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Freihandel mit Südamerika «Es geht den Mercosur-Staaten ganz eindeutig um Fleisch»

Legende: Audio Schneider-Ammanns Reise nach Südamerika abspielen.
2:40 min, aus HeuteMorgen vom 30.04.2018.

Diese Woche macht Bundesrat Johann Schneider-Ammann eine Tour durch Südamerika. Seine Reise führt ihn in die Mercosur-Gründerstaaten Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien. Mit den Ländern möchte die Schweiz schon lange ein Freihandelsabkommen abschliessen. Mehrere Male ist sie allerdings mit diesem Ansinnen bereits aufgelaufen. Ulrich Achermann, Lateinamerikakorrespondent von SRF, ist diesmal aber optimistisch.

Ulrich Achermann

Ulrich Achermann

Südamerika-Korrespondent, SRF

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Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

SRF News: Wie stehen die Chancen der Schweiz, Gehör zu finden?

Ulrich Achermann: Die Rahmenbedingungen sind heute etwas besser als früher. Inzwischen sind in Argentinien und Brasilien wirtschaftsliberale Regierungen an der Macht, die ein gewisses Interesse am Freihandel entwickeln. Aber das grosse Problem bleibt der Agrarmarkt.

Die Lateinamerikaner wollen diesen Zugang, weil sie überzeugt sind, dass ihr Fleisch besser ist.

Es hängt nun von der Bereitschaft der Schweizer ab, eine salomonische Lösung zu präsentieren, die in Richtung einer Öffnung dieses Marktes geht. Und entscheidend wird sein, was Schneider-Ammann diesmal anzubieten hat.

Der Agrarmarkt war bisher der Knackpunkt bei diesen Verhandlungen mit den Mercosur-Staaten. Was sind deren konkreten Forderungen?

Es geht ganz eindeutig um Fleisch – um einen ungehinderten Zugang der Mercosur-Länder zum Agrarmarkt in der Schweiz. Und dieser ist ja bekanntermassen sehr stark vor Konkurrenz aus dem Ausland geschützt. Die Lateinamerikaner wollen diesen Zugang, weil sie überzeugt sind, dass ihr Fleisch besser ist, und dass sie zu Bedingungen produzieren können, die Schweizer Bauern nicht haben. Hier muss jetzt eine Lösung gefunden werden.

Venezuela dauerhaft suspendiert

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Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay sind die Gründerstaaten von Mercosur. Venezuela ist zwar auch Mitglied, ist aber sei 2017 dauerhaft suspendiert, weil es gegen die Demokratieklausel des Bündnisses verstösst.

Alle Gründerstaaten haben Erfahrung mit Diktaturen und autoritären Regierungen, daher die entsprechende Sensibilität. Die anderen Staaten Südamerikas sind mit Mercosur über bilaterale Verträge assoziiert.

Zurzeit verhandelt auch die EU über ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Das soll schon einigermassen weit gediehen sein. Könnte ein solcher Abschluss jenen mit der Schweiz beschleunigen?

Durchaus. Wenn das Abkommen mit der EU steht, könnte die Schweiz sich dieses als Vorbild nehmen und unter Umständen versuchen, die gleichen Bedingungen auszuhandeln.

Was hat die Schweiz mit einem Mercosur-Abkommen zu gewinnen?

Für die Schweiz würde ein Markt von 260 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten aufgehen. Es gibt in diesem Markt in diesen vier Mercosur-Ländern ein riesiges Defizit an Infrastruktur, aber auch an der Modernisierung der dortigen Industrie. Davon könnte die Schweiz sicher profitieren.

Es wird kein Freihandelsabkommen geben, wenn Bundesrat Schneider-Ammann nicht grössere Zusagen an die Mercosur-Länder mit im Gepäck hat.

Dafür muss die Schweiz also die Interessen der Landwirtschaft opfern?

Zumindest macht es den Anschein. Es wird kein Freihandelsabkommen geben, wenn Bundesrat Schneider-Ammann nicht grössere Zusagen an die Mercosur-Länder mit im Gepäck hat. Das verärgert die Bauern in der Schweiz. Sie sind auf dieser Reise gar nicht dabei. Sie hatten sich im Vorfeld schon geweigert, an einem Hearing mit anderen Wirtschaftssektoren teilzunehmen.

Das Gespräch führte Andreas Lüthi.

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