Frankenkurs: Irritation bei den Händlern

Die Devisenmärkte wurden von der Aufgabe des Mindestkurses von 1.20 Franken zum Euro überrumpelt. Viele Händler sehen die Glaubwürdigkeit der Nationalbank angegriffen.

Der Kurs des Euro zum Schweizer Franken ist nach der Freigabe des jahrelang geltenden Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) zwischenzeitlich unter die Parität gefallen. Die Händler am Devisenmarkt zeigen sich von der Massnahme überrascht und fürchten um die Glaubwürdigkeit der Notenbank.

Auch der US-Dollar hat sich gegenüber der Schweizer Währung verbilligt. Mit der Mindestkurs-Freigabe ist er von rund 1.02 Franken kurzfristig auf 70 Rappen gefallen. Anschliessend stieg er wieder ein bisschen an.

UBS: «starke Medizin»

Die Aufhebung des Mindestkurses durch die SNB ist nach Ansicht des UBS-Chefökonoms Schweiz Daniel Kalt eine Überraschung. «Das haben wir so nicht erwartet. Ich stehe unter Schock. Das ist starke Medizin», sagte er am Donnerstag in einer ersten Reaktion.

«  Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende »

Daniel Kalt
UBS-Chefökonom

Europa habe die Hausaufgaben aus der Schuldenkrise nicht gemacht, sagte Kalt kurz nach der Ankündigung durch die SNB im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda: Die SNB hätte die Mindestkurspolitik viel länger durchziehen und ihre Bilanz viel weiter aufblähen müssen, als sie ursprünglich gedacht habe. «Darum hat sich die SNB gesagt: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.»

Ein Faktor hinter der Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Fr. zum Euro sei die Schwäche des Frankens gegenüber dem Dollar. Diese habe der Schweizer Exportwirtschaft deutlich günstigere Wechselkursbedingungen vor allem im Dollar-Raum beschert. «Vor diesem Hintergrund hat sich die SNB gesagt, dass sie den Schritt wagen kann», sagte Kalt.

Starke Binnenkonjunktur

Die Schweizer Exportwirtschaft habe in den letzten Jahren gezeigt, dass sie sich hervorragend an einen stärkeren Franken anpassen kann. Sie habe an ihren Strukturen und an ihrer Effizienz gearbeitet. «Die Schweizer Wirtschaft ist gut aufgestellt. Wir haben eine starke Binnenkonjunktur», sagte Kalt. Für Exporteure, die schwergewichtig im Euro-Raum sind, wird die Aufhebung der Mindestgrenze allerdings das Geschäften schwerer machen. «Man kann erwarten, dass man Bremsspuren in der Schweizer Wirtschaft sehen wird», sagte Kalt. Der Chief Investment Officer der UBS bezifferte die negativen Folgen auf die Exportwirtschaft auf rund 5 Milliarden Franken. Dies entspreche 0.7 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

VP Bank: Glaubwürdigkeit auf dem Spiel

Die SNB beuge sich dem Marktdruck, setze aber einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel, hiess es bei der VP Bank. Die Interventionen der vergangenen Wochen seien für die Währungshüter wohl zu viel gewesen. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses sei an punktuelle Interventionen gedacht worden, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet sei, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.

JP Morgan: Entscheid gegen geordneten Rückzug

Analysten der US-Bank JP Morgan zeigten sich überrascht, dass sich die SNB «gegen einen geordneten Rückzug» entschieden und damit dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen habe. «Das ist zwar die sauberste Option – alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden», so die Analysten von JP Morgan. Aber es sei auch die Option mit dem grössten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken. JP Morgan sieht diesen bei etwa 1.10 Franken.

Einen neuen Mindestkurs werde es wohl nicht mehr geben, kommentierte ein Devisenanalyst der deutschen Helaba. Die Marktteilnehmer würden wohl kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten werde. «Der Euro-Franken-Kurs wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen», so die Schlussfolgerung.