Fleisch-Fachverband fordert härtere Strafen für Schmuggler

1,3 Milliarden Franken wurde von Schweizerinnen und Schweizer im vergangenen Jahr für Fleisch im Ausland ausgegeben – dieses Jahr dürfte es noch mehr sein. Direktor des Fleisch-Fachverbands, Ruedi Hadorn ahnt, dass längst nicht alles für den Eigengebrauch erworben wurde und fordert nun Massnahmen.

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Interview mit Ruedi Hadorn

2:05 min, vom 29.4.2015

Ein Kilo pro Woche. So viel Fleisch konsumierten Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf im vergangenen Jahr. Das ist eine Steigerung um fast ein Prozent. Dies gab der Schweizer Fleisch-Fachverband (FFS) an seiner heutigen Jahresmedienkonferenz bekannt. Der oft erwähnte Vegi-Trend scheint sich in der Statistik also noch nicht durchzuschlagen. Eigentlich sollten diese Zahlen den FFS zufrieden stimmen, doch Direktor Ruedi Hadorn gibt sich besorgt.

Jüngsten Schätzungen zufolge haben Schweizer 2014 nämlich Fleisch im Wert von rund 1,3 Milliarden Franken im Ausland eingekauft. Jeder Reisende darf dank der seit Juli geltenden Zollordnung unbegrenzt Fleisch importieren. Ein Kilo ist zollfrei, jedes weitere Kilo muss mit 17 Franken verzollt werden. Hadorn ist überzeugt, dass durch die neue Regelung Anreize geschaffen wurden, die den Schmuggel und den Einkaufstourismus begünstigen.

Missbrauch der neuen Regelung

Rund 12 Prozent des gesamten Fleischkonsums wurde letztes Jahr gemäss Ruedi Hadorn im Ausland bezogen. Die neue Regelung habe den Einkaufstourismus noch einmal stark verstärkt und der momentan starke Franken schaffe diesem Problem auch keine Abhilfe.

Die seit Juli geltende Zollordnung sei geschaffen worden, damit Private für den Eigengebrauch günstiger Fleisch erwerben können. Diese Regelung werde gemäss Hadorn aber missbraucht. Vereine oder andere private Organisationen könnten bei der geltenden Regelung uneingeschränkt Fleisch für ihre Zwecke importieren. Die Zollbestimmung gelte aber strikt «für den eigenen Gebrauch und nicht für grössere Anlässe».

Härtere Strafen und mehr Kontrolle

Der Fleischfachverband fordert aufgrund der Missstände eine Limite für den Import und Strafen in «abschreckender» Höhe für Schmuggler. Rückenwind erhält die Fleischbranche vom Parlament. National- und Ständerat haben in der Frühjahrssession eine Motion von CVP-Ständerat Ivo Bischofberger (AI) angenommen, um den Import zu beschränken. Private sollen demnach nur noch zwischen drei und fünf Kilo pro Person und Tag über die Grenze nehmen dürfen.

Ruedi Hadorn und der FFS fordern nun eine rasche Umsetzung des Parlamentsbeschlusses. Der Bundesrat hält eine neue Zollregelung jedoch vorerst für unnötig. Denn das Hauptproblem liege nicht bei den Zollbestimmungen des letzten Sommers, sondern beim Schmuggel. Dieser müsse mit verschärften Grenzkontrollen bekämpft werden und nicht mit neuen Regeln.

Sendebezug: Tagesschau 12:45; 29.4.2015

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Fleischimport ein Dorn im Auge

    Aus Tagesschau vom 29.4.2015

    Im 2014 wurde für schätzungsweise 1,3 Milliarden Franken Fleisch im Ausland eingekauft. Der Schweizer Fleischfachverband fordert nun ein Limit für den Import und härtere Strafen gegen Schmuggler. Das Parlament unterstützt die Forderung.