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Wirtschaft Flutung mit Geld stösst an Grenzen

Die europäische Wirtschaftsleistung hat wieder das Niveau von vor der Finanzkrise 2008/2009 erreicht. Trotzdem sei es noch zu früh, um aufzuatmen, warnt das Institut «Independent Credit View». Einige EU-Länder hinkten zu stark hinter den Leader-Staaten hinterher.

Luftaufnahme: Modernes, spiegelndes Hochhaus an einem Fluss, im Hintergrund die Skyline von Frankfurt.
Legende: Die EZB (hier der Hauptsitz in Frankfurt) flutet die Märkte mit Euro. In der realen Wirtschaft kommt das Geld kaum an. Getty Images

Europas Wirtschaft läuft nicht allzu schlecht. Zu diesem Schluss kommt René Hermann, Forschungsleiter von «Independent Credit View» (ICV). Das Institut beurteilt regelmässig die Kreditwürdigkeit von Ländern. Hermann ist Hauptautor des jüngsten ICV-Länderberichts, in dem er die finanzielle Gesundheit von 50 Staaten beleuchtet.

Grosse Unterschiede

Dennoch ist er nicht zufrieden mit dem Gesundheitszustand der Wirtschaft in der EU. «Die Peripheriestaaten wie Portugal oder Griechenland sind noch weit unter dem Stand von vor der Krise», so Hermann. Dagegen hätten die EU-Zentrumsstaaten wie Deutschland und Frankreich den Vorkrisenzustand schon vor längerer Zeit wieder erreicht.

Dass die starken und die schwachen EU-Länder so weit auseinander liegen, bereitet dem ICV-Forschungsleiter Sorgen. Das Problem liege in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB: Diese flutet die Märkte zwar mit Liquidität, doch dieses Geld kommt nicht wie erhofft in der Realwirtschaft an.

Nun ist die Politik gefragt

Trotz der Liquidität vergeben die Banken also nicht vermehrt Kredite an Unternehmen, wie von der EZB erhofft. Hinzu kommt, dass sich die Firmen vor Investitionen scheuen, ihre Fabriken also nicht ausbauen und keine neuen Arbeitsplätze schaffen. Sie glauben offensichtlich zu wenig daran, dass ihr Geschäft wieder in Schwung kommt und sich so ihre Investitionen schon bald auszahlen könnten.

Für Hermann ist deshalb klar: Die Geldpolitik der EZB stösst an ihre Grenzen. Wenn die Konjunktur in Europa wieder in Schwung kommen soll, müsse nun die Politik das Zepter übernehmen. Der Fachmann plädiert für harte Strukturreformen, etwa um die vielerorts geschwächte Bankenbranche wieder auf Vordermann zu bringen.

Irland und Island als Vorbilder

Dabei verweist Hermann auf Länder wie Irland und Island, die mit ihren Bankenproblemen sehr konkret und effizient umgegangen seien: «Die können sich viele Länder zum Vorbild nehmen.» Irland und Island hätten es mit eiserner Hand und grosser Disziplin – «und ohne expansive Geldpolitik» – geschafft, wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Stellt sich nur die Frage, ob diesem Beispiel andere EU-Länder tatsächlich folgen können. «Für einige Länder ist es nach wie vor noch nicht zu spät», schätzt Hermann die Lage ein. Für Länder wie Portugal oder Griechenland dürfte es wegen dem «Korsett der Währungsunion» aber schwierig werden.

Schuldenschnitt unausweichlich?

Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Euro für Portugal und Griechenland, die beide Mitglied der Währungsunion sind, eigentlich zu stark ist. Deshalb könnten sie kaum aus eigener Kraft wieder zu wirtschaftlicher Prosperität zurückfinden, so Hermann.

Die Hilfe für Portugal und Griechenland müsse jedoch von der Politik kommen, nicht von der EZB, ist Hermann überzeugt: Früher oder später müsse sich die europäische Politik dazu durchringen, den beiden Ländern einen Teil der Schulden zu erlassen. Doch ein solcher Schuldenschnitt ist politisch höchst umstritten und lässt entsprechend weiter auf sich warten.

Erst wenn diese Probleme gelöst sind, kann die europäische Wirtschaft wohl wieder richtig in Fahrt kommen.

19 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Dragi wird das ganze Geld, seine Milliarden, ja irgendwie wieder aus dem "Handel" abziehen müssen. Ich bin gespannt was das wieder für Folgen haben wird. Es gibt nur noch eine Wahrheit: Die spinnen, die Deutschen!!!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Seit wann ist Draghi deutsch? ;-)) Ich gehe allerdings davon aus dass die expansive Geldpolitik unumkehrbar ist, d.h. die Notenbank kann dieses Geld grundsätzlich nie mehr aus dem Markt nehmen.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Dass ich nicht lache, die Politik sei gefragt, ausgerechnet Politiker, welche keine Ahnung haben, was in der Welt vor sich geht und in den obersten Gremien sitzen um ende Jahr Tatiemen einzustreichen. Es graut mir, wenn ich sehe was aus unserer Erde geschieht.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich glaube ich verstehe Ihre Skepsis, trotzdem bin ich der Meinung dass dieser Fachmann recht hat. Das Geld müsste investiert werden, z.B. in verbesserte Infrastrukturen etc. und wenn die Privatwirtschaft das wegen der Skepsis für die Zukunft nicht tut, dann muss die Politik es tun.
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    2. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Reuteler: Warum sollte das Geld für unnötige Dinge investiert werden.Die meisten EU-Menschen wollen kein weiteres grenzenloses Wachstum mehr. Diese Menschen haben recht, denn es wäre an der Zeit, dass eine Kehrtwende zu mehr "Mensch" statt zu mehr "Profit" eingeleitet würde. Aber eben, es sind diese Globalisierer, die einfach nicht einsehen, dass man das was sie machen nicht gut findet. Sie meinen immer noch, dass sie den "Gegnern" einfach noch nicht richtig erklären konnten, was sie meinen.
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Nach dem Motto jeder soll sich alles leisten können, wollte die Politik den real funktionierenden Sozialismus aufbauen. Da sagten die Banken händereibend, da bieten wir doch unsere Hand zur Umsetzung und schmeissen dem Volk das Geld entgegen und schaffen die Gegenwerte. Die Nationalbanken liessen sich nicht lumpen und druckten das entsprechende Geld. Alles Schall und Rauch, denn die Gegenwerte schrumpften zusammen wie altes Brot.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Das ist klar, der Finanzsektor hat noch nie Wertschöpfung erzielt und wird dies auch nie können. Wenn sich "die da oben" von dieser Utopie/Illusion befreien, wird vieles besser.
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