es auf der einen Seite einen Fachkräftemangel, andererseits auch offene Stellen. «Es gibt ein Mismatch: Leute die gerade ihre Stelle verlieren, können in anderen Bereichen nicht arbeiten.» Paradebeispiel für Sturm ist hier die Textilindustrie. Als exportorientierte Branche, welche unter der Frankenstärke leidet, werden hier Jobs abgebaut. «Ob eine Person aus dem Textilsektor in einer Wachstumsbranche wie dem Gesundheitssektor gebraucht werden kann, ist unklar.»

Flexibilität als Basis

Ein genaues Mittel gegen dieses Problem hat Jan-Egbert Sturm auch nicht. «Man muss sich heutzutage flexibel aufstellen können.» Im internationalen Vergleich stehe die Schweiz weiterhin gut da. Einheimische Firmen hingegen denken laut Sturm eher an den Stellenabbau als auf den Stellenaufbau. «Die Tendenz in den nächsten Monaten ist wahrscheinlich eine leichte Verschlechterung des Arbeitsmarkts.» Deshalb würden auch viele Unternehmen temporäre Arbeit fördern.

Dass sich das Verhalten der Firmen verändert hat, sieht auch Tino Senoner von der Schweizerischen Stiftung für Arbeit und Weiterbildung: «Mittlerweile werden nur noch Leute gesucht, die sofort einsetzbar sind. Diese Entwicklung wurde in den letzten zehn Jahren massiv beschleunigt.» Er sieht heutzutage neben der ständigen Arbeitsverfügbarkeit noch eine zweite Herausforderung für Arbeitnehmer: «Sie müssen schauen, dass die Firmen von dieser Verfügbarkeit wissen.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von gabi bossert (goba)
    Und das brav arbeitende Volk mit Lohnsteuerkarte und äusserstem Verständnis für die Grossunternehmerschaft, hat mit bibbernden Knien sämtliche Unternehmensprivilegien unterstützt für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Wirtschaft hat aber nichts mit Moral zu tun, sondern mit Finanzen. Und dabei kümmert es natürlich das Unternehmen wenig, wenn sie hier und da Hunderte Angestellte entlassen müssen. Sie müssen eben, weil sie in dem schrecklichen Europa günstigere Produktionskosten vorfinden.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Nun sehen wir die ersten Auswirkungen einer fehlgeleiteten Politik! Die intern. Firmen sind u.a. durch die MEI in einer strategischen Unsicherheit gelandet. Da entscheidet man sich gegen den Standort CH, weil uns mehr Abschottung & politische Konstellationen die Prosperität zu dämpfen droht. Es sind eben nicht die Ausländer die unseren Wohlstand kaputt regulieren, WIR sind es. Und dazu gehört auch eine MEI, auch wenn dies für viele Hardliner schmerzlich sein dürfte. Jubel weicht Ernüchterung!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      P.S. Jubel weicht Ernüchterung ist ironisch zu verstehen!
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Eine jederzeitige Verfügbarkeit wird schon lange gewünscht und gefordert aus der Wirtschaft - jetzt wird die Gelegenheit benützt - und die Schuld dem "Franken" in die Schuhe geschoben, obwohl jeder weiss, dass das sinkende Wachstum in Asien einen mehrfach höheren Effekt hat als der überbewertete Schweizer Franken. Die Wirtschaft will möglichst eine grosse auswahl an Arbeitskräften - an den Kosten der Arbeitslosigkeit hingegen beteiligt sie sich nur ungenügend.
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