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Frauen in Verwaltungsräten «Schweizer wollen keine Quote»

Legende: Audio Frauenquote für Verwaltungsräten ist umstritten abspielen.
4:07 min, aus SRF 4 News aktuell vom 19.02.2018.

Braucht es mehr Frauen in den Verwaltungs-Räten von Schweizer Firmen? Diese Frage hat eine neue Studie des Beratungsunternehmens Deloitte und der Hochschule Luzern an 450 Verwaltungsrätinnen und -räte gestellt.

Das Fazit: Fast zwei Drittel begrüssen einen höheren Frauen-Anteil in Verwaltungsräten. Jedoch erachtet eine grosse Mehrheit von 91 Prozent der Befragten eine Geschlechterquote als nicht zielführend.

Reto Savoia, stellvertretender CEO von Deloitte Schweiz und Mitautor der Studie, fordert die Wirtschaft zu mehr Eigenverantwortung auf.

SRF News: Wollen die Verwaltungsräte einen höheren Frauenanteil?

Reto Savoia: Zwei Drittel der Verwaltungsräte sagen, dass sie einen höheren Frauenanteil begrüsse würden. Gleichzeitig sagen aber auch sechs von zehn Verwaltungsräten, dass ein höherer Frauenanteil für sie keine Priorität hat. Es ist ein gewisser Widerspruch. Auf der einen Seite weiss man, dass es wohl Sinn macht, den Frauenanteil zu erhöhen, auf der anderen Seite macht man es zu keiner Priorität.

Dies liegt auch daran, dass momentan andere Elemente der Diversität Priorität haben, wie zum Beispiel Kompetenzen im Bereich Cyber oder der Digitalisierung.

SRF News: Wir können noch weiter gehen. 9 von 10 Verwaltungsräte wollen keine Frauen-Quote. Warum nicht?

Wenn man es positiv sehen will, kann man sagen, dass mehr Vielfalt bei den Verwaltungsräten sehr willkommen ist. Drei Viertel sind der Meinung, die Vielfalt soll erhöht werden. Man ist aber in der Schweiz generell sehr skeptisch gegenüber Quoten. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen ist man gegenüber Regulierungen und staatlichem Zwang kritisch eingestellt.

In der Schweiz ist man generell skeptisch gegenüber Quoten.

SRF News: Sie machen Ihre Umfrage halbjährlich. Denken Sie, dass Ihre Umfrage in einem halben Jahr anders aussieht?

Es wäre schön, doch es wäre vermessen zu denken, dass es in einem halben Jahr schon anders aussieht. So etwas braucht immer eine gewisse Vorlaufszeit. Ich hoffe aber, dass wir dazu beitragen können, die Diskussion weiter voranzutreiben.

Denn wenn man schon keine staatliche Quote will, müssen die Unternehmen selber Verantwortung übernehmen. Denn alle Untersuchungen zeigen, dass eine diversifizierte Gruppe Probleme besser lösen kann. Dazu gehört auch die Geschlechter-Diversität.

Alle Untersuchungen zeigen, dass eine diversifizierte Gruppe Probleme besser lösen kann

Ich hoffe sehr, dass wir einen Denkanstoss geben können, damit es zu mehr als Lippenbekenntnissen kommt. Wenn die Wirtschaft darauf wartet, bis der Staat die Infrastruktur bereitstellt, warten wir zu lange. Dann besteht die Gefahr, dass eine Umfrage in zwei Jahren wieder genau gleich aussieht. Es liegt jetzt an der Wirtschaft, den Worten Taten folgen zu lassen.

Das Gespräch führte Dario Pelosi.

swissVR Monitor I/2018

Die dritte Ausgabe des swissVR Monitor basiert auf den Antworten von 448 Mitgliedern von Verwaltungsräten in der Schweiz. Fokusthema in der vorliegenden Umfrage ist die Zusammensetzung des Verwaltungsrates und dessen Diversität.

39 Kommentare

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  • Kommentar von Wolle Lilanussini LaBrö (Wolle Lilanussini LaBrö)
    Eine Quote könnte helfen, dass eine solche Position kein Verschleiß mehr sein muss? Eine Frauenquote ist längst überfällig, damit das "Beste" endlich auch von Frauen mitdefiniert werden kann. Verständlich, dass das bei der Mehrheit der Männer Existenzängste auslöst. Aber darauf können wir nun keine Rücksicht mehr nehmen.
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    1. Antwort von Margrit Kappeler (margritkappeler)
      Genau solche Visionen haben viele Frauen, darum bleiben sie auf der Strecke!
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  • Kommentar von Margrit Kappeler (margritkappeler)
    Und überhaupt, sehr viele gescheite Frauen haben andere Ideologien, als ihren Körper durch den Stress in "solchen" Positionen zu verschleissen.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Es macht den Anschein, Frau Kappeler, manche Frau geht eigene Wege. Auf der Weltbühne sind es fast ausschliesslich 'Gruppenbilder mit Herren'. Ich stelle fest, Frauen sind daran, Wesentliches zum Aufbau einer egalitären Welt zu leisten. 0815 Medien wagen kaum, eigenständig von Frauen mit Format zu berichten. zb: von der Senatorin Elizabeth Warren, einer mutigen, fähigen Politikerin. Es gibt manche kluge Frauen, von denen unabhängig, wer jetzt gerade am lautesten herumgröhlt, zu berichten wäre.
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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Also eigentlich ist der Titel ja falsch. Es sind nicht "die Schweizer" die keine Quote wollen, sondern die Verwaltungsräte von Schweizer Firmen. Es sind nicht einmal die Schweizer Verwaltungsräte. Dass die Verwaltungsräte keine Quoten wollen ist ja klar. Sie wollen auch keine Kontrolle der Boni, keine Offenlegung der Honorare etc. Einfach nichts, das potentiell unbequem oder Transparenz fördernd ist. Hat aber nichts damit zu tun was die Schweizerinnen und Schweizer wollen.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Herr Müller, genau. Schön, dass Sie so genau nehmen. Frau lernt nie aus. Danke.
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    2. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      Wir sehen ja, wohin die Frauenförderung führt. Frau Ruoff wurde Postchefin dank ihrer CVP Mitgliedschaft udn der Tatsache, dass sie eine Frau ist. Gleiches gilt wohl für Frau Pilloud bei der SBB mit ihrem Debakel 'Swiss Pass'. Auch bei uns im Betrieb kann man ähnliches feststellen. Bestens qualifizierte Männer werden übergangen und stattdessen Frauen mit schlechterer Qualifikation in die Chefetage gehievt. Nach ein paar Jahren muss dann wieder ein Mann ran und aufräumen (vgl. z.B. SBB).
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