Flucht aus Anleihen lässt Zinsen steigen

Viele Anleger fürchten, dass die Notenbank der USA ihre Geldpolitik strafft und damit als Käufer von Anleihen ausfällt. Investoren trennen sich deshalb von ihren Bonds und die vermeintlich sicheren Anlagen geraten ins Wanken.

Es war das schlechteste halbe Jahr seit fast 20 Jahren für all diejenigen, die in Anleihen investiert haben. Diese sogenannt festverzinslichen Wertpapiere oder Bonds gelten grundsätzlich als sicher und stabil. In den letzten Wochen brachen sie aber kräftig ein. Solch heftige Bewegungen sind selten und nicht ohne Folgen für die gesamte Wirtschaft.

Händler an der New Yorker Börse verkaufen Anleihen.

Bildlegende: Nach Bernankes Ankündigung stossen Investoren an der Wall Street ihre Anleihen ab. Keystone

Es sei schon speziell, was auf den Bondmärkten in den letzten Wochen passiert sei, sagen diverse Finanzexperten – unter anderen auch Enzo Puntillo von Swiss & Global Asset Management: Dreissigjährige Staatsanleihen mit Inflationsschutz in den USA seien um 25 Prozent gefallen, erklärt er gegenüber SRF. Auch die Schweizer Staatsanleihe habe in den letzten eineinhalb Monaten fast fünf Prozent verloren.

Für die Bondmärkte und deren übliche Schwankungsbreiten, sei das ungewöhnlich viel, sagt auch Benedict Götte von der Compass Capital. Er sieht das Problem bei den Notenbanken. Sie beeinflussten diesen Markt seit längerem künstlich, indem sie selber Staatsanleihen kauften.

Als US-Notenbankchef Ben Bernanke vor rund zehn Tagen erklärte, dass er eine Änderung der Zinspolitik in Betracht ziehe, führte dies zu den vielen Verkäufen. Es hatte aber auch noch einen anderen Effekt: Verunsicherung. Götte erwähnt als Beispiel einen Twitter-Eintrag des Managers von Pimco, dem grössten Anleihenfonds. «Er schrieb: ‹Herr Bernanke fährt offensichtlich im Nebel›, das heisst, der US-Notenbankchef weiss nicht so genau, was er tut.»

Solche Unsicherheit lösen Ängste aus. Noch nie haben ausländische Zentralbanken innerhalb einer Woche so viele US-Staatsanleihen abgestossen. Auf diese Weise entstanden die ersten Korrekturen. Es gibt Vermutungen, dass Ben Bernanke eine Art Blase, die im Entstehen war, vorzeitig stoppen wollte. Die Reaktionen der Investoren seien wirklich heftig gewesen, findet auch Christan Fischer von Independet Credit View. «Die Angst vor einem Liquiditätsentzug ist wieder allgegenwärtig. Man kann es auch ein bisschen vergleichen mit einem Drogensüchtigen: Wenn man dem seinen Stoff entzieht, geht es ihm auch nicht mehr gut.»

Wenn so viele Anleihen verkauft werden, steigt das Risiko und somit die Risikoprämie – also der Zins steigt. Das wiederum hat Folgen für die gesamte Wirtschaft. Bereits gab es weltweit Anzeichen für steigende Zinsen – auch in der Schweiz: Einige Unternehmer spürten wieder vermehrt, wie die Banken bei der Vergabe von Krediten zögern. Zudem sind die Preise bei Festhypotheken gestiegen. Dennoch erwarten die Experten, dass diesem Schock wieder eine Beruhigung folgt.

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